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Über Silvester bin ich von Düsseldorf mit Air Berlin nach Wien geflogen - und wieder zurück. Dabei wurde mein Kurzreiesekoffer so sehr beschädigt, dass er nicht mehr zu reperarieren war. Kein Problem, dachte ich mir - so ein Koffer wird schließlich schnell ersetzt. Selbst hatte ich mit so einer Beschädigung keine Erfahrung - doch von anderen weiß ich, dass zumindest die Lufthansa schnell und unkompliziert hilft.

Nicht so Air Berlin. Eine Vorahnung davon bekam ich schon am Flughafen Düsseldorf, wo ich mein Gepächstück bei der zuständigen Stelle reklamierte. "Welche Gesellschaft?" "Air Berlin" "Oh, das wird kompliziert". Die Fluggesellschaft, die auf ihrer Website mit "perfektem Service" wirbt, verlangt nicht weniger als die folgenden Dokumente zur Gepäckreklamation:

- Schadensmeldung vom Flughafen

- Buchungsbestätigung, Flugschein

- Gepäckkontrollabschnitt

- Reparaturquittung oder Bescheinigung eines Fachgeschäftes, dass eine Reparatur nicht möglich ist mit Angabe zu Neupreis, Alter, Fabrikat

- Angabe, dass keine Reisegepäckversicherung besteht

Erst wenn alle diese Dokumente vorliegen, reagiert Air Berlin überhaupt. Das Gutachten muss dabei selbstverständlich selbst erstellt und vorfinanziert werden. Die dadurch verlorene Zeit und die Fahrt zu einem Fachgeschäft, das das Gutachten erstellen kann, ersetzt Air Berlin nicht.

Bei mir löst eine derart kundenfeindliche Abwerhstrategie gegen berechtigte Forderungen eine Trotz-Reaktion aus. Tatsächlich habe ich alle Dokumente samt Gutachten besorgt und am 19. Januar 2012 gesammelt an Air Berlin geschickt. Schnell bekam ich eine schriftliche Bestätigung über den Eingang der Dokumente. Dann tat sich monatelang nichts mehr. Auf eine E-Mail an kundenservice@airberlin.com vom 26. April 2012 reagierte Air Berlin überhaupt nicht.

Vergangene Woche - also mehr als drei Monate später - riss mir der Geduldsfaden. Wie langsam die Mühlen bei schriftlicher Kommunikation bei Air Berlin mahlen, wusste ich inzwischen ja. Also versuchte ich die in dem Brief angegebene Service-Nummer: 030/3434-0. Egal zu welcher Tageszeit ich diese Nummer wählte - und ich versuchte es an mehereren Tagen - immer bekam ich dieselbe Bandansage: Derzeit riefen zu viele Kunden an, ich solle es später noch einmal probieren.

Letzter Ausweg: Social Media. Nachdem ich mich über Twitter beschwerte, reagierte der Twitter-Account binnen Minuten. Ich solle mein Anliegen noch mal einen eine spezielle Twitter-E-Mail-Adresse schicken. Merke: Es gibt Kunden erster und zweiter Klasse bei Air Berlin: Jene, die sich für sich alleine ärgern und jene, die ihrem Ärger öffentlich via Twitter oder Facebook Luft machen - offenbar nur letztere werden ernst genommen.

Tatsächlich ging nach meiner Twitter-Beschwerden alles sehr schnell. Auf den 30.4.2012 datiert ist ein Brief, in dem mir Air Berlin mitteilt, dass sie mir 24 Euro zzgl. der Gutachter-Kosten erstatten werden. Ich frage mich allerdings, ob Air Berlin das extra erstellte Gutachten überhaupt gelesen hat. Dem Gutachten zufolge hatte der Koffer nämlich noch einen Zeitwert von 36 Euro.

Am Freitag schrieb Finn Mayer-Kuckuk im Handelsblatt über den Sturz des charismatischen Reformpolitikers Bo Xilai in China:

Die Entmachtung Bos bedeutet eine erhebliche Umwälzung für Chinas politische Landschaft. Der 62-Jährige bot eine wohltuende Abwechslung zum Modell des unzugänglichen, bürokratischen Betonkommunisten. Er zeigte sich den Medien gegenüber offen und machte im Fernsehen eine gute Figur. Vor allem aber gilt er als Urheber einer Blaupause für die nächste Stufe der Entwicklung Chinas. Seine Ideen werden heute allgemein das "Chongqing-Modell" genannt.

Bis gestern sahen die Chancen gut aus, dass dieses Konzept eines Tages vom begrenzten Labor des Stadtstaates auf ganz China übertragen wird.Das Chongqing-Modell sieht vor, dass die Regierung auch künftig ihren Zugriff auf die Wirtschaft behält. Statt weitere Staatsbetriebe zu privatisieren, sollen diese in öffentlicher Hand bleiben und ihre Gewinne der Allgemeinheit zugute kommen. Bo versteht das als Gegenmodell zum egoistischen Kapitalismus amerikanischer Prägung, bei dem Einzelinteressen der Allgemeinheit schaden können.

In einem Artikel des in Singapur ansässige East Asien Institute heißt es:

In 2008, when China’s growth significantly slowed to only nine percent, Chongqing’s GDP grew by 14.3%, 5.3 percentage point higher than that of the national level. Thanks to a package of preferential policies and the good leadership by Bo Xilai and his colleagues, the hilly city is set to become a manufacturing centre, a logistics hub and a civil aviation hub in southwest China.

 

[...]

 

An alternative to the export-oriented development model widely adopted in the booming eastern areas, the Chongqing model is based on domestic demand (domestic consumption and investment) for its economic growth.

Vergangenes Jahr habe ich etwas über Netzwerke als Motor von Innovationen geschrieben. Einen hochinteressanten Blick auf Netzwerke als Motor der biologischen Evolution wagte der Informatiker Danny Hills in einem der ganze frühen Vorträge der TED-Konferenz. Heute noch so spannend wie damals:

Via @fasel

Everything is a Remix Part 4 from Kirby Ferguson on Vimeo.

Via Netzfilmblog

 

Die Zeit hat einen sehr schönen Artikel über den Alternativmedizinforscher Edzard Ernst geschrieben. Der Professor für Alternativmedizin untersucht Heilmethoden wie die Homöopathie mit wissenschaftlichen Mitteln - und in vielen Fällen ernüchternden Ergebnissen. Homöopathie beispielsweise ist nicht besser als jeder andere wirkungslose Placebo, stellt er fest: 

Er rekrutierte drei Homöopathen, um Kinder mit Asthma zu behandeln. 96 Kinder wurden aufgeteilt: Die eine Gruppe sollte ein Placebo bekommen, die andere homöopathische Globuli. Weder die Kinder noch die Eltern oder die Homöopathen wussten, welcher Gruppe ein Kind angehörte. Die Homöopathen verschrieben jedem Kind das Mittel ihrer Wahl, dann faxten sie das Rezept an eine Londoner Apotheke, die Apotheke schickte Globuli und Placebo (nur mit »A« und »B« gekennzeichnet) an den Notar, und dieser händigte – nach Abgleich mit der Liste – eines von beiden den Eltern aus.

Die Studie erfüllte den höchsten Standard der evidenzbasierten Medizin: Sie war »randomisiert«, weil die Kinder per Zufallsgenerator ausgewählt wurden, »placebokontrolliert«, weil sie die Medizin mit der Wirkung eines Placebos verglich, und sie war »doppelblind«, weil weder die Homöopathen noch die Kinder wussten, wer das Placebo und wer die mutmaßliche Medizin schluckte. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Globuli wirkten nicht besser als das Placebo.

Quelle: Zeit Online

Mit seiner Forschung machte er sich mächtige Feinde - darunter Homöopathie-Anhänger Prinz Charles.

Mehr: Edzard gegen Charles

Edzard Ernst bei Twitter

 

Dietrich Schwanitz in "Bildung - alles, was man wissen muss" über Wilhelm II. und den Wilhelminismus:

Das Image der Deutschen, die früher als verträumte Poeten und skurrile Gelehrte angesehen wurden, ändert sich: Jetzt sieht man ihn als unberechenbaren, aber seelenlosen Pickelhaubenträger, ein Kerl aus Metall, durch vernünftiges Reden nicht mehr erreichbar. In Mitteleuropa ist ein Monster erschienen.

Das Unternehmen Xerox ist eine amerikanische Efolgsgeschichte. Die Firma wurde bereits 1906 gegründet, doch erst 1947 erfolgte der Durchbruch: Xerox stellt den ersten Fotokopierer der Welt her - und besitzt ein Patent darauf. Noch heute heißt Fotokopieren im US-Sparachraum "to xerox" - auch wenn die Fotokopierer auch dort inzwischen überwiegend von der günstigeren Konkurrenz aus Ostasien kommen.

Doch Xerox hat sich lange auf dem Konzept des Fotokopierens ausgeruht - und dabei weder die aufziehende Billig-Konkurrenz nach Auslaufen des Patents, noch die neue Art mit Dokumenten umzugehen beachtet - bedingt durch den Siegeszug der elektronischen Datenverarbeitung, dem Aufkommen von E-Mails, Word-Dateien und Scannern.

1999 verlor die Xerox-Aktie innerhalb weniger Monate zwei Drittel an Wert. Im gleichen Jahr wurden im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen weltweit 9000 Arbeitsplätze abgebaut, was einer Reduktion von ca. 10 Prozent der Mitarbeiter gleichkommt. 2000 ist der Börsenkurs von Xerox in einem Zeitraum von nur einem Jahr um 90 Prozent eingebrochen. Drastische Maßnahmen wurden eingeleitet – die Ausgaben wurden um 1,2 Milliarden Dollar gekürzt und Aktien im Wert von 2,4 Milliarden Doller verkauft. Von über 93.000 Mitarbeitern im Jahr 1999 verblieben im Jahr 2003 nur noch 61.100. Auch Deutschland beschloss 2001/02 einen Sozialplan, auf dessen Basis etwa 500 Mitarbeiter in den darauf folgenden drei Jahren ihren Arbeitsplatz verloren. Später stellt die US-Börsenaufsicht SEC zudem vor, dass die Bilanzen zwischen 1997 und 1999 erheblich geschönt wurden.

(Quelle: Wikipedia)

Heute ist Xerox wieder ein gesundes Unternehmen. Neue Produkte wie der Hochleistungsdrucker iGen3 wurden eingeführt und 2004 änderte Xerox seinen Slogan. Seit dem wird die Firma mit dem Claim "The document Company" beworben. Das soll zum Asudruck bringen: Xerox, der Markenname, der in den USA "fotokopieren" bedeutet, will sich von der Einengung von diesem Gerät lösen. Statt eines einzelnen Produkts steht nun ein Geschäftsmodell im Zentrum von Xerox, das es immer geben wird: Der Umgang mit Dokumenten - in welcher Form und auf welchen Geräten diese auch immer vorhanden sein sind. Die Strategie wird konsequent verfolgt - 2009 etwa mit der Übernahme des Technologie-Dienstleisters Affiliated Computer Services für 6,4 Milliarden Dollar. 

Das Auto - der Kopierer von morgen?

Dem Auto könnte eine ähnliche Zukunft bevorstehen wie dem Kopierer. Noch können die Automobilhersteller dank der starken Nachfrage in Schwellenländern glänzen. Für die aufstrebende Mittelschicht in China, Brasilien und anderen dynamischen Volkswirtschaften ist das Auto genauso Status-Symbol wie es für die materiell geprägte Mittelschicht der USA und Europa in den 1950er und 60er Jahren war. 

Kein Zweifel, das Auto wird auch in Zukunft noch gebraucht werden. Doch ob es immer noch die zentrale Rolle spielen wird, die es heute spielt, ist nicht nur aus Umweltschutz-Gründen fragrlich. Anegsichts einer sich urbanisierenden Weltbevölkerung könnte viele vielleicht sogar überflüssig werden. Ich beispielsweise wohne zentral in Düsseldorf - und obwohl ich mir ein Auto leisten könnte, besitze ich keines und vermisse es auch nicht. Die Parkplatzsituation hier in Bilk ist auch so desaströs, dass jede Fahrt mit dem Auto eine elend lange Parkplatzsuche nach sich zieht.

Der weltweit Trend zur Urbanisierung hält an, glauben die meisten Forscher, die sich mit dem Thema beschäftigen - zum Glück. Das Leben in der Stadt macht reicher, gesünder und glücklicherschont die Umwelt und wirkt sich positiv auf die ökonomische Entwicklung aus. Große Städte bringen auch diejenigen kreativen Köpfe hervor, die und technologisch und kulturell voranbringen.

Wie können Autohersteller nun langfristig auf den Megatrends Urbanisierung reagieren? Sie können sie sich - ähnlich Xerox nach ihrem schmerzhaften Umstrukturierungsprozess - von der alleinigen Fokussierung auf das Produkt Auto lösen.

Wozu ist ein Auto gut? Derzeit erfüllt es für viele Menschen vor allem ihr Mobilitätsbedürfnis. Um das Geschäft der Autohersteller langfristig also von einem Produkt - dem Auto - zu einem Geschäftsmodell umzubauen, das den Kunden eine Problemlösung anbietet, müssen heutige Autohersteller zu Mobilitäts-Konzept-Anbietern werden. Diese bieten nicht Autos an, sondern Mobilität entsprechend den Anforderungen ihrer Kunden.

Dieses Konzept kann für viele Kunden ein Auto beinhalten - muss es aber nicht. Und dieses Auto muss auch nicht unbedingt gekauft werden. Neben dem Leasing sind auch Car-Sharing-Konzepte denkbar.

In welche Richtung ein derartiger Umbau gehen kann, macht derzeit BMW vor. Gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt betreibt BMW den Car-Sharing-Dienst DriveNow. Autos können überall in der Stadt ausgeliehen und wieder abgestellt werden. Eine App auf dem Smartphone zeigt den Nutzern, wo sich das nächstgelegende DriveNow-Auto befindet und lotst sie dorthin. Abgerechnet wird ohne Grundgebühr und minutengenau. Der Preis ist derzeit noch so hoch, dass man sich auch gleich ein komfortableres Taxi leisten kann. Dennoch zeigen derartige Konzepte, in welche Richtung Autohersteller denken müssen, sollte der klassische Kauf eines Autos für große Teile der urbanisierten Welt nicht mehr im Mittelpunkt des Mobilitätsversprechens stehen.

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Max Goldt

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