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Wie bereits erwähnt hat Apple Microsoft bei der Marktkapitalisierung überholt, obwohl Microsoft immer noch deutlich mehr Gewinn macht - wobei Apple deutlich aufholt. Zu recht, denn Microsoft hat einen schwerwiegenden strategischen Fehler gemacht. Ein Großteil des Gewinns hängt an zwei Produkten: Windows und Office.

Damit ist der Konzern abhängig von von der PC-Gegenwart, die schon bald der Vergangenheit angehören könnte. Microsoft ist es nicht gelungen, sein Geschäftsmodell rund um eine Dienstleistung - der Datenverarbeitung von Büros und Privatleuten - herumzubauen. Sie haben ihr Geschäftsmodell auf Produkte gestützt - und sich damit von der bestehenden Technologie abhängig gemacht. Die aber könnte zur Nische werden, denn das mobile Internet ist auf dem Vormarsch und knabbert immer stärker Marktanteil des klassischen PCs.

Lange konnte sich Microsoft im Bereich der Desktop-PCs auf einer marktberherrschenden Stellung im Betriebssystem-Segment stützen. Doch der Anteil an PCs am Gesamtkuchen der Geräte im Netz wird dramatisch schrumpfen. Apple-Chef Steve Jobs machte das mit folgendem Vergleich deutlich: PCs sind wie Lastwagen, behauptet Jobs auf der D8-Konferenz. Würden wir in einer Argranation leben, würden die meisten Menschen Lastwagen fahren, weil sie dort am häufigsten benötigt werden. Inzwischen haben wir uns aber weiterentwickelt: Für die meisten Dinge, die Leute mit Autos heute anstellen, sind Lastwagen völlig überdimensioniert.

Auch ich habe lange am Erfolg des iPads gezweifelt. Jüngste Zahlen belegen das Gegenteil: Apples iPad ist ein riesiger Erfolg. Auch das neue iPhone hat bereits einen neuen Bestell-Rekord aufgestellt. Einer Studie von Google und Otto Group zufolge wird bereits in zwei Jahren jeder vierte Deutsche eine Smartphone besitzen. Damit verlagert sich die Computerbenutzung weg von den Lastwagen, hin zu den vielen kleinen wendigen und mobilen Geräten - und hier hat Microsoft mit Windows Mobile einen verschwindend geringen Marktanteil.

Natürlich kann ein iPad weniger als ein vollwertiges Netbook. Es hat aber dennoch einen Nutzen: Es ist nicht nur mobiler, sondern vermittelt ein völlig anderes Nutzererleben. Anders als beim PC handelt es sich um ein Lean-Back-Medium, ein Gerät zum abschalten und konsumieren - und dazu gehören auch große Teile des Webs. Allein die Tatsache, dass ein iPad nach wenigen Sekunden startbereit ist und auch an einem Frühstückstisch nicht völlig deplatziert wirkt, macht es auch zum ersten Mal zu etwas, was der klassichen Zeitung auch in den Nutzungsgewohnheiten Konkurrenz macht. Und vor allem:

Noch hat der Blackberry von RIM auf dem Bereich der Smartphones den größten Marktanteil - aber Apple holt mit dem iPhone kräftig auf. Microsoft hat damit gleich ein doppeltes Problem: Erstens schrumpft der PC-Anteil am Gesamtmarkt, auf dessen Plattform Microsoft fast den gesamten Umsatz macht.

Die Grundlage des Windows-Monopols wackelt

Zweitens aber wackelt die wichtigste Säule des Windows-Quasi-Monopols auf PCs. Denn mit der zunehmenden Verbreitung von Nicht-Windows-Geräten wie Smartphones, iPads und auch Netbooks, auf denen Chrome OS läuft, werden immer mehr Softwareanbieter nicht mehr exklusiv für die Windows-Plattform entwickeln. Die extrem hohe Verfügbarkeit von Software für die Plattform wirkte lange als ein selbsterhaltenes System: Weil Windows so verbreitet war, wurde fast sämtliche Desktop-PC-Software für Windows entwickelt, weil so viele Anwendungen verfügbar waren, nutzen so viele User Windows. Sonderlich beliebt war das Betriebssystem nie.

Der Trend zu kostenlosen Online-Anwendungen wird sich fortsetzen. Schon jetzt setzt Google Docs der Büro-Suite von Microsoft zu. So sehr, dass es den Konzern ebenfalls zu einer kostenlosen Freigabe einer werbefinanzierten Light-Web-Version von Office zwang - zulasten des klassichen - was Sebastian Matthes von der Wiwo als "Tanz mit dem Teufel" bezeichnet.

Wie die Zukunft der EDV aussieht, entscheidet sich nun auf den mobilen Smartphone und Tablet-PC-Plattformen. Vordergründig streiten hier zwei entgegensetzt Ansätze um die Vorherrschaft: Googles offene Linux-basierte Smartphone-Plattform Android und Apples geschlossenes restrikivtes iOS4-Modell auf iPhones und iPads.

Apple verfolgt dabei einen Ansatz, den man Microsoft nie hätte durchgehen lassen. Man stelle sich nur mal vor, Microsoft hätte auf dem PC den Nutzern vorgeschrieben, welche Anwendungen sie ausführen dürfen und welche nicht - beispielsweise weil sie nicht den Moralvorstellungen Microsofts entsprechen oder Konkurrenzprodukte darstellen. Man stelle sich weiterhin den Aufschrei vor, den Microsoft mit der Forderung ausgelöst hätte, mit 30 Prozent am Umsatz jeder Windows-Software beteiligt zu werden Genau das tut Apple heute. iOS ist eine komplett kontrollierte Plattform.

Allerdings hat Steve Jobs eine Hintertür offen gelassen: Die bedingungslose Unterstützung von HTML5. Es bietet den Entwicklern eine Möglichkeit, sich bei der Entwicklung nicht von einer Plattform abhängig zu machen. Auch mit HTML5 sind im Zusammenspiel mit JavaScript komplexe Anwendungen möglich, mit denen Entwickler alle Plattformen erreichen - so lange ein HTML5-fähiger Browser vorhanden ist. Allerdings bieten derartige Webanwendungen natürlich nicht dasselbe smarte Use & feel wie eine native App auf iPhone oder iPad.

Ob die Zukunft des mobilen Computing also eine offene oder eine geschlossene Veranstaltung werden wird, hängt vielleicht nicht zuletzt davon, ob sich die Entwickler von der Schönheit und Anmutung Apples verführen lassen, die dessen native API erlaubt. Microsoft jedenfalls wird so oder so keine Rolle in diesem Markt spielen.

Über die Wachablösung an der Börse ist heute in den Tageszeitungen viel geschrieben worden: Apple hat Microsoft - zumindest vorübergehend - als größtes Technologieschwergewicht der Welt abgelöst. Zwar macht Microsoft immer noch deutlich mehr Gewinn - aber das mit Produkten der Vergangenheit. Die Börse als Abbild der Zukunftserwartungen sieht Apple vorne.

Ich will das in diesem Eintrag den Epochenwandel nicht aus betriebswirtschaftlicher Sicht kommentieren, sondern eine kurze feuilletonistische Erzählung der Computergeschichte aufschreiben. Fast meint man dort den hegel'schen Weltgeist wirken zu sehen: Das ewige teleologische Fortschreiten der Menschheit, das sich These, Antithese und Synthese vollzieht. Im Folgenden eine völlig verkürzte und nicht allen Details korrekte Darstellung - Feuilleton halt. ;)

Kraft: Am Anfang war IBM

Am Anfang der Geschichte der Computertechnologie als Branche stand IBM, die den Markt in den 60er und 70er Jahren dominierten. Groß, schwer, stark. Ein klassischer Konzern, der klassische Konzernprodukte an andere Konzerne verkaufte: Es war die Zeit der Mainframes, in dem Kraft und Größe zählten. Computer füllten erst Häuser, dann immer noch ganze Schränke. Technologisch vorne war derjenige, der mit reiner Rechenkraft punktete. 

Intelligenz: Microsoft entdeckt die Software

Der zweite Teil der Erzählung beginnt mit Microsoft und der Entdeckung der Software. Bill Gates erkannte, dass der Wert von Computern nicht in der reinen Rechenkraft der Maschinen lag, sondern in dem, was man damit anstellen kann. Was zuvor meist als Dreingabe zur Hardware verstanden wurde, die kostenlos mitgeliefert wurde, wurde zum eigentlichen Geschäftsmodell: Die Software-Lizenz war geboren. Die Muskelkraft der Prozessoren wurde vom Hirn der Software ausgestochen.

Doch Microsoft hatte schnell das Image eines Langeweilers. Langeweilige Software für langweilige Büroarbeiten. Das Herz der Konsumenten wurde nicht angesprochen, glühende Anhänger fand Microsofts Software nicht.

Gefühl: Apple zielt auf das Herz des Endverbrauchers

Der dritte Teil diesen kurzen Computergeschichte beginnt daher mit der Wiedererfindung von Apple ab Ende 1996 durch die Rückkehr des verlorenen Sohnes Setve Jobs. Er erkannte, dass nicht nur die Muskelkraft der alten IBM-Maschinen Schnee von gestern war, seit Computer immer schneller wurden - auch die Intelligenz von Software alleine reichte nicht für den dauerhaften Markterfolg. Steve Jobs hat das Herz entdeckt: Gefühl, Anmutung, Schönheit strahlen seine Produkte aus, die auf den Endverbraucher zielen.

Computertechnologie ist längst zu einem Massennmarkt geworden. Langfristig gewinnt deshalb nicht derjenige am Markt, der nur den kühl rechnenden Controller im Unternehmen durch intelligente Softwarelösungen überzeugt, er muss auch das Herz des Konsumenten erreichen.

Anfang des 20. Jahrhunderts sind hunderte Autohersteller in den USA wie Pilze aus dem Boden geschossen. Wie in fast jeder neuen Industrie machte sich schnell eine Goldgräberstimmung breit. Wenige Jahrzehnte später waren so gut wie alle pleite - nur einige Große überlebten. Wer aus dem Massensterben der Automobilhersteller im 20. Jahrhundert das Ende des Automobils abgeleitet hätte, wäre zu recht verspottet worden. Der Branche wurde nur das Schicksal jedes neuartigen Wirtschaftszweiges zuteil: Sie konsolidierte sich.

Ganz ähnlich funktioniert das auch mit den sozialen Netzwerken, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. So will AOL das teuer gekaufte Bebo schließen oder verkaufen.

Nun schließt Handelsblatt-Medienjournalist Hans-Peter Siebenhaar aus dem Sterben einzelner Plattformen gleich auf das Sterben der sozialen Netzwerke insgesamt ("Das Sterben sozialer Netzwerke hat begonnen", nur im Print). Dabei wachsen die Platzhirsche - allen voran Facebook - kräftig weiter. Als Paradebeispiel führt Siebenhaar "Second Life" an - ausgerechnet das technisch schlechte Produkt, das außerhalb einer kleinen Riege von Journalisten und Konzernvorständen ohne dem Hauch einer Ahnung vom Internet nie irgendwen interessiert hat. Selbst zu Spitzenzeiten waren gerade einmal 40.000 Nutzer auf Second Life online - bei Facebook sind mehr als 400 Millionen aktiv.

Facebook wird es auch in 100 Jahren noch geben. Bei Ford ist das schon weniger sicher.

Kaum etwas hat große Teil der aktiven Internetnutzerschaft so aufgewühlt wie die Vorstellung von Apples iPad. Scheint es doch auf dem ersten Blick das fortzusetzen, was sich bereits mit Facebook & Co zunehmend als Trend im Netz abzeichnet: Die zunehmende Dominanz geschlossener und kontrollierter Plattformen - fast so wie zu Zeiten von AOL & Co.

Mit dem iPad weitet Apple das iPhone-Konzept erstmals auch auf große Geräte aus: Der US-Konzern hat den Finger drauf, welche Apps auf dem Gerät laufen. Legal können Programme für das Gerät nur über den App Store erworben werden. Bei jeder App verdient Apple kräftig mit und Konkurrenzprodukte werden einfach nicht zugelassen.

Man stelle sich den Aufschrei vor, Microsoft hätte auf PCs, auf denen Windows läuft, Konkurrenzprogramme zu Office & Co einfach nicht zugelassen. Kommt also die Apple-Diktatur? Schon leuchten die Augen der Verlage, weil sie hoffen, mit dem Heilsbringer Steve Jobs sei endgültig die Freiheitsideologie des Internet am Ende und man könne jetzt endlich zum Hauptzweck des Internets, dem Geldverdienen, kommen.

Man kann das nun als paradigmatisches Ende des Internets beklagen oder als magische Revolution bejubeln. Letztlich ist das iPad nur die konsequente Fortsetzung einer technischen und wirtschaftlichen Entwicklung, die Steve Jobs selbst begonnen hat. Schließlich war schon das Betriebssystem für den ersten Macintosh ein Sakrileg, weil es mit seiner geschlossenen Struktur der "Open Access"-Ethik der Computerwelt widersprach.

Quelle: sueddeutsche.de

Die Rückkehr der Freiheit: HTML 5

Doch die feuchten Verlagsträume von einer Jobs-Diktatur, bei der sie sich wenigsten an den herunterfallenden Krümeln des großen Apple-Kuchens laben können, könnten jäh zu Ende sein: Auf dem iPad läuft ein Browser, der den neuen HMTL-Standard HTML5 unterstützen wird. Mit HTML5 ist fast alles möglich, wofür man bisher proprietäre Technologien Flash & Co brauchte - und das in einer komplett plattformunabhängigen Technologie.

Steve Jobs weiß, dass er mit Apple auf absehbare keine vergleichbare Marktdominanz wie Microsoft erreichen kann und ist in diesem Fall daher sogar ausnahmsweise ein Förderer des freie Formats. Ihm wird nachgesagt, Adobes Flash auf iPhone und iPad absichtlich zu boykottieren, um die proprietäre Technologie zu verdrängen und HTML5 zum Durchbruch zu verhelfen. Der Grund: Die Windows-Version von Flash ist der für Apple weit überlegen, weil die Entwickler wenig Ressourcen auf die alternativen Plattformen Mac und Linux verwenden. "Wann immer ein Mac abstürzt, ist es wegen Flash", soll Jobs gesagt haben.

Google verfolgt mit Chrome OS von vorne herein den HTML5-Ansatz und fordert Entwickler auf, direkt für das Web zu entwickeln. Die Daten sind überall verfügbar und der Nutzer ist - anders als bei Apps - an kein Gerät und keine Plattform gebunden.

Man sagt, Menschheitsentwicklungen vollzögen sich normalerweise in dem Tempo zwei Schritt nach vorne, einer zurück. So gesehen ist der iPad vielleicht ein Rückschritt aber nur, um den die nächsten beiden Schritte nach vorne einzuleiten.

Das ist hier sozusagen ein erweitertes Twitter-Posting, weil dafür 140 Zeichen nicht ausreichen. Es geht um den Fall der mutmaßlichen Erpressung der VZ-Netzwerke durch den 20-jährigen Matthias L., der sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen hat. 

Was bisher wenigen aufgefallen zu sein scheint, in diesem Fall der etwas seltsame Schlingerkurs des Anwalts Ulrich Dost, der den mutmaßlichen Erpresser vertritt. Erst zitierte ihn die Nachrichtenagentur DDP mit dem Vorwurf, die VZ-Netzwerke hätten seinem Mandaten ein "Schweigegeld" geboten.

Die Original-DDP-Interview vom 3. November habe ich nicht gefunden, hier aber Auszüge aus einer längeren zusammenfassenden DDP-Nachricht vom 6. November:

Der Berliner Rechtsanwalt Ulrich Dost vertrat den 20-Jährigen bis zu dessen Tod. Der Strafverteidiger will seinen verstorbenen Mandanten nicht heroisieren, das Aufdecken von Sicherheitslücken im sozialen Netzwerk sei "sicher nicht" dessen Anliegen gewesen. Eher habe er das Einsammeln der Daten als "Just-for-Fun-Projekt gesehen", sagt Dost im ddp-Gespräch. Er sagt, dass es Hinweise darauf gebe, dass keine Erpressung vorlag, sondern das Unternehmen seinem Mandanten von sich aus ein Angebot unterbreitet hätte.

[...]

Der 20-Jährige war inzwischen direkt mit den VZ-Netzwerken in Kontakt getreten, zunächst über einen Chat. Dort erhielt er nach Angaben seines Anwalts ein erstes "unbeziffertes" Angebot vom Unternehmen. Diese räumt auf Nachfrage nur ein, dass es mit L. Gespräche gab. Ein von Dost ins Spiel gebrachtes Schweigegeld sei nicht angeboten worden.

Das ging bei den meisten Nachrichtenportalen unter, nur Meedia entdeckte die Brisanz des Vorwurfs und machte groß damit auf (Text inzwischen geändert, siehe unten). Schnell machte die Nachricht über Netzpolitik.org, Twitter & Co die Runde. Bei den VZ-Netzwerken war kurz darauf im Blog ein hartes Dementi zu lesen. Der Anwalt Ulrich Dost meldete sich daraufhin offenbar in den Kommentaren bei Meedia und behauptete, von DDP falsch zitiert worden zu sein. Man solle lieber die Pressemitteilung von der Website des Anwalts zitieren. Daraufhin schrieb einer der Meedia-Redakteure:

@Ulrich Dost,
ich habe die ddp-Zitate gegen den Wortlaut aus ihrer Pressemitteilung getauscht.

Danke & Gruß
Alexander Becker (MEEDIA)

Nun war plötzlich nichts mehr vom Vorwurf des Bestechungsgeldes zu lesen, lediglich die Erpressung seitens des Mandaten wurde bestritten.

Am 7. Novemver zitiert Spiegel Online dann aus einem Chat-Protokoll, das den zuvor noch von Dost dementierten Vorwurf auf den ersten Blick zu stützen scheint - zumindest interpretiert Spiegel Online das Protokoll in der raugeschickten Pressemitteilung so und sämtliche Medien übernehmen diese Interpretation. Schnell ändert Dost wieder seine Meinung, bestätigt das Chat-Protokoll als echt und unterstreicht seinen zuvor dementierten Vorwurf der versuchten Bestechung.

Gegenüber der FAZ wird der Anwalt nun sogar noch deutlicher:

„Zu keinem Zeitpunkt haben wir dem Tatverdächtigen ein Zahlungsangebot oder gar Schweigegeldangebot für die entsprechenden Daten oder den Crawler unterbreitet“, lässt sich der Geschäftsführer der VZ-Netzwerke Markus Berger-de Léon zitieren. Der Anwalt Dost reagiert drastisch. Diese Stellungnahme sei „gelogen und entspricht nicht den Tatsachen“, sagte er dieser Zeitung – das ergebe sich jedenfalls aus den Ermittlungsakten.

Sicherlich dürfte hier die Interpretation der Medien eine große Rolle spielen, die das Chat-Protokoll fast einhellig als Beweis für den Bestechungs-Vorwurf interpretierten. Ganz so eindeutig ist die Sachlage aber bei weitem nicht. Was einer der VZ-Mitarbeiter wörtlich laut dem Chat-Protokoll offenbar geschrieben hat, ist Folgendes:

"du - und andere können bei uns rumhacken wie sie wollen. ich bezahl euch sogar gerne dafür!" Unter einer Bedingung: "wenn ich jemanden dafür bezahle, möchte ich, dass das nicht public wird".

Dieses eher flapsig hingeschriebene Satz, der aus einem langen Chat herausgestellt wird, kann durchaus auch anders interpretiert werden: Die VZ-Netzwerke bezahlen Hacker für das Aufspüren von Sicherheitslücken (wie im übrigen alle großen Websites) - aber wenn im Rahmen einer solchen Sicherheitsüberprüfung Lücken aufgedeckt werden, dann dürfen diese natürlich nicht publik werden, das ist Teil des Vertrags.

Was hier allgemein als Bestechung interpretiert wird, könnte man bei freundlicherer Betrachtung auch als Job-Angebot lesen - nicht wenige Hacker sind auf diese Weise von "Back Hats" zu "White Hats" geworden.

Wissen Sie, was ein Google Doodle ist? So werden die zahlreichen Logo-Abwandlungen des Suchmaschinenriesens bezeichnet, die zu speziellen Anlässen auf der Google-Startseite angezeigt werden. Mit dem neuesten Google Doodle gibt das US-Unternehmen aber im wahrsten Sinne des Wortes Rätsel auf.

DÜSSELDORF. Google Doodles gab es schon viele. Einige davon zeigt Google auf einer Spezialseite. Am 29. Mai ersetzte Google beispielsweise das "G" aus dem Logo durch ein Seil und zeigte zwei Bergsteiger. Anlass war der Jahrestag der Erstbesteigung des Mount Everest. Ähnliche Google Doodles gab es beispielsweise anlässlich des Jahrestags des Mauerfalls oder zu Ehren bestimmter Personen an deren Geburtstag.

Nach diesem Schema kennen Google-User die Doogles bereits seit 1999. Über das neueste Google Doodle aber rätselt das Netz. Es zeigt ein Ufo, das mit der Suchanfrage "rätselhaftes Phänomen" verlinkt ist. Dabei "klaut" das Ufo dem Google-Logo das "O". Das Bild trägt den Namen "go_gle.gif" – es fehlt also auch in dem Dateinamen das "O".

Das beschäftigt natürlich zahlreiche Blogger, die genau darüber rätseln – was wiederum exakt dem Kalkül des US-Unternehmens entsprechen dürfte: Google ist wieder in aller Munde. Nicht wenige Blogger haben wahrscheinlich außerdem darauf gehofft, über den nun häufig gesuchten Begriff auch gefunden zu werden.

Die in Blogs und Foren geäußerten Spekulationen reichen von einem Hinweis auf den heutigen Geburtstag des russischen Kosmonauten Andrijan Grigorjewitsch Nikolajew über das heute stattfindende "Exeter Ufo Festival" bis hin zum kalifornischen Autobauer Aptera, der mit Googles Hilfe ein Elektroauto auf den Markt bringen will, das optisch Ähnlichkeiten mit einem Ufo aufweist.

Bei Google Deutschland war am Samstag niemand zu erreichen, der das "rätselhafte Phänomen" hätte aufklären können. Auf dem beliebten Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Google aber eine Zahlenfolge: "1.12.12 25.15.21.18 15 1.18.5 2.5.12.15.14.7 20.15 21.19" . Ersetzt man die Zahlen durch den jeweiligen Buchstaben, der an dieser Stelle des Alphabets steht, erhält man den Satz "All your O are belong to us".

Das spielt auf einen Insiderwitz unter Internetusern an, der zum Internet-Massenphänomen wurde. Der Satz "All your base are belong to us" ist eine grammatisch falsche Übersetzung aus dem japanischen Spiel "Zero Wing". Einerseits könnte der Satz "All your O are belong to us" ein Indiz dafür sein, dass das fehlende "O" der entscheidende Hinweis bei der neuesten Google-Aktion ist. Oder ist das heutige Google Doodle eine Hommage an Internet-Massenphänomene so wie es selbst inzwischen eines ist?

Vielleicht hoffen die zahlreichen Blogger aber auch vergeblich auf die erlösende Nachricht aus Mountain View, die das Rätsel endlich aufklärt. Vielleicht ist es genau das, worauf Google mit seiner neuesten Aktion aufmerksam machen will: Dass es auch heute immer noch Dinge gibt, für die es keine Erklärung gibt. So wie das neuste Google Doodle.

Update vom 6. September: Auf dem offiziellen Unternehmensblog von Google Korea fand sich am Sonntag der Hinweis, dass sich bei der Aktion um ein dreiteiliges Rätsel handelt. Das nächste Rätsel wird Google seinen Nutzern demnach am 15. September aufgeben.

Zuerst veröffentlicht auf Handelsblatt.com. Sachdienliche Hinweise zur Aufklärung des "rätselhaften Phänomens" sind den den Kommentaren herzlich willkommen.

Viele aus meiner Generation reagieren mit Verwunderung, wenn die derzeit in Politik und Medien Etablierten über das Internet reden. "Internetausdrucker" werden sie hämisch genannt, weil sie - wie manch Spitzepolitiker schon offen zugab - das Netz nicht selbst erkunden, sondern es sich relevante Inhalte von der Sekretärin ausdrucken lassen.

Dass solchen Leuten Zweck und Wesen des Netzes gänzlich verschlossen bleibt, kann eigentlich nicht verwundern. Dass sie nicht begreifen können, dass das Prinzip und Wesen von Computern und Computer-Netzwerken das Kopieren ist, dass eine Nachricht nicht gesendet, sondern kopiert wird und dass es keinen Kopier-, sondern höchstens einen Kapierschutz gibt (Andy Müller-Maguhn). Dass in einer solchen Welt die künstliche Verknappung und Monopolsierung von Wissen und Informationen in den allermeisten Fällen kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr ist - das alles werden diese Leute, die mit Verlagen, Büchern, Schallplatten und Briefen aufgewachsen sind, überwiegend nicht mehr begreifen.

In den Augen dieser Leute werden soziale Beziehungen unwirklich ("virtuell") und Freundschaften wertlos, nur weil man über das Netz kommunuziert. So also wäre der Brieffreund oder der Anrufer auch nur durch die gewählte Kommunikationsform "virtuell".

Doch am prägendsten für das Bild und den Umgang mit dem Internet dieser Leute ist nicht das Unverständnis, sondern das, was Unverständnis und Unwissenheit immer unvermeidlich erzeugt: Die Angst.

So wie sich Platon vor der Schrift geängstigt hat, ängstigen sie sich vor dem neuen Medium, weil ihnen durch ihre Inkompetenz die Kontrolle darüber entgleitet. Weil dort etwas gewachsen ist, das chaotisch, demokratisch, unkontrollierbar und frei ist wie kein Medium davor.

Spiegel-Titel: Warum das Netz neue Regeln braucht

Wer sich ein Bild von dem Ausmaß dieser Angst machen will, schaue in den am Montag erscheinende Ausgabe des Spiegels (33/2009). Ich zitiere (S. 70):

Die Grauzonen dieser neuen Weltordnung werden vom organisierten Verbrechen genutzt. Während an der Oberfläche des digitalen Reichs tausend bunte Blumen blühen, Shopping, Chats, Schöngeistiges, wuchert im Wurzelwerk darunter ein Pilzgeflecht aus Intrigen, Täuschungen und Terror.

So sieht das Internet durch die Brille der Angst aus.

PS: Ich habe noch nicht weiter gelesen. Auf Twitter meinen viele, der Artikel würde danach differenzierter werden.

Update vom 10. August:

Wem das als WTF-Effekt nicht reicht: Im Internet sind Dinge möglich die im realen Leben niemals möglich wären. Zum Beispiel? Zum Beispiel Kinderpornografie. Ja, ernsthaft:

Flashmobs sind ja nun wahrlich nichts Neues. Aber einen so perfekt durchgeplant- und iszenierten Flashmob wie diesen hier in Stockholm anlässlich des Todes von Michael Jackson habe ich noch nicht gesehen.

Linktausch ist eine Seuche. Seit Google den Markt beherrscht, wollen alle nur noch eins: Möglichst weit oben stehen. So gut wie alle Unternehmen machen inzwischen das, was laut Googles Richtlinien für Webmaster eigentlich verboten ist: Links auf das eigene Angebot kaufen und tauschen. Das nimmt erheblich Zeit in Anspruch und verfälscht Suchergebnisse.

Firmen gehen dabei auf private Website-Besitzer zu und bieten ihnen an, einen Link zu kaufen oder zu tauschen. Die sind oft ahnungslos und machen mit - schließlich haben sie ja auch was davon. Dass sie dabei gegen die durchaus sinnvollen Regeln von Google verstoßen und eine Verbannung aus dem Index riskieren, wissen sie nicht.

Die ganze Suchmaschinen-Optimierung ist für mich eine einzige - volkswirtschaftlich schädliche - Seuche. Ich weiß, dass es alle machen - aber es muss meiner Meinung nach aufhören. Weil es für alle Zeit und Geld frisst und weil es jeden vernüftigen Suchmaschinenalgorithmus derzeit unmöglich macht.

Deshalb werde ich ab jetzt konsequent jede Firma an den Pranger stellen, die mir einen Linktausch anbietet oder das Kaufen von Links. Heute erreichte mit folgende E-Mail von dem Online-Kreditportal Smava mit dem Betreff "Linktausch":

Lieber Herr Stephan Dörner,

mein Name ist Adrienne Lavales, ich bin Online Marketing Managerin bei www.smava.de und für die Kooperation mit unseren Webpartnern zuständig.
Bei meiner Internet-Recherche bin ich auf Ihre Seite www.doener.blogage.de gestoßen, die ich inhaltlich und konzeptionell sehr ansprechend finde. Da Ihre Website thematisch ganz gut zu unserem Angebot passt und wir noch Linkpartner suchen, könnten wir uns einen Linktausch mit Ihnen sehr gut vorstellen.
Wie Sie sicher wissen, spielen Linkpartnerschaften eine wesentliche Rolle für eine gute Suchmaschinenplatzierung. Wir würden also beide in gleicher Weise hiervon profitieren können.
Ihr Teil der Linkpartnerschaft würde darin bestehen, einen Link auf eine passende smava Unterseite zu setzen, der im Textbereich Ihrer Seite platziert würde. Da ein direkter Gegenlink aus SEO-Gesichtspunkten nicht optimal ist, können wir Ihnen im Gegenzug eine Verlinkung von einer unserer anderen Websites z.B. www.verbraucher-tipp.com anbieten.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie als Linkpartner gewinnen kann und freue mich schon sehr auf Ihre Antwort.

Herzliche Grüße,
Adrienne Lavales


Adrienne Lavales
Online Marketing Managerin
smava GmbH, Postfach 04 07 62, 10064 Berlin
Hausanschrift: Chausseestr. 5, 10115 Berlin
Tel.: +49 (30) 6174800-24
Fax: +49 (30) 6174800-11
E-Mail: adrienne.lavales@smava.net
Xing: https://www.xing.com/profile/AdrienneMercedes_Lavales
Internet: http://www.smava.de/
Blog: http://www.smava-blog.de/

Wie funktioniert smava?
Kurzvideo:
http://www.youtube.com/watch?v=c48HILTz9S8
______________________________
Geschäftsführer: Dipl.-Kfm. Alexander Artopé, Dipl.-Kfm. Eckart Vierkant
Sitz der Gesellschaft: Berlin
Handelsregister: Amtsgericht Berlin, HRB 97913

Wir spielen jetzt ein kleines Spiel.

Instructions / Anleitung:


- Grab the nearest book. / Greif Dir das nächst erreichbare Buch.

- Open it to page 56. / Schlage Seite 56 auf.

- Find the fifth sentence. / Finde den fünften Satz.

- Post the text of the sentence in your journal along with these instructions. / Veröffentliche den Text des Satzes in Deinem Blog zusammen mit dieser Anleitung.

- Don’t dig for your favorite book, the cool book, or the intellectual one: pick the CLOSEST. / Greif nicht Dein Lieblingsbuch oder ein cooles Buch oder ein intellektuelles: Nimm das, das Dir am nächsten ist.

Und hier mein Ergebnis:

Das hat den Rückgang der in der Landwirtschaft Beschäftigten zur Folge (1989 waren lediglich 7,2% und im Jahre 2001 2,8% der arabischen Arbeitskräfte in diesem Wirtschaftszweig tätig), wirkt sich prekär auf die Wohnraumsituation aus und behindert die Entwicklung wirtschaftlicher Infrastrukturen in den arabischen Gemeinden.

Puh, ein langer Satz - und ich verrate nicht, aus welchem Buch er stammt. ;) Das Buch lag direkt vor mir.

(via Stationsarzt )

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