Nerds im Parlament | 13:04 |
Für Handelsblatt Online habe ich den Erfolg der Piratenpartei gestern analysiert.
Während für diese Generation digitale Technologien selbstverständlich nutzt, spricht die etablierte Politik meist nur von den Gefahren. Zum Alltag vieler Jugendlicher gehören heute beispielsweise Computerspiele. Doch während andere kulturelle Erzeugnisse wie Filme in Deutschland gefördert werden, finden Computerspiele bei Politikern meist nur im Zusammenhang mit Amokläufen, Sucht oder Vereinsamung Erwähnung. Während junge Erwachsene tagtäglich die vielen Vorzüge einer freien und unzensierten Kommunikation im Internet genießen, behandelt die etablierte Politik das Internet vornehmlich im Kontext von Kinderpornografie oder Hacker-Angriffen. Und während Unionspolitiker die verdachtslose Speicherung aller Internet-Verbindungsdaten fordern, machen sie gleichzeitig Front gegen neue Dienste wie Google Street View oder Facebook - und zwar aus Datenschutzgründen.
Die Technikfeindlichkeit kommt dabei bei weitem nicht nur von rechts. Erst kürzlich beschrieb Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker in seinem Buch „Nerd Attack“ die Vorbehalte gegen die Computer als „Arbeitsplatzvernichtern“ aus dem linken politischem Spektrum.
Doch nicht nur von der Politik fühlt sich die „Generation C64“ entfremdet, auch die Industrie hat aus der Sicht vieler den Anschluss verloren. Statt neue digitale Distributionskanäle mit aller Macht voranzutreiben, klammern sich Musik- und Filmindustrie an alte Geschäftsmodelle und rückten jugendliche „Raubkopierer“ in Kampagnen in die Nähe von Schwerverbrechern. Dieses gesellschaftliche Umfeld muss man im Hinterkopf behalten, um den kometenhaften Aufstieg der Piraten nachvollziehen zu können.
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Was es zum MDR grundsätzlich zu sagen gibt, haben die Kollegen der Süddeutsche vor kurzem umfassend aufgeschrieben. Zusammengefasst: 20 Jahre MDR, das sind 20 Jahre Politfilz, geschäftliche Sauereien, übelste Geldgeschichten und Stasi-Verwicklungen. Wohin das führt, zeigt sehr schön folgender Mitschnitt der Sendung "MDR um zwölf". Der Sender lud Hans-Joachim Zillmer ein, der als Diplom-Ingenieur natürlich die besten Voraussetzungen für einen Hobbyklimaforscher hat.
Eingeblendet wird seine Mitgliedschaft in der "New York Academy of Sciences" - eine Vereinigung, deren Mitglied man nicht durch Wahl oder Ernennung wird, sondern lediglich durch das Entrichten einer Jahresgebühr. Zillmer glaubt übrigens auch, dass der Mensch von außerirdischen Wesen (den Anunnaki) erschaffen wurde, die vor langer Zeit die Erde besucht hätten. Bravo, MDR, da sind unsere Gebühren ja bestens angelegt!
Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört.
Rousseau
Für Adidas sind Fußball-Weltmeisterschaften immer Heimspiele. Adidas ist von jeher Sponsor des Weltverbandes FIFA: Präsident Blatter wurde Mitte der siebziger Jahre als damaliger FIFA-Direktor sogar von Adidas bezahlt. Exekutivmitglied Franz Beckenbauer ist seit jeher ein wichtiger Adidas-Werbeträger. Die Firma genießt stets Exklusivrechte, stellt den WM-Ball (über den auch diesmal reichlich gespottet wurde) und rüstet die Schiedsrichter aus. Gegenüber vom FIFA-Hauptquartier hat Adidas eine Ausstellungshalle gemietet und führt dort Legenden wie Eusébio vor.
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704259,00.html
Doch die Fifa hat die Straßenhändler nicht nur aus den Stadien verbannen lassen. Jukeka Nkoginathi:"Sie durften zum Beispiel in 800 Meter Umkreis um die Stadien nichts verkaufen. Der Hintergrund ist, dass nur die Unternehmen, die die Fifa sponsern, das Geschäft machen sollen. Hier in Deutschland haben wir erfahren, dass es bei der WM 2006 in Deutschland genauso war. Zum Beispiel durfte ein lokales Bier vor dem Stadion nicht verkauft werden. Die Fifa hat darauf bestanden, dass ausländisches Bier, dessen Brauerei die WM gesponsert hat, exklusiv vor und im Stadion verkauft wird. Das ist dieselbe Geschichte. Diese Regelung verhindert, dass die Touristen die südafrikanische Kultur kennen lernen. Ihnen wird die Möglichkeit genommen, Südafrika zu schmecken zu hören und zu fühlen."
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1189474/
| The Daily Show With Jon Stewart | Mon - Thurs 11p / 10c | |||
| World Cup 2010: Into Africa - Goal Diggers | ||||
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Update vom 17. Juli:
Der von Joseph Blatter geführte Vermarktungskonzern ist der kommerzielle Sieger der WM. Sein Trick: Dank steuerfreier Gewinne erzielt er Traumrenditen – und die Zeche zahlen Südafrika und die Fußballfans.
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Dabei wird häufig übersehen, dass Griechenland bereits vom Rest der EWU gerettet wird, und das seit Jahren. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Darlehen an die Banken an. Die Akzeptanz hängt von der Bewertung der griechischen Anleihen durch Rating-Agenturen ab. Das Rating wird von der Annahme gestützt, dass die übrigen Mitglieder der EWU Problemstaaten beistehen. So ergibt sich folgendes Bild: Europäische Banken kaufen griechische Staatsanleihen, die derzeit etwa 3% mehr abwerfen als deutsche, und benutzen sie, um Darlehen von der EZB zum Zins von 1% zu erhalten. Die Banken erstehen die Anleihen, weil sie wissen, dass die EZB diese als Sicherheit für neue Darlehen annimmt. Dieses Geschäft ist sehr profitabel, da die an die EZB zu entrichtenden Zinsen deutlich geringer sind als die von Griechenland bezahlten. Ohne die Annahme als Darlehenssicherheit durch die EZB müsste Griechenland deutlich höhere Zinsen auf seine Schulden zahlen. Mithin wird Griechenland schon seit Jahren subventioniert und «gerettet». Durch die gemeinsame Zentralbank, die Staatsschulden finanziert, werden Anreize für verschwenderische Staatsausgaben geschaffen – nicht nur für Griechenland, sondern auch für den Rest der EWU. Warum unpopuläre Steuern erheben, um die Ausgaben zu decken? Warum nicht lieber Anleihen emittieren, die durch die Schaffung neuen Geldes durch die EZB abgesetzt werden können und damit die Kosten der zum Machterhalt elementaren Staatsausgaben auf andere Länder abwälzen? Da die EZB neue Kredite gesichert durch Staatsanleihen schafft, haben alle Mitgliedsstaaten Zugang zu der Gelddruckmaschine.
Quelle: NZZ
Bloggen in China | 06:12 |
Auch an die Leser meines Blogs der Hinweis: sebba hat blogage.de ein Interview zum Thema Bloggen in China gegeben. Er sprach über Bedeutung des Internets und dessen Zensur für die Chinesen - und, was chinesische Zensoren im Suff ausplaudern. Das Interview gibt es nur exklusiv auf unserem Newsblog.
Third, as part of this investigation but independent of the attack on Google, we have discovered that the accounts of dozens of U.S.-, China- and Europe-based Gmail users who are advocates of human rights in China appear to have been routinely accessed by third parties. These accounts have not been accessed through any security breach at Google, but most likely via phishing scams or malware placed on the users' computers.
[...]
We have decided we are no longer willing to continue censoring our results on Google.cn, and so over the next few weeks we will be discussing with the Chinese government the basis on which we could operate an unfiltered search engine within the law, if at all. We recognize that this may well mean having to shut down Google.cn, and potentially our offices in China.
Quelle: Google Blog
Laut Wikileaks könnte der hier angegebene Grund aber nur vorgeschoben sein. Demnach haben chinesische Regierungsmitarbeiter möglicherweise Google-Sourcecode gestohlen. Gerüchten zufolge soll das Google-Büro in Shanghai für eine Hacker-Attacke auf die US-Zentrale genutzt worden sein.
Die Zensur wurde offenbar ohne Vorwarnung direkt mit dem Blogpost abgeschaltet. Wie laughingsquid.com berichtet, tauchen schon jetzt die bei der Bilder-Suche nach "Tiananmen" Bilder vom Massaker auf dem Platz den himmlischen Friedens von 1989 auf.
Auch die Börse hat auf die Nachricht reagiert: Google-Aktien fielen im nachbörslichen Handel, die Aktien des chinesischen Konkurrenten Baidu stiegen, wie Bloomberg berichtet. Beifall spendet dagegen die Netz-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF): Bravo Google.
Update: Inzwischen gibt es einen Videobeweis auf Youtube, dass Google.cn die Zensur offenbar eingestellt hat. Ein Artikel auf der deutschen Seite von Amnesty International klärt über den Umfang der chinesischen Internetzensur auf.


