Kaum etwas hat große Teil der aktiven Internetnutzerschaft so aufgewühlt wie die Vorstellung von Apples iPad. Scheint es doch auf dem ersten Blick das fortzusetzen, was sich bereits mit Facebook & Co zunehmend als Trend im Netz abzeichnet: Die zunehmende Dominanz geschlossener und kontrollierter Plattformen - fast so wie zu Zeiten von AOL & Co.
Mit dem iPad weitet Apple das iPhone-Konzept erstmals auch auf große Geräte aus: Der US-Konzern hat den Finger drauf, welche Apps auf dem Gerät laufen. Legal können Programme für das Gerät nur über den App Store erworben werden. Bei jeder App verdient Apple kräftig mit und Konkurrenzprodukte werden einfach nicht zugelassen.
Man stelle sich den Aufschrei vor, Microsoft hätte auf PCs, auf denen Windows läuft, Konkurrenzprogramme zu Office & Co einfach nicht zugelassen. Kommt also die Apple-Diktatur? Schon leuchten die Augen der Verlage, weil sie hoffen, mit dem Heilsbringer Steve Jobs sei endgültig die Freiheitsideologie des Internet am Ende und man könne jetzt endlich zum Hauptzweck des Internets, dem Geldverdienen, kommen.
Man kann das nun als paradigmatisches Ende des Internets beklagen oder als magische Revolution bejubeln. Letztlich ist das iPad nur die konsequente Fortsetzung einer technischen und wirtschaftlichen Entwicklung, die Steve Jobs selbst begonnen hat. Schließlich war schon das Betriebssystem für den ersten Macintosh ein Sakrileg, weil es mit seiner geschlossenen Struktur der "Open Access"-Ethik der Computerwelt widersprach.
Quelle: sueddeutsche.de
Die Rückkehr der Freiheit: HTML 5
Doch die feuchten Verlagsträume von einer Jobs-Diktatur, bei der sie sich wenigsten an den herunterfallenden Krümeln des großen Apple-Kuchens laben können, könnten jäh zu Ende sein: Auf dem iPad läuft ein Browser, der den neuen HMTL-Standard HTML5 unterstützen wird. Mit HTML5 ist fast alles möglich, wofür man bisher proprietäre Technologien Flash & Co brauchte - und das in einer komplett plattformunabhängigen Technologie.
Steve Jobs weiß, dass er mit Apple auf absehbare keine vergleichbare Marktdominanz wie Microsoft erreichen kann und ist in diesem Fall daher sogar ausnahmsweise ein Förderer des freie Formats. Ihm wird nachgesagt, Adobes Flash auf iPhone und iPad absichtlich zu boykottieren, um die proprietäre Technologie zu verdrängen und HTML5 zum Durchbruch zu verhelfen. Der Grund: Die Windows-Version von Flash ist der für Apple weit überlegen, weil die Entwickler wenig Ressourcen auf die alternativen Plattformen Mac und Linux verwenden. "Wann immer ein Mac abstürzt, ist es wegen Flash", soll Jobs gesagt haben.
Google verfolgt mit Chrome OS von vorne herein den HTML5-Ansatz und fordert Entwickler auf, direkt für das Web zu entwickeln. Die Daten sind überall verfügbar und der Nutzer ist - anders als bei Apps - an kein Gerät und keine Plattform gebunden.
Man sagt, Menschheitsentwicklungen vollzögen sich normalerweise in dem Tempo zwei Schritt nach vorne, einer zurück. So gesehen ist der iPad vielleicht ein Rückschritt aber nur, um den die nächsten beiden Schritte nach vorne einzuleiten.





