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Meedia schreibt diese Woche von der  Krise der Mitmach-Nachrichtensites. In den USA gibt es eine recht erfolgreiche Website, auf der die Benutzer durch einen Klick eine Nachricht als lesenswert empfehlen können: Digg.com. Das Konzept haben wir auch bei blogage.de mit unserem Empfehlungssystem umgesetzt.

So bekannt Digg.com in den USA ist - hierzulande kennt die Website kaum jemand, ebensowenig wie die deutschen Alternativen wie Yigg.de, Webnews, Zoomer und Shortnews - auch wenn Yigg.de immerhin in der deutschen Blogosphäre für reichlich Gesprächsstoff sorgt und sich einer aktiven Community erfreut. Holtzbrincks extrem kostenaufwendiges Zoomer-Experiment wird eingestellt - und auch den anderen Social Newssites gelang der Durchbruch in Deutschland bisher nicht.

Meedia folgert:

All diese Zahlen und Entwicklungen lassen letztlich nur einen Schluss zu: Auch im Internet will eine gigantische Mehrheit von Nutzern auf News-Websites nicht mitbestimmen, sonder überlässt die Relevanz-Einordnung lieber den Journalisten.

Ist das wirklich so?

Fakt ist: Die Benutzer bestimmen auch auf herkömliche Newsseiten die Priorisierung der Artikel mit. Nach oben kommt nämlich auch das, was die Nutzer besonders häufig klicken - ganz ohne, dass die das merken. Doch welchen Vorteil hat dann ein nutzerbasiertes Empfehlungssystem? Warum ist Digg.com in den USA fast ein Massenmedium?

Nutzerbasierte Empfehlungen bieten einer News-Community immer dann einen Mehrwert, wenn diese gemeinsame Interessen teilt. In den USA sind auch deshalb so viele Web-2.0-Projekte erfolgreich, weil die Menge an potentiellen Kunden so groß ist. De facto ist Digg.com auch in den USA kein Massenmedium, sondern eine Newsemfehlungs-Seite mit einem bestimmten abgegrenzten Publikum: Nämlich Nerds, die sich insbesondere für technische Themen interessieren. Für sie lohnt sich ein Besuch, weil sie dort die besten Nachrichten zu typischen Nerd-Themen wie Linux und Gadgets finden.

Mit Yigg.de funktioniert das im Grunde auch in Deutschland: Auch dort dominieren klar Geek-Themen die Seite und für diese Nutzergruppe bietet Yigg.de gegenüber herkömlichen Nachrichtenseiten einen klaren Mehrwert. Nur reicht die Zahl deutschsprachiger Geeks nicht aus, um für Traffic im wirklich großen Maßstab auf der Seite zu sorgen. Das Dilemma: Sollte die Community über den Geek-Bereich hinauswachsen, verliert die Seite ihren Mehrwert für die Nerd-Community. Sollte Yigg.de wirklich zum Massenmedium werden, würde die News-Priorisierung eine Art zweites Spiegel Online werden - Mainstream eben - und dann bleibt man doch lieber gleich beim Original.

Doch muss Yigg.de zum Massenmedium werden? Will man auf das herkömliche Monetarisierungsmodell Werbung setzen, wohl schon. Doch laut Yigg.de-Geschäftsführer Michael Reuter aka KMR bastelt man schon an einem alternativen Erlösmodell. Darauf bin ich sehr gespannt. Ich kenne jedenfalls kein Erlösmodell für das Web 2.0 außer Werbung, das wirklich funktioniert.  Yigg.de-Gründer phantom bloggt übrigens bei uns.

Nur mal so als Info an alle meine Blog-Leser: Vieles von dem, wofür ich früher einen kurzen Blog-Artikel geschrieben hätte, frühstücke ich inzwischen über Twitter ab. Meist geht es dabei nur um interessantes Fundstücke im Netz wie diese Website, welche Zeitungsartikel sammelt, die aus Platzgründen nie erschienen sind (via Taz).

Viele dieser Blog-Artikel bestanden ohnehin nicht aus viel mehr als dem Link - daher hau ich den Link inzwischen einfach direkt bei Twitter rein. Wer also die volle Dröhnung Doener will, sollte nicht nur mein Blog lesen, sondern auch meinen Twitter-Feed.

blogage.de hat übrigens auch einen Feed, in dem alle Artikel auf blogage.de getwittert werden, die mindestens drei Empfehlungen haben.

Sorgte das letzte Mal ein gelöschter Kommentar in einem Handelsblatt-Blog für Aufsehen, ist es diesmal ein öffentlich ausgetragener Streit zwischen den Handelsblatt-Kollegen Thomas Knüwer und Sönke Iwersen. Schauplatz: Knüwers Blog "Indiskretion Ehrensache". Dem Namen wird das Blog in diesem Falle mal voll gerecht.

Hintergrund ist im Grunde ein hausinterner Generationenkonflikt. Während der eine fröhlich in Redaktionskonferenzen über Kekse twittert, macht der andere harte journalistische Arbeit - so sieht es offenbar Iwersen. Oder: Während der eine sich global vernetzt, neue Kommunikationskanäle nutzt und die Zukunft des Journalismus vorantreibt, verweigert sich der andere dem Fortschritt - so sieht es anscheinend Knüwer.

Und so wurde ein - wie gewohnt launisch geschriebener Blog-Artikel Knüwers über seine sich angeblich der Zukunft verweigernden Kollegen - für Iwersen Anlass für einen bissigen Kommentar:

Lieber Thomas,

Bei aller kollegialer Zurückhaltung: mir ist kein Journalist bekannt, bei dem Selbstdarstellung und Realität derart auseinanderklaffen wie bei Dir. Vielleicht könntest Du die permanente Selbstbeweihräucherung mal kurz unterbrechen und erklären, warum Deine fantastische Verdrahtung über Xing, Facebook, Twitter und Co. so wenig journalistischen Mehrwert bringt. Wenn es tatsächlich so wäre, dass diese Kommunikationswege neue Infos erschließen – warum kommen die Scoops im Handelsblatt dann nicht von Dir, sondern immer von anderen Kollegen?

Man kann Dir oft dabei zusehen, wie Du selbst in Konferenzen ständig mit Deinem Telefon herumdaddelst. Vielleicht twitterst Du nur grad, dass Du grad gern einen Keks essen würdest – wer weiß das schon. Jedenfalls führt das Ganze nicht dazu, dass Du das Blatt laufend mit Krachergeschichten füllst. Bieterkampf bei Yahoo? Neues vom Telekomskandal? Untergang von Lycos? Das alles wären doch Themen, zu denen Dir, dem hyper-vernetzten Journalisten, die Insidernachrichten zufliegen könnten. Tun sie aber nicht. Stattdessen stellst Du gern mal eine Nachricht als exklusiv vor, die morgens schon über Agentur lief oder in der New York Times stand.

Ich verstehe einfach nicht, warum Du ständig diejenigen Kollegen runtermachst, von deren Geschichten Du selbst lebst. Eine große Zahl Deiner Blogeinträge basiert doch auf Artikeln Deiner Print-Kollegen, zu denen Du dann einfach Deinen Senf dazugibst. Ohne die von anderen recherchierten Grundlagen hättest Du da nichts zu schreiben.

Du behauptest, die Journalisten müssten sich ändern und meinst damit wohl, sie müssten so werden wie Du. Es ist aber so, dass die meisten Kollegen gar kein Interesse daran haben, Nachrichten einfach nur wiederzukäuen, so wie Du.

Es ist Dir ja unbenommen, in Deinem Blog eine Art Resteverwertung zu betreiben. Aber bitte verkauf das nicht als Zukunft des Journalismus.

Es gab einiges Hin und Her, eine Redaktions-Linie, die das öffentliche Austragen des Streits untersagte und viele öffentlich geäußerte böse Worte zwischen beiden.

Stefan Niggemeier, sonst immer sehr auf der Web-2.0-Linie seines Kollegen Knüwers, nimmt den Kommentar zum Anlass für einige selbstkritische Gedanken:

Ich finde es eine berechtigte Frage, der sich Leute wie Knüwer (und ich) ernsthaft stellen müssen: Wer denn die Artikel recherchiert, während wir Kommentare moderieren und Twitter-Beiträge lesen und lustige Experimente mit Kamera-Übertragungen machen. Das ist keine Entweder-Oder-Debatte, denn natürlich wird der Journalismus der Zukunft beides brauchen: traditionelle und neue Formen der Recherche und des Publizierens.

Ich finde die Debatte ebenfalls interessant und berechtigt. Und ich begrüße es, dass sie öffentlich geführt wird - und damit unter Beteiligung der deutschen Blogger, Öffentlichkeit und Medienszene. Denn so sehr ich selbst ein typischer Web-2.0-Journalist bin, so sehr schätze ich auch die Arbeit der klassischen Journalisten, wie ich bereits in meinem Artikel "Was Blogs nicht leisten können" ausführte.

Was bleibt ist für mich die Erkenntnis, dass Arbeitsteilung auch im Journalismus durchaus sinnvoll ist. Ja, Leser-Feedback und Kommentare bereichern die journalistische Arbeit. Ja, Twitter ist ein Kommunikationskanal, der zur Recherche dienen kann. Aber: Die Techniken des Web 2.0 sind kein Selbstweck und die meisten Geschichten werden immer noch klassisch rechechiert: Über persönliche Kontakte und direkte Anrufe bei mit den Vorgängen vertrauten Personen und nicht, indem man als Journalist seine Zeit dafür aufwendet, Kommentare zu moderieren oder den Redaktionsalltag zu twittern.

Was mich enttäuscht ist die erste Reaktion Knüwers auf den Kommentar seines Kollegen. Der Vorkämpfer für Transparenz und Offenheit im Journalismus löscht den Kommentar von Iwersen. Eines sollte der netzaffine Knüwer doch inzwischen über den Charakter des Internets gerlernt haben: Was einmal öffentlich war, bleibt öffentlich. Inhalte im Nachhinnein wieder aus der Sphäre der Öffentlichkeit zu verbannen gleicht dem Versuch, einmal ausgedrückte Zahnpaste zurück in die Tube zu befördern.

Und das ist doch auch das eigentlich Schöne am Netz: Dass es so viel Öffentlichkeit und Transparenz herstellt, wo sich früher Kollegen nur hinter verschlossenen Redaktions-Türen angeschrien haben. So haben wir wenigstens alle was davon. ;)

Bayanoo

23:59

Es gibt Geschäftsideen, bei denen denkt man sich sofort: Genial - und sie funktionieren nicht. Und es gibt Geschäftsideen, bei denen man sich sofort denkt "Was für ein Unsinn" - und sie funktionieren doch.

Ein Startup der letztgenannten Kategorie ist für mich wer-kennt-wen.de. Die Idee erst im Jahre 2006 ein weiteres soziales Netzwerk neben StudiVZ, Facebook, Lokalisten und Xing in Deutschland aufzubauen, das sich in erster Linie durch grausame Optik und furchtbare Usability von seiner Konkurrenz absetzt, konnte ja nur schief gehen - dachte ich. Doch siehe da: Laut IVW-Zahlen kommt die Website in Deutschland auf Platz 3 bei den Visits und hat StudiVZ bei den Page Impressions fast schon überrundet.

Ein Startup mit einer innovativen Ansatz ist Bayanoo. Die Idee: Millionen Deutsche haben Handy-Verträge. Viele davon wollen aus den verschiedensten Gründen raus - zum Beisiel weil sie den Vertrag wechseln wollen oder eine Zeit im Ausland sind. Auf Bayanoo sollen verkaufswillige Handyvertrags-Besitzer und Handyvertrags-Interessenten zusammenkommen, wobei das Unternehmen 5,90 Euro für das Einstellen eines Vertrags nimmt.

Die Idee kam gut an, zahlreiche Medienauftritte folgten auf die Gründung im Jahre 2007 - sogar ein Bericht bei n-tv. Doch das alles half nichts, das Konzept floppte. Gerade einmal 250 der laut Gründer potentiell 5 Millionen Kunden nutzten die Seite, um einen Vertrag einzustellen. Der Versuch, das Unternehmen auf eBay zu verkaufen scheiterte, weil der Mindestpreis (in der Startupszene wird der Betrag von 10.000 Euro kolportiert) nicht erreicht wurde.

Das Portal wurde dennoch zu einem auch mir unbekannten Preis verkauft. Den Käufer habe ich vor ziemlich genau einem Monat auf dem O2 Hosting Event kennengelernt. Er überlegt sich derzeit, wie er das Konzept des Portals verändern kann, um es eventuell doch noch erfolgreich zu etablieren. Dabei möchte ich ihm auf diesem Wege helfen und meine Vorschläge zur Diskussion stellen.

Folgende Probleme sehe ich derzeit:

Der Name: Bayanoo. Meine Güte. Ich kann mir diesen Namen einfach nicht merken! Jedes mal gebe ich bei Google etwas ein, was so ähnlich klingt, bis mich die Suchmaschine auf die richtige Spur bringt. Bayanoo mag schick klingen, so richtig webzwonullig irgendwie - aber er ist grausam schwer zu merken - und das ist immer ein Wettbewerbsnachteil. "Ich würde so gerne meinen Vertrag loswerden" - "Moment, da hab ich doch letzten bei n-tv was gesehen, so ein Internet-Portal, wie hieß es gleich? Bay... irgendwas mit B." So bieder es klingt - aber wie wäre es beispielweise einfach mit vertrag-tauschen.de? Dafür lässt sich dann auch viel leichter werben.

Innovationsführer habens schwer: Die Idee ist sicher gut. Ich glaube, dass es viele Leute in Deutschland gibt, die ihren Handyvertrag gerne vorzeitig kündigen würden. Allein, es denkt niemand daran, dass das auch wirklich geht. Niemand wird danach googeln, so lange sich die Möglichkeit noch nicht herumgesprochen hat. Die Industrie ist groß darin, Bedürfnisse zu erschaffen, die sie dann selbst befriedigt - aber ab und zu gibt es auch schon längst vorhandene Bedürfnisse, die jemand antritt, endlich mal zu befriedigen. Nur dass muss erstmal kommuniziert werden. Werbung ist teuer. Das Beste wären natürlich zufriedene Nutzer, die Bayanoo weiterempfehlen - aber hier besteht ein Henne-Ei-Problem.

 

Bayanoo will Handy-Vertragskunden mit Vertragssuchenden zusammenbringen. Aber wer will schon einen Vertrag ohne Handy?

Das Ungleichgewicht: Schon das Startbild auf Bayanoo macht das Machtungleichgewicht zwischen Vertragsinhabern und potentiellen Übernehmern von Verträgen deutlich: Verträge loswerden wollen viele, Verträge übernehmen aber wohl so gut wie niemand.

Prepaid-Taraife wie die von Congstar sind längst viel günstiger als jeder Vertrag und zudem transparenter. Wenn irgendwer heute noch einen Handy-Vertrag abschließt, dann nur wegen des Handys. Warum sollte also jemand den Vertrag eines anderen kostenlos übernehmen? Den Handy-Vertrag-Besitzern müsste eine Möglichkeit gegeben werden, den Vertragssuchenden einen Bonus dafür zu zahlen, dass er den Vertrag übernimmt. Das muss nicht unbedingt nur Geld sein. Vielleicht gibt es ja auch etwas anderes außer dem Handy-Vertrag, das der Kunde gerne loswerden würde? Hier sollte Bayanoo flexibler werden.

Der Vorteil gegenüber herkömlichen Verträgen: Nicht jeder will unbedingt immer ein neues Handy zum Vertrag. Manch einer ist mit seinem alten ganz zufrieden. Da kann es sich lohnen, statt eines neuen Handys den Wunschvertrag für Geld zu übernehmen.

Das Monetarisierungsmodell: Das Monetarisierungsmodell ist nicht schlecht. Transaction-Modelle sind die Zukunft, sind sich zumindest viele Investoren derzeit überzeugt. 5,90 Euro als Vermittlungsprovision sind auch sicher nicht zu hoch gegriffen. Nur leider wird der Betrag bereits beim Einstellen des Vertrags fällig. Sinnvoller wäre es, zunächst niemanden abzuschrecken: Bezahlt wird nur bei Erfolg.

Das Blog: Nunja, sicher kein entscheidender Faktor - aber wenn man ein Blog auf der Seite schon so prominent bewirbt, dann sollten dort auch vernünftige Inhalte zu finden sein. Das Blog jedoch fällt gleich in mehrfacher durch Unprofessionalität auf: Die Schrift ist hässlich und schwer zu lesen, die Adresse blog.bayanoo.de sähe sicher professioneller aus als eine Blogspot-Domain und zu guter letzt fehlen einfach die Inhalte. Das ist vielleicht eine Regel, die sich Unternehmen merken sollten: Wer nicht regelmäßig etwas zu verkünden hat, sollte auch kein Blog führen - auch wenn ich mir als Mitinhaber eines Blog-Anbieters damit ins eigene Fleisch schneide. ;)

Die eine oder andere Idee hat auch schon der neue Käufer. Ich hoffe jedenfalls, dass die Idee doch noch ein Erfolg wird, denn ich halte sie grundsätzlich für gut.

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!

Die alten Medien und das Internet - es ist und bleibt eine Hassliebe. Einerseits lässt kein Verlagshaus irgendetwas unversucht, um besonders modern und offen zu wirken - andererseits können sie einfach nicht von dem Gedanken lassen, alles kontrollieren zu wollen.

Das Handelsblatt war immer ganz besonders eifrig im sich modern und internet-affin geben - und das nicht unerfolgreich. Unter den zahlreichen Handelsblatt-Blogs gibt es mit Thomas Knüwers Indeskredition Ehrensache immerhin ein Blog, das richtig erfolgreich ist, in jeder Hinsicht.

Gerne lässt sich Thomas Knüwer darüber aus, dass andere Verlagshäuser das Internet noch nicht verstanden hätten. Lieblingsfeind: Süddeutsche. Nun hätte er allen Grund, den ungeschickten Umgang des eigenen Verlagshauses mit dem Internet zu thematisieren - und lässt es. Doch dafür brodelt die Blogosphäre.

Was ist passiert? Der Berliner Wirtschaftsprofessor Harald Uhlig hat im Auftrag des Handelsblatts einen Makroökonomie-Blog geführt, in dem er aktuellen makroökonomischen Entwicklungen seine Interpretation der Ereignisse gab. Da durfte die aktuelle Finanzkrise natürlich nicht fehlen. Deren mögliche Auswirkungen beschrieb er in drastischen Worten - mit dem indirekten Rat, das Geld abzuheben, sollte man Kunde gewisser Banken sein. Harter Stoff - doch ein Grund, den Blog-Eintrag zu löschen?

Don Alphonso griff den Vorfall als erster auf und seit dem geht es rund in der Blogosphäre, bishin zu absurden Vergleichen mit China und anderen Diktaturen. Über den Inhalt des Artikels lässt sich sicher streiten. Aber was hat die Löschung nun bewirkt? Ein Blog-Artikel, den unter normalen Umständen vielleicht ein paar Hundert Makroökonomie-Interessierte gelesen hätten (Prof. Uhligs Blog war bei weitem nicht so erfolgreiche wie beispielsweise Thomas Knüwer), wird nun berühmt - und das Handelsblatt hat ein Image-Problem.

Wäre es da nicht geschickter gewesen, Herr Ziesemer, man hätte eine Gegendarstellung des Handelsblatts daruntergesetzt oder einfach nur den Satz "Dies entspricht nicht der Meinung des Handelsblatts"?

Übrigens: Auch wenn Thomas Knüwer den Vorfall in seinem Blog selbst nicht thematisiert, seine Leser tun es. So ist das eben mit Blogs, Kommentaren und offener Kommunikation ...

Aus eigener Erfahrung kann ich übrigens sagen: Vorzensur gibt es bei den Handelsblatt-Blogs nicht. Mein Apple-Rant wurde sofort online gestellt, da hat nicht mal wer auf Rechtschreibfehler gegengelesen. ;)

Update: Jetzt gibt es doch noch einen Blog-Eintrag von Knüwer dazu.

Das Internet ist geprägt durch Netzwerkökonomien. Eine Netzwerkökonomie zeichnet sich dadurch aus, dass sie um so profitabler wird, je mehr Mitglieder sie besitzt.

Beispiel eBay: Zunächst ist es für jeden Teilnehmer der Netzwerkökonomie positiv, das Netzwerk zu erweitern. Je mehr Bieter vorhanden sind, desto attraktiver für denjenigen, der etwas verkaufen will und je mehr Anbieter vorhanden sind, desto besser für die Bieter. Die Auswahl an Angeboten wächst, je größer das Netzwerk, desto realistischere und fairere Marktpreise werden erzielt.

Niemand würde eine andere Plattform als eBay wählen, um ein Produkt zu versteigern, weil er weiß, dass er dort die meisten potentiellen Interessenten findet. Und niemand würde als Bieter auf einer anderen Plattform als eBay ein Produkt suchen, weil er weiß, dass er hier das größte Angebot findet. Das alles ist zunächst sehr positiv, man nähert sich insbesondere durch die große Transparenz auf beiden Seiten dem modelltheoretischen homo oecomicus, der frei in einem fast perfektem Markt agiert.

Das Problem: Während der Markt innerhalb des Netzwerks schon beinahe zur modelltheoretischen Perfektion neigt, funktioniert er auf Meta-Ebene - also zwischen verschiedenen Netzwerken - langfristig gar nicht. Sowohl Bieter als auch Anbieter werden abhänig von eBay. Das Unternehmen besitzt ein Quasi-Monopol im Bereich der Internet-Auktionen. Da die Attraktivität einer Online-Handelsplattform für Bieter mit der Zahl der Anbieter und für Anbieter mit der Zahl der Bieter wächst, ist eBays enormer Vorsprung vor allen anderen Auktionsbörsen nicht mehr aufzuholen. Es fehlt also an einem Markt der Online-Auktionsplattformen und dieser wird auch niemals entstehen.

Dadurch ist es für eBay nicht nur möglich, langfristig die Gebühren weiter zu erhöhen und damit übertriebene Margen für eine eigentlich sehr einfach zu erbringende Dienstleistung zu verlangen, weil es an Konkurrenz fehlt. eBay hat auch die Möglichkeit, sein Monopol im Bereich der Online-Auktionen auf andere Bereiche auszudehnen. Genau das passiert gerade in den USA. Dort will eBay nämlich Überweisungen zur Bezahlung von Artikeln verbieten. Stattdessen werden die eBay-Nutzer dazu gezwungen, den eigenen Online-Bezahldienst PayPal zu nutzen. Besonders pikant: Googles und Amazons PayPal-Alternativen werden nicht erlaubt.

Andere elektronische Bezahlsysteme wie Checkout by Amazon oder Google Checkout will eBay nicht zulassen, schließlich handele es sich bei den dahinter stehenden Unternehmen ja um direkte Konkurrenten.

Etwas ähnliches erleben wir gerade bei Apples iPhone. Apple nutzt die Marktmacht im Bereich des beliebten Smartphones, um mit dem Appstore die einzige legale Plattform für iPhone-Applikationen zu schaffen. Doch nicht nur das: Apple nutzt dieses Monopol sogar dazu, Programme, die zu eigenen Anwendungen in Konkurrenz stehen, einfach nicht zuzulassen.

Besonders ausgeprägt sind Netzwerkökonomien im Bereich sozialer Netzwerke wie Facebook, Xing oder StudiVZ. Ihr wichtigstes Kapital sind die Nutzer. Je mehr Nutzer sich auf der Plattform tummeln, desto attraktiver wird das Netzwerk auch für neue Nutzer. Es beginnt ein unumkehrbarer Konzentrationsprozess. Für Geschäftskontakte gibt es in Deutschland beispielsweise keine reale Alternative zu Xing - und das nutzt das Unternehmen weidlich aus. Wer sonst könnte beispielsweise ernsthaft Geld dafür verlangen, dass man anderen Nutzern Nachrichten schreiben darf, die über 128 Zeichen hinaus gehen?

Eines scheint klar: Mit dem Internet sind neue Formen von Netzwerkökonomien entstanden, die neue kartellrechtliche Regeln erfodern, da diese Netzwerkökonomien zu schnelleren und festeren Quasi-Monopolbildungen neigen als je zuvor in der Old Economy.

Wie diese Regeln aussehen sollten, ist aber schwer zu sagen. Ich glaube, dass gewisse Dienstleistungen im Netz, wie soziale Netzwerke und Handelsplattformen, am besten und effizientesten tatsächlich staatlich bereitgestellt werden müssten. Ein radikaler Gedanke, zumal ich sonst kein Fan von Verstaatlichungen bin. Aber in diesem Fall sehe ich langfristig keine wirkliche Alternative, da bei Netzwerkökonomien einfach keine funktionierenden Märkte entstehen.

Lässt sich mit dem Web 2.0 wirklich Geld verdienen? Natürlich. Die Frage ist nur: Wer verdient und wieviel.

Einige verdienen schon Geld. Xing zum Beispiel oder MySpace. Wobei Xing ein Geschäftsmodell abseits der Werbung gefunden hat: Die Ausnutzung eines Quasi-Monopols (zumindest in Deutschland) durch künstliche Einschränkung der Nutzungsfunktionen für Gratis-User.

Auch Facebook macht unter dem Strich Gewinn, wenn auch weit weniger als der enorme Marktwert des Unternehmens vermuten lassen würde. Das deutsche StudiVZ schreibt noch immer rote Zahlen, geschweigedenn dass sich die Kaufsumme bisher auch nur halbwegs amortisiert hätte. Auf einer IHK-Veranstaltung in Düsseldorf bekam ich mal einen tieferen Einblick in die Motive des Holtzbrinck-Konzerns: "Wir wollten dahin, wo die User sind", sagte ein Vertreter der Verlagsgruppe. "Wie wir damit irgendwann mal Geld verdienen, hatten wir uns beim Kauf noch nicht überlegt."

Auch beim Web 2.0 scheint die Entwicklung ähnlich zu verlaufen wie es bereits bei anderen neu entstanden Industrien der Fall war: Kurz nachdem Henry Ford in den USA sein Modell T auf den Markt brachte, schossen hunderte andere Autohersteller wie Pilze aus dem Boden. Geblieben sind nur wenige Jahre danach nicht einmal ein Dutzend, der Markt hat sich konsolidiert.

Thomas Knüwer vertritt im Handelsblatt die Ansicht, es müsse nur noch das richtige Geschäftsmodell gefunden werden:

Zitat:
Lassen sich Social Networks, Blogs und Videos also nicht finanzieren? Das Allheilmittel - so wie es Googles Adsense-Programm für die Suchmaschinenwerbung war - gibt es noch nicht. Doch das Spiel hat gerade erst begonnen. Sicher ist aber schon heute, dass Werbung kreativer werden muss, will sie die Menschen im Internet erreichen.

Bisher kann sich jedoch noch niemand sagen, wie dieses kreative Geschäftsmodell aussehen soll und ob es das überhaupt gibt. Die immer populärer werdenden Werbeblocker für Browser wie den Firefox treiben die Konsolidierung der Web-2.0-Welt noch schneller voran.

Als wir blogage.de gegründet haben, hatten wir in vielerlei Hinsicht eher niedrige Erwartungen: Wie gingen davon aus, dass es eher schwer würde, Benutzer zu werben, eine gute Google-Suchposition zu erreichen und vor allem Presseecho zu erhalten. Gerade im letzten Punkt haben wir uns geirrt. Nicht nur die Lokalpresse wie die Rheinische Post und Antenne Düsseldorf haben über uns berichtet, sondern auch die NRZ, der Deutschlandfunk und die bundesweit ausliegende Studentenzeitschrift UNICUM (einen Überblick über alle Presse-Erwähnungen gibt auf dem Newsblog).

Das alles steht in einem krassen Gegensatz zu unseren bisherigen Einnahmen - denn die sind praktisch nicht vorhanden. In den letzten sieben Tagen beispielsweise haben wir 3,45 Dollar durch AdSense-Anzeigen verdient, im gesamten Monat Juni waren es gerade einmal 6,69 Dollar. Trotz langsam steigender Aktivität auf dem Portal gehen dabei die Werbeeinnahmen sogar noch tendenziell zurück. Denn auch wenn unser Portal relativ häufig aufgerufen wird - was zählt ist am Ende der Klick.

Natürlich sind wir mit unserem Portal noch lange nicht am Ziel, weder was die Technik, noch was die Nutzerzahlen angeht. Und mit dem baldigen kompletten Relaunch werden wir sehr viele Defizite endlich beseitigt und durch unserere neue Videoblogging-Funktion ein weiteres Alleinstellungsmerkmal haben.

Selbst wenn wir mit blogage.de niemals wirklich Geld verdienen werden, bleiben wir dabei. Trotzdem bleibt die Frage, ob wir auch bei einer weiteren Steigerung der Nutzerzahlen jemals in die Gewinnzone kommen werden.

Natürlich ist Googles AdSense-Programm für uns überhaupt nicht optimal - das zeigt allein die oft alles andere als inhalterelevante Werbung. Auf meinem Blog wird beispielsweise gerne mal für ein Portal für die "spirituelle Partnersuche" geworben. Wir werden unser Werbekonzept in absehbarer Zeit umstellen und Werbung direkt vermarkten - denn eigentlich sind wir der Überzeugung, dass wir viele für die Werbeindustrie sehr interessante Blogleser haben und die qualititiv überwiegend hochwertigen Blogs ein attraktives Werbeumfeld darstellen.

Am Samstag werde ich einen Workshop des ebenfalls aus Düsseldorf stammenden Web-2.0-Startups Styleranking besuchen. Dort soll unter anderem auch die geplante Geschäftsstrategie des Unternehmens besprochen werden. Ich bin gespannt, wie das Monetarisierungsmodell dieses Portals langfristig aussehen soll. Gerade bei einer solchen zielgruppespezifischen Community gibt es aber natürlich mehr Möglichkeiten.

Na das nenn ich mal einen datenschutzrechtlichen Offenbarungseid: StudiVZ-Chef Marcus Riecke ist froh, dass er nun endlich die persönlichen Daten von Kiffern an die Ermittlungsbehörden weiterleiten darf. Wir sehen, die Daten beim StudiVZ sind in guten Händen oO ...

Zitat:
SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?

Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.


Quelle: Spiegel Online

"Einwilligung" heißt hier im Klartext übrigens nur, dass die entsprechenden Datenschutz-Einstellungen nicht explizit geändert wurden. Holtzbrinck startet dieser Tage übrigens auch mit "MeinVZ", einem sozialen Netzwerk für Nicht-Studenten. thecrazed.net hat auch schon einen Screenshot.

Update: Offenbar ist man bei Holtzbrinck und StudiVZ gar nicht glücklich über die Äußerungen des eigenen Geschäftsführers: StudiVZ wehrt sich gegen “Kifferbilder”-Vorwürfe. Wer einen StudiVZ-Account besitzt und eingeloggt ist, findet das Statement hier. Ich weiß aber, dass Spiegel Online Interviews vor Veröffentlichung autorisieren lässt. Ich persönlich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Marcus Riecke hier etwas autorisiert hat, was er so nicht gesagt hat bzw., dass Spiegel Online in diesem Fall auf eine Autorisierung verzichtet hat. Ein Prozess wäre sicher spannend.

Das StudiVZ ist schon in der Vergangenheit nicht gerade als ein Hort der strikten Datensicherheit aufgefallen. Die offenbar mit heißer Nadel gestrickte PHP-Software fiel immer wieder durch eklatante Fehler auf, durch die es teilweise möglich war, sensible und eigentlich geschützt Daten aufzurufen. Nun wurde mir ein neues Sicherheitsloch zugespielt, über das ich exklusiv auf diesem Blog berichten möchte. Es ist sicher weniger spektakulär als vorangegangene Sicherheitslücken aber trotzdem für einigen Schabernack geeignet.

Es geht um folgendes: Im StudiVZ kann jeder ihm bekannte Personen auf Fotos verlinken. Von dieser Möglichkeit wird auch reger Gebrauch gemacht. Wie ein Freund von mir nun feststellte, ist es möglich mittels des Firefox-Plugins Web Developer, den Wert, wer ein bestimmtes Foto mit wem verlinkt hat, beim Setzen des Links zu manipulieren. Mit Hilfe des Web Developer-Tools ist es also möglich, Fotos zu verlinken und dabei so zu tun, als hätte jemand anderes das entsprechende Foto mit einer bestimmten Person verlinkt.

Hier die konkrete Anleitung, wie das im einzelnen funktioniert: Wenn ihr mit dem Firefox samt installiertem Web Developer-Plugin startet, ruft ihr das Foto auf, das ihr unter einem anderen Namen verlinken wollt. Nun kann über das Firefox-Menü Extras -> Web Developer -> Forms -> Display Form Details aufgerufen werden. Jetzt klickt ihr in das Bild, um einen Link zu setzen.

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(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Ihr seht ja das kleine Fenster in der Mitte. Unter "input id="person" name="person">" steht eine ID. Diese ID ist standardmäßig Eure. Wenn Ihr jedoch einfach dort die ID eines anderen eintragt, wird diese Person als der Verlinker angezeigt. Wen man hingegen verlinken möchte, wählt man einfach per Klick auf den Namen aus der Liste aus. Ich habe noch nicht ausprobiert, ob man auf diese Weise sogar Leute verlinken kann, mit denen man nicht befreundet ist.

Update: Die Sicherheitslücke ist inzwischen geschlossen worden.

Gibt man dann den Namen der in China verbotenen Sekte Falun Gong beim chinesischen Suchmaschinen-Marktführer Baidu ein, wird die chinesische Suchmaschine danach für kurze Zeit so tun, als sei sie nicht erreichbar. Das gilt selbst für die Falschschreibung "Falung Gong".

Ihr Bundeskriminalamt kommt zum Festplatten kopierenQuelle: cczwei.de
Und wo wir gerade beim Thema sind: Die Chinesen haben ihren Bundestrojaner längst und er ist im deutschen Kanzleramt aktiv.

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