Dietrich Schwanitz in "Bildung - alles, was man wissen muss" über Wilhelm II. und den Wilhelminismus:
Das Image der Deutschen, die früher als verträumte Poeten und skurrile Gelehrte angesehen wurden, ändert sich: Jetzt sieht man ihn als unberechenbaren, aber seelenlosen Pickelhaubenträger, ein Kerl aus Metall, durch vernünftiges Reden nicht mehr erreichbar. In Mitteleuropa ist ein Monster erschienen.
Das Unternehmen Xerox ist eine amerikanische Efolgsgeschichte. Die Firma wurde bereits 1906 gegründet, doch erst 1947 erfolgte der Durchbruch: Xerox stellt den ersten Fotokopierer der Welt her - und besitzt ein Patent darauf. Noch heute heißt Fotokopieren im US-Sparachraum "to xerox" - auch wenn die Fotokopierer auch dort inzwischen überwiegend von der günstigeren Konkurrenz aus Ostasien kommen.
Doch Xerox hat sich lange auf dem Konzept des Fotokopierens ausgeruht - und dabei weder die aufziehende Billig-Konkurrenz nach Auslaufen des Patents, noch die neue Art mit Dokumenten umzugehen beachtet - bedingt durch den Siegeszug der elektronischen Datenverarbeitung, dem Aufkommen von E-Mails, Word-Dateien und Scannern.
1999 verlor die Xerox-Aktie innerhalb weniger Monate zwei Drittel an Wert. Im gleichen Jahr wurden im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen weltweit 9000 Arbeitsplätze abgebaut, was einer Reduktion von ca. 10 Prozent der Mitarbeiter gleichkommt. 2000 ist der Börsenkurs von Xerox in einem Zeitraum von nur einem Jahr um 90 Prozent eingebrochen. Drastische Maßnahmen wurden eingeleitet – die Ausgaben wurden um 1,2 Milliarden Dollar gekürzt und Aktien im Wert von 2,4 Milliarden Doller verkauft. Von über 93.000 Mitarbeitern im Jahr 1999 verblieben im Jahr 2003 nur noch 61.100. Auch Deutschland beschloss 2001/02 einen Sozialplan, auf dessen Basis etwa 500 Mitarbeiter in den darauf folgenden drei Jahren ihren Arbeitsplatz verloren. Später stellt die US-Börsenaufsicht SEC zudem vor, dass die Bilanzen zwischen 1997 und 1999 erheblich geschönt wurden.
Heute ist Xerox wieder ein gesundes Unternehmen. Neue Produkte wie der Hochleistungsdrucker iGen3 wurden eingeführt und 2004 änderte Xerox seinen Slogan. Seit dem wird die Firma mit dem Claim "The document Company" beworben. Das soll zum Asudruck bringen: Xerox, der Markenname, der in den USA "fotokopieren" bedeutet, will sich von der Einengung von diesem Gerät lösen. Statt eines einzelnen Produkts steht nun ein Geschäftsmodell im Zentrum von Xerox, das es immer geben wird: Der Umgang mit Dokumenten - in welcher Form und auf welchen Geräten diese auch immer vorhanden sein sind. Die Strategie wird konsequent verfolgt - 2009 etwa mit der Übernahme des Technologie-Dienstleisters Affiliated Computer Services für 6,4 Milliarden Dollar.
Das Auto - der Kopierer von morgen?
Dem Auto könnte eine ähnliche Zukunft bevorstehen wie dem Kopierer. Noch können die Automobilhersteller dank der starken Nachfrage in Schwellenländern glänzen. Für die aufstrebende Mittelschicht in China, Brasilien und anderen dynamischen Volkswirtschaften ist das Auto genauso Status-Symbol wie es für die materiell geprägte Mittelschicht der USA und Europa in den 1950er und 60er Jahren war.
Kein Zweifel, das Auto wird auch in Zukunft noch gebraucht werden. Doch ob es immer noch die zentrale Rolle spielen wird, die es heute spielt, ist nicht nur aus Umweltschutz-Gründen fragrlich. Anegsichts einer sich urbanisierenden Weltbevölkerung könnte viele vielleicht sogar überflüssig werden. Ich beispielsweise wohne zentral in Düsseldorf - und obwohl ich mir ein Auto leisten könnte, besitze ich keines und vermisse es auch nicht. Die Parkplatzsituation hier in Bilk ist auch so desaströs, dass jede Fahrt mit dem Auto eine elend lange Parkplatzsuche nach sich zieht.
Der weltweit Trend zur Urbanisierung hält an, glauben die meisten Forscher, die sich mit dem Thema beschäftigen - zum Glück. Das Leben in der Stadt macht reicher, gesünder und glücklicher, schont die Umwelt und wirkt sich positiv auf die ökonomische Entwicklung aus. Große Städte bringen auch diejenigen kreativen Köpfe hervor, die und technologisch und kulturell voranbringen.
Wie können Autohersteller nun langfristig auf den Megatrends Urbanisierung reagieren? Sie können sie sich - ähnlich Xerox nach ihrem schmerzhaften Umstrukturierungsprozess - von der alleinigen Fokussierung auf das Produkt Auto lösen.
Wozu ist ein Auto gut? Derzeit erfüllt es für viele Menschen vor allem ihr Mobilitätsbedürfnis. Um das Geschäft der Autohersteller langfristig also von einem Produkt - dem Auto - zu einem Geschäftsmodell umzubauen, das den Kunden eine Problemlösung anbietet, müssen heutige Autohersteller zu Mobilitäts-Konzept-Anbietern werden. Diese bieten nicht Autos an, sondern Mobilität entsprechend den Anforderungen ihrer Kunden.
Dieses Konzept kann für viele Kunden ein Auto beinhalten - muss es aber nicht. Und dieses Auto muss auch nicht unbedingt gekauft werden. Neben dem Leasing sind auch Car-Sharing-Konzepte denkbar.
In welche Richtung ein derartiger Umbau gehen kann, macht derzeit BMW vor. Gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt betreibt BMW den Car-Sharing-Dienst DriveNow. Autos können überall in der Stadt ausgeliehen und wieder abgestellt werden. Eine App auf dem Smartphone zeigt den Nutzern, wo sich das nächstgelegende DriveNow-Auto befindet und lotst sie dorthin. Abgerechnet wird ohne Grundgebühr und minutengenau. Der Preis ist derzeit noch so hoch, dass man sich auch gleich ein komfortableres Taxi leisten kann. Dennoch zeigen derartige Konzepte, in welche Richtung Autohersteller denken müssen, sollte der klassische Kauf eines Autos für große Teile der urbanisierten Welt nicht mehr im Mittelpunkt des Mobilitätsversprechens stehen.
Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.
Für Handelsblatt Online habe ich den Erfolg der Piratenpartei gestern analysiert.
Während für diese Generation digitale Technologien selbstverständlich nutzt, spricht die etablierte Politik meist nur von den Gefahren. Zum Alltag vieler Jugendlicher gehören heute beispielsweise Computerspiele. Doch während andere kulturelle Erzeugnisse wie Filme in Deutschland gefördert werden, finden Computerspiele bei Politikern meist nur im Zusammenhang mit Amokläufen, Sucht oder Vereinsamung Erwähnung. Während junge Erwachsene tagtäglich die vielen Vorzüge einer freien und unzensierten Kommunikation im Internet genießen, behandelt die etablierte Politik das Internet vornehmlich im Kontext von Kinderpornografie oder Hacker-Angriffen. Und während Unionspolitiker die verdachtslose Speicherung aller Internet-Verbindungsdaten fordern, machen sie gleichzeitig Front gegen neue Dienste wie Google Street View oder Facebook - und zwar aus Datenschutzgründen.
Die Technikfeindlichkeit kommt dabei bei weitem nicht nur von rechts. Erst kürzlich beschrieb Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker in seinem Buch „Nerd Attack“ die Vorbehalte gegen die Computer als „Arbeitsplatzvernichtern“ aus dem linken politischem Spektrum.
Doch nicht nur von der Politik fühlt sich die „Generation C64“ entfremdet, auch die Industrie hat aus der Sicht vieler den Anschluss verloren. Statt neue digitale Distributionskanäle mit aller Macht voranzutreiben, klammern sich Musik- und Filmindustrie an alte Geschäftsmodelle und rückten jugendliche „Raubkopierer“ in Kampagnen in die Nähe von Schwerverbrechern. Dieses gesellschaftliche Umfeld muss man im Hinterkopf behalten, um den kometenhaften Aufstieg der Piraten nachvollziehen zu können.
In der arabischen Welt hat das Internet mitgeholfen, Diktaturen zu stürzen – doch auch in Deutschland kommt vieles in Bewegung. Wohl noch nie war es so einfach, Menschen für politische Ziele zu mobilisieren.
Ich lese derzeit Jürgen Mirows "Weltgeschichte" (Piper-Verlag 2009). Das Buch ist in die theoretische Grundlegung und den Verlauf der Weltgeschichte unterteilt. Es beginnt 6 Millionen Jahre v.u.Z. mit der biologischen Evolution des Menschen, arbeitet sich dann von der neolithischen Revolution bis zur ökonomischen Globalisierung vor.
Besonders bei der theoretische Grundlegung hat Mirow einen interessanten Ansatz aufzuweisen. Der Historiker legt seinen Erklärungsfokus auf einen Vernetzungs- und Innovationsgedanken, also Austausch und technologische Innovation als hauptsächliche Triebfedern der Geschichte. Von der Ausbreitung von Basinnovationen wie Ackerbau, Viehzucht und Metallverarbeitung, bishin zur ökonomischen Globalisierung war es die Vernetzung, die Veränderungen ermöglicht und in einem dynamischen Prozess beschleunigt hat.
Natürlich muss bei diesem Ansatz wie bei jedem Raster der Geschichtserfassung einiges durchschlüpfen. Dennoch erscheint er mir pragmatischer und weniger theoriebeladen als klassische systemtheoretische, liberal-ökonomische, marxistische Modelle oder Modernisierungstheorien. Denn die Bezugsgröße der Betrachtung sind in diesem Modell nicht Völker oder Nationen, sondern Netzwerke der Wirtschaft, der Herrschaft und der Kultur. Die Theorie ist damit deutlich flexibler als spezifische historische Theorien wie die Modernisierungstheorie, die um bestimmte historische Ereignisse "herumgebaut" wurde.
Was sich daher besonders elegant an diesem Ansatz erweist, ist die generelle Anwendbarkeit auf alle Epochen der Weltgeschichte - eben vom Austausch der Basisinnovation Ackerbau bis zur globalen wirtschaftliche und informationellen Vernetzung im ausgehenden 20. Jahrhunderts/beginnenden 21. Jahrhunderts. Immerhin rund 100 eng beschriebene Seiten gönnt Mirow der Ausarbeitung dieser Theorie.
Damit schafft es Mirow im theoretischen Teil die wissenschaftliche Theorie und Grundlage herzuleiten, um diese dann auf den Gegenstand der Betrachtung - in diesem Fall tatsächlich die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit - anzuwenden. Nebenbei spricht er dabei mit interdisziplinären die verschiedenen Methoden und Ansätze zur prozessorientierten Geschichtserfassung zumindest alle mal kurz an. Endlich jemand, der, um es mit Popper zu sagen, "das Netz auswirft, um die Wahrheit einzufangen". Oberflächliche Betrachtungen, die mit Begriffen aus der Biologie hantieren - beispielsweise die beliebte Metaphorik von Blüte, Reife und Niedergang (vgl. z.B. Oswald Spengler), lehnt er natürlich zu recht ab.
Die Schattenseiten des Buches finden sich dann leider im eigentlichen historischen Teil des Buches - insbesondere dort, wo Mirow die Vorgeschichte des Menschen beschreibt, wo die Quellenlage dürftig ist. Leider weist der Autor nicht darauf hin, sondern schreibt Spekulationen als Tatsachen auf wie die Behauptung, archaische Gesellschaften seien Gemeinschaften von Freien und Gleichen ohne ausgeprägte Hierachie gewesen.
Das Internet ist voll von einführenden und verständlichen Erklärungen der Astrophysik. Ein Klassiker sind die Sendungen unter dem Titel Alpha Centauri des Münchner Astrophysikers Harald Lesch im Bayerischen Rundfunk. Leider kratzen die jeweils 15-mintütigen TV-Vorträge naturgemäß jeweils nur an der Oberfläche.
Etwas ausführlicher sind da schon die Vorträge der TED Conference zum Thema, die ebenfalls sämtlich online gestellt werden. Besonders empfehelenswert: Die Physikerin Patricia Burchat erklärt Dunkle Materie und Dunkle Energie, der Physiker Brian Cox erklärt, was die Teilchenforscher am Lagre Hadron Collider (LHC) des CERN eigentlich suchen und der Physiker und Bestseller-Autor Brian Greene gibt eine schnelle Einführung in der Superstring-Theorie. Eine umfassende Einführung in die Astrophysik von den Dimensionen des Universums über die Sternenentstehung bishin zu möglichen außerirdischen Zivilisationen findet sich in der entsprechenden kostenlosen Video-Reihe der Khan Academy.
Der zuletzt für mich interessanteste wissenschaftliche Vortrag, den ich im Netz gesehen habe, ist allerdings ein Vortrag mit dem Titel "Life, the Universe and Nothing" des Physikers und Bestseller-Autors Lawrence Krauss, den ich bei Astrodicticum Simplex entdeckt habe:
Darin zeichnet Krauss ein düsteres Bild von der Zukunft der Astronomie. Weil sich der Raum unseres Universums ausdehnt - und diese Expansion des Universums jüngeren Forschungen zufolge auch noch an Geschwindigkeit zunimmt - sieht das Universum der Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich düster aus. Noch erreicht uns die Hintergrundstrahlung, die uns Informartionen aus dem frühen Universum liefert und unsere Teleskope wie das Hubble Space Telescope können tief ins All blicken und fernste Galaxien des jungen Universums erspähen - viele Lichtjahre von uns entfernt.
Doch das Universum expandiert und ähnlich Punkten auf einem Luftbalon, der sich aufbläht, scheinen sämtlich Himmelsobjekte von uns aus gesehen wegzustreben - und zwar je schneller, desto weiter diese von uns entfernt sind. Das von den Sternen ferner Galaxien zu uns emittierte Licht erscheint deshalb rotverschoben - die Wellen der elektromagnetischen Strahlung sind durch die Expansion des Raums gestreckt. Daher werden zur Boebachtung ferner Galaxien und Sterne auch Infrarotteleskope wie das SOFIA eingesetzt, um in die Tiefen des Alls zu Blicken. Das Licht sehr ferner Sterner wurde so stark rotverschoben, das sich die elektromagnetische Strahlung nicht mehr im sichtbaren Bereich, sondern im Infrarotbereich befindet.
In ferner Zukunft werden diese Wellen so stark gestreckt sein, das eine Amplitude nicht mehr feststellbar ist. Sie sind für uns also nicht mehr messbar. Unsere Galaxie, die Milchstraße, wird aufgrund der Gravition bestehen bleiben - doch ferne Galaxien werden Menschen - oder was auch immer dann in unserer oder anderen Galaxien lebt - nicht mehr sehen können. Es entsteht also der Eindruck eines endlichen Universums, das aus unserer Milchstraße besteht. Weil auch die Hintergrundstrahlung auf dem "Baby-Universum" verschwunden sein wird, werden die Astronomen der Zukunft keine Hinweise auf den Big Bang finden können. Da es außer unserer eigenen keine Galaxien mehr zu beobachten geben wird, können auch Dunkle Materie und Dunkle Energie nicht mehr entdeckt werden. Wahrhaft düstere Aussichten für die Wissenschaft.
Warum gibt es eigentlich Männer? Diese Frage stammt nicht aus einem radikalfeministischen Seminar, sondern beschäftigt vor allem Evolutionsbiologen. Rein biologisch betrachtet wäre die geschlechtslose Fortpflanzung asexueller Lebewesen deutlich effizienter. Diese könnten sich schlicht selbst befruchten, wie es in der Natur auch durchaus vorkommt – und sich so den mühseligen Prozess des Partnersuchens sowie das Werben um das andere Geschlecht ersparen. Dennoch hat sich die aufwendige geschlechtliche Fortpflanzung in der Tierwelt auf breiter Front durchgesetzt.