blogage.de > Doener > Blog ohne Namen
  Anmelden | Login

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Max Goldt

Was es zum MDR grundsätzlich zu sagen gibt, haben die Kollegen der Süddeutsche vor kurzem umfassend aufgeschrieben. Zusammengefasst: 20 Jahre MDR, das sind 20 Jahre Politfilz, geschäftliche Sauereien, übelste Geldgeschichten und Stasi-Verwicklungen. Wohin das führt, zeigt sehr schön folgender Mitschnitt der Sendung "MDR um zwölf". Der Sender lud Hans-Joachim Zillmer ein, der als Diplom-Ingenieur natürlich die besten Voraussetzungen für einen Hobbyklimaforscher hat.

Eingeblendet wird seine Mitgliedschaft in der "New York Academy of Sciences" - eine Vereinigung, deren Mitglied man nicht durch Wahl oder Ernennung wird, sondern lediglich durch das Entrichten einer Jahresgebühr. Zillmer glaubt übrigens auch, dass der Mensch von außerirdischen Wesen (den Anunnaki) erschaffen wurde, die vor langer Zeit die Erde besucht hätten. Bravo, MDR, da sind unsere Gebühren ja bestens angelegt!

1. Szenischer Einstieg. Sprachlich selbstverliebtes journalistisches Rumgeeier. "Ein Visagistin tupft ein bisschen Puder in das pausbäckige Gesicht ..."; "Manfred Möllemann steht am Fenster und blickt auf die ...". Die ersten 40 Prozent des Artikels dürfen so gut wie keine relevante Information enthalten. Der Leser muss sie überspringen können, ohne irgendetwas zu verpassen.

Der Teil des Artikels dient vor allem dazu, auf den Leser einen Sturm von Adjektiven einprasseln zu lassen ("pausbäckig", "gedrungen", "breit", "ausgelassen", "verschraubt"), damit dieser sich schon mal innerlich vor der Sprachgewandtheit des Journalisten verbeugt.

2. Dann - typisch Magazin-journalitisch - Einführung der These. Am besten möglichst plakativ und dem Zeitgeist entsprechend.

3. Quellen runterbeten und sprachlich möglichst geschickt verbinden. Besonders wichtig beim Magazin-Journalismus: Quellen, die der eigenen These widersprechen, einfach weglassen. Was ein guter Magazinjournalist ist, der lässt sich seine These nicht totrecherchieren. These werden durchgebracht, auch gegen eine feindliche Realität.

4. Für das Ende hebt sich der Spiegel-Journalist dann das knackigste Zitat auf, um einen schönen Schluss zu finden, der noch Mal den gesamten Tenor des Artikels in einem Zitat auf den Punkt bringt. Wenn es kein passendes Zitat gibt, muss auf stumpfe Aphorismen Zurückgegriffen werden.

"Ja", sagt er knapp, "es geht ums Eingemachte"."

"Das ist keine Drohung", würde Hildegard Müller sagen, "sondern eine nüchterne Betrachtung der Sachlage."

Am Ende sei es wie mit jedem neuen, noch unbekannten Markt: "ein Glücksspiel". Ausgang: offen.

Die sich überschlagenden Nachrichten rund um den Skandal des Murdoch-Konzerns NewsCorp (u.a. Fox News, Wall Street Journal, Sun) werdet ihr sicher verfolgt haben: Reporter des britischen Boulevard-Blatt "News of the World" haben sich unter der damaligen Chefredakteurin und Rupert-Murdoch-Vertrauten Rebekah Brooks  unter anderem in Mailboxen eingehackt, Nachrichten gelöscht und Angehörigen von Mordopfern durch aktives Eingreifen Informationen vorenthalten. Sie haben dabei offenbar auch die britische Polizei bestochen. Einen Kurzüberblick gibt Wikipedia.

Nun behaupten viele, derartiges sei in Deutschland undenkbar. Diese Meinung teile ich leider nicht. Von einer zuverlässigen Quelle weiß ich, dass die Bild-Zeitung in ähnlichen Fällen ebenfalls moralisch fragwürdig vorgeht. Jene Quelle berichtete mir beispielsweise folgenden Fall: Ein junger Mann stirbt bei einem Autounfall. Eine junge Nachwuchsjournalistin bekommt den Auftrag, mehr über den Fall herauszufinden. Sie ruft die Mutter des Verstorbenen an und erweckt bei ihr den Eindruck, sie sei eine Bekannte des Verstorbenen, die an ihm interessiert sei.

Die Mutter ist überrascht und ein wenig gerührt. "Das ist aber schön", sagt sie, "mein Sohn hatte mit Frauen sonst immer gar nichts zu tun". So öffnet sie sich und gibt der Journalistin Details über den Verstorbenen und den Unfallhergang preis, über die die Bild später berichtet. Das Vorgehen mag nicht juristisch kriminell sein - aber was moralische Abscheulichkeit angeht, steht der deutsche Schmierblattjournalismus der Bild-Zeitung dem britischen in nichts nach.

Es gab eine Ära, deren Zeitgeist kommt uns heute so fremd und unwirklich vor wie sonst vielleicht nur das Mittelalter. Ich meine die Zeit um das Jahr 2000. ;) 

Meine Fresse, das sagte damals Hans Zinken, der Chef der neu gegeründeten Handelsblatt Online AG, die alle Online-Aktivitäten des Verlags unter sich bündelte in einem Interview:

Wie sieht es mit einem Betriebsrat aus?

 

Hans Zinken: Braucht den eine Internet-Company? Ich wünschte, unsere Konkurrenten wie Tomorrow oder Focus-Online würden sich einen zulegen. Tun die aber nicht - wie 84 Prozent aller Web-Unternehmen. Miteigentum* bedeutet automatisch Mitbestimmung. Eine Internet-Company braucht deshalb weder Tarifverträge noch fixe Arbeitszeiten noch Gremien aus der Zeit der Montanindustrie. [...] Junge, interessante Typen kommen nur zu uns, wenn wir wirklich frei sind von alten Strukturen. Bei uns muss frischer Wind durch die Lofträume wehen. [...] Probleme lösen wir in Round tables der Gruppen oder in Meetings der Company irgendwo draußen.

Heute zur Abwechslung mal ein Großzitat, weil mir lange niemand mehr so aus der Seele gesprochen hat. Auszug aus einer Stellungnahme des Bloggers, der von einigen Medien in der guten alten David-gegen-Goliath-Manier gerade zum großen Köhler-Stürzer hochstilisiert wird:

Einen großen Fehler habe ich aber gemacht: Ich habe der dpa vorgestern ein Kurzinterview gegeben, das dann als Meldung Furore machte. Ich habe gedacht, eine derart banale Meldung würde niemanden interessieren, vielleicht abgesehen von der hiesigen Lokalzeitung. Ich hätte mich gleich darauf besinnen müssen, dass ich nichts Relevantes zu sagen habe.

Ich habe unterschätzt, dass viele Medien auf jede Geschichte anspringen, die gute Klickraten und Zuschauerzahlen verspricht. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass die Kombination aus Köhler, dem vielen immer noch fremden Internet und aufmüpfigen Bloggern, personalisiert durch einen 20-jährigen Studenten, genau eine solche gute (und schnelle) Geschichte ist. Ob sie nun relevant ist oder richtig, ist da nur Nebensache.

Ich soll nun zum Gesicht der gesamten Blogosphäre gemacht werden. Dabei geht es nicht darum, was ich geschrieben habe, sondern darum, dass ich ein greifbares Gesicht bin, weil die dpa meinen Namen durch den Äther schickte. Das mag reizvoll sein als Kunstgriff, um das abstrakte Thema zu personalisieren – in der Sache ist es völlig übertrieben. Darauf, dass ich als Blogger eine besondere Rolle gespielt habe, gibt es keinen Hinweis. Meine Beiträge wurden in großen Medien inhaltlich nie aufgegriffen, ich nie zitiert. Dass ich als Leserbriefschreiber eine Art Hinweisgeber war, mag in Einzelfällen stimmen, ist aber banal und trivial: Natürlich nehmen Medien Reaktionen und Anregungen des Publikums auf. Das ist nun wirklich Alltag in Redaktionen.

Mehr: Beim Wort genommen

"Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen"

Punkt acht der Hackerethik

Ich habe mir gerade den Podcast zu Wikileaks bei Küchenradio mit Wikileaks-Mitglied Daniel Schmitt angehört - und das Projekt hinterlässt von seiner Konzeption bei mir einen zwiespältigen Eindruck.

Sicher, Wikileaks.org gebühren große Verdienste. In einer Zeit, in der investigativer Journalismus immer stärker dem Kostendruck zum Opfer fällt, übernimmt das Projekt eine sehr wichtige Funktion in der Gesellschaft, zu der die Medien offenbar immer seltener in der Lage sind. Nicht Medien konnten den brisanten Toll-Collect-Dokumenten habhaft werden - dazu brauchte es Wikileaks. Aber auch diesseits des Atlantiks kam das US-Militär mit der Geheimhaltung eines Videos, das ein US-Massaker im Irak zeigte durch - bis es die Plattform veröffentlichte.

Dokumentation oder Interpretation?

Daniel spricht im Interview mit Küchenradio viel darüber, wie wichtig es sei, den Inhalt des Irak-Videos vor der Veröffentlichung geheim zu halten. Ansonsten könne sich die US-Propagandamaschinerie auf die Veröffentlichung des Videos vorbereiten und hätte bei Veröffentlichung sofort eine Interpretation der Ereignisse parat, mit der sie die öffentliche Meinung manipulieren könnten, so argumentiert er. Stattdessen solle die Weltöffentlichkeit die Chance bekommen, die Bilder unvoreingenommen betrachten zu können - ohne Interpretation.

Leider verzichtete auch Wikileaks selbst nicht auf die Interpretation des Gezeigten, sondern liefert sie in Form eingeblendeter Texte mit. Schon das Orwell-Zitat zu Anfang zeigt, dass es sich bei Wikileaks weniger um eine um Neutralität bemühte Aufklärer-Plattform handelt, als vielmehr um politische Aktivisten mit einer klaren politischen Agenda. Die Interpretation des Gezeigten durch die Texteinblendungen war mutmaßlich auch einer der Günde, warum viele etablierte Medien erst einen Tag später berichteten. 

Wikileaks als Denunziantenplattform?

Eine schlüssige Beantwortung der Frage, wie Wikileaks die komplett anonym hochgeladenen Daten auf Authentizität prüft, bleibt Daniel in dem Interview meiner Ansicht nach schuldig. Es werde geprüft, betont er zwar - aber wie, verrät er nicht. Mir persönlich fällt angesichts der komplett anonymen Quelle und einer Personalstärke, die aus einem kleinen Kreis von Freiwilligen besteht, kein gangbarer Weg ein.

Auch die Frage nach einer Güterabwägung zwischen öffentlichem Interesse an geheimen Dokumenten und dem Schutz der Privatsphäre beantwortet das Projekt aus meiner Sicht unbefriedigend. "Im Zweifel für die Veröffentlichung", fasst Daniel die Policy des Projekts zusammen. So will Wikileaks beispielsweise auch 37.000 interne E-Mails der NPD veröffentlichen - ungefiltert. Man kann davon ausgehen, das unter diesem kaum zu überschauendem Datenhaufen auch viele private Informationen zu finden sind. Die Plattform veröffentlichte außerdem interne Mitgliedlisten der britischen neonazistischen BNP.

Kritisch muss man sich auch Fragen, ob eine Veröffentlichung interner Kommunikation aus anderen Organisationen - man nehme als Beispiel mal eine etablierte Partei wie Grüne oder SPD - mit ähnlichem Wohlwollen aufgenommen würde. Gilt das Briefgeheimnis nicht auch für vertrauliche E-Mails? Sollten Bürgerrechte wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung nicht unteilbar sein?

Wikileaks muss die Ethikdebatte führen

Was mich am meisten stört ist die Tatsache, dass die von Philip Banse angesprochenen Ethik-Fragen offenbar nicht einmal projektintern ein Thema sind. Es greift das um sich, was man leider häufig unter jenen findet, die sich für eine gute Sache einsetzen: Als ehrenamtlicher Streiter gegen die dunklen Mächte dieser Welt ist man schon mal grundsätzlich im Recht.

Leider scheint das auch die Sicht einiger Medien zu sein, die beispielsweise die wenig belegte Behauptung verbreiteten, Wikileaks-Mitarbeiter würden vom CIA verfolgt - bishin zu seriösen Medien wie n-tv.de und sueddeutsche.de. Ausgerechnet die Taz ist hier vorsichtiger und titelte korrekter: "Wikileaks fühlt sich verfolgt". Es sei an das alte Hajo-Friedrichs-Motto erinnert: "Mache Dich nie gemein mit einer Sache. Auch nicht mit einer guten". 

Das Wikileaks-Projekt ist gut und wichtig - gerade in einer Zeit, in der die etablierten Medien ihrer gesellschaftlichen Aufgabe immer weniger nachkommen wollen oder können. Aber auch Wikileaks muss sich den kritischen Fragen nach einer Güterabwägung zwischen Privatsphäre und öffentlichem Interesse, zwischen Aufklärung und Denunziantentum und zwischen korrekter Berichterstattung und Gerüchte stellen.

Die Beantwortung dieser Fragen ist dabei allesamt sehr diffizil. Was sind öffentliche Daten, was private? Kann auch an privaten Daten ein öffentliches Interesse bestehen, das schwerer wiegt als der Schutz der Privatsphäre? Wie kann die Authentizität eines Dokuments geprüft werden, bevor es veröffentlicht wird? Ich habe keine Antworten auf diese Fragen aber sie stellen sich - und müssen im Dialog mit der Gesellschaft beantwortet werden.

Update: Nach dem Hinweis von supagruen in den Kommentaren habe ich mir auch die erste Küchenradio-Folge angehört, in der Daniel Schmitt zu Wikileaks interviewt wird - und ich bin ehrlich schockiert. Daniel sagt dort, das einzige Kriterium, nach dem Wikileaks entscheidet, ob sie ein Dokument veröffentlichen, sei - neben der technischen Fragen, ob es noch nicht veröffentlicht wurde - die Relevanz.

Dann widerspricht er sich jedoch und sagt, das Wikileaks-Team könne sich nicht anmaßen zu entscheiden, was für irgendwen relevant sei oder nicht - das müsse derjenige tun, der das Dokument hochlädt. Wikileaks würde daher natürlich auch sehr private Daten wie beispielsweise Namen und Adressen von Teilnehmern eines schwulen Chat-Rooms veröffentlichen, sollte jemand ein solches Dokument hochladen.

Offensichtlich haben wir es bei Wikileaks mit Ideologen zu tun, bei denen außer die Informationsfreiheit keine anderen Werte mehr zählen. Ich hatte mir schon überlegt, ob ich für das Projekt spenden soll. Aber unter diesen Umständen auf gar keinen Fall.

I have the theory that news are now driven not by editors who know anything, I think it's driven by people who are fucking off at work, who are surfing the internet. And people at the Fox Website know: If they put a headline like 'Child directs traffic at JFK' - that's what's gonne get the poeple to click on their website. It's terrible. It's like the country is run by 'America's funniest home videos'.

Bill Maher in der Sendung Real Time with Bill Maher

Oder um es mit Steve Jobs zu sagen:

When you're young, you look at television and think, there's a conspiracy. The networks have conspired to dumb us down. But when you get a little older, you realize that's not true. The networks are in business to give people exactly what they want. That's a far more depressing thought. Conspiracy is optimistic! You can shoot the bastards! We can have a revolution! But the networks are really in business to give people what they want. It's the truth.

10 Jahre alt wurde die Financial Times Deutschland (FTD) gestern. Ex-Handelsblatt-Reporter Thomas Knüwer erinnert sich in seinem Blog an den Start der Wirtschaftstageszeitung der etwas anderen Art - und auch an deren Aufmacher vor 10 Jahren: Die angebliche Aufspaltung von Siemens, die sich als Quasi-Ente entpuppte. Das kratzte am Image des neuen Wirtschaftsblatts, das bis heute der Ruf eines frisch-frechen aber leider häufig zum Übergeigen neigenden Mediums anhängt - zu Unrecht. Die meisten sich später als falsch entpuppenden Exklusiv-Meldungen kommen gefühlt längst von Focus und Wirtschaftswoche.

Ich weiß noch genau als ich meine erste FTD-Ausgabe in den Händen hielt: Ich war gerade auf der Expo 2000 in Hannover und im Bertelsmann-Pavillon wurde die magazinig daherkommende Tageszeitung kostenlos verteilt. Damals war ich 17 - und wie man mit 17 so ist - politisch ziemlich weit links und wenig an einer Wirtschaftstageszeitung interessiert.

Dennoch fand ich den unkonventionellen Blick, den die FTD nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf wirtschaftliche Zusammenhänge nahm, damals sehr erfrischend. Es erinnerte mich etwas an das noch progressivere Wirtschafts-Format brandeins, das ich damals bereits mit großem Genuss las (und das für mich damals immer ein guter Grund war, zum HNO-Arzt zu gehen).

Die FTD startete ausgerechnet zu einer Zeit, als die Medienwelt erstmals die Umwälzung des Internets für die eigene Branche diskutierte - und die FTD reagierte darauf genau so, wie es meiner Meinung nach richtig ist: Weniger reine tagesaktuelle Nachrichten, mehr Hintergründe, Analysen, Meinungen. Die Agenda-Seite der FTD gehört für mich bis heute zu den interessantesten Beiträgen in deutschen Tageszeitungen. Und während das Handelsblatt mit Michael Hüther immer noch einen akademischen Dinosaurier die ökonomische Weltlage erklären darf, haben bei der FTD mit Chefökonom Thomas Fricke und Autoren wie Lucas Zeise längst aufgeklärte Neokeynsianer das Sagen - ganz im Zeichen der Zeit - und zwar schon bevor die Finanzkrise das alte ordo- und neoliberale Denken diskreditierte.

Bei der harten Auflage hinkt die FTD dem Handelsblatt nach wie vor hinterher - und Gewinn hat sie auch noch keinen gemacht. Dabei muss aber beachtet werden, dass die Leserschaft des Handelsblatts einen andere ist. Wie es Thomas Knüwer ausdrückt ist sie vor allem an "Stahl, Schrott, Schrauben und Autos" interessiert - und damit tendenziell eher Print treu. In der FTD sind "moderne Branchen" dagegen deutlich stärker repräsentiert, die Zielgruppe jünger und internetaffiner. In den Zeiten der Zeitungskrise wurde außerdem die Redaktion mit der von Capital zusammengelegt - doch zum Glück um die Redaktion der FTD herum und nicht umgekehrt. Für Gruner+Jahr ist die FTD qualitativ längst zu dem im Jahr 2000 ersehnten Aushängeschild geworden. 

Mit dem vergangenen Relaunch geht auch das Handelsblatt vorsichtig in den von der FTD bereits 2000 eingeschlagenen Weg zu mehr Meinung, Hintergrund und Analyse. Und mit Olaf Storbeck und Norbert Häring kämpfen die zwei Ökonomieautoren gegen das ordnungspolitische 50er-Jahre-Dogma an, das der Ex-Kommunist und bald Ex-Chefredakteur Bernd Ziesemer entgegen aller jüngeren Forschungsergebnisse der Ökonomie bis zuletzt ungebrochen vertrat. So haben sich beide Blätter angenähert - die FTD ist seriöser, das Handelsblatt in Teilen unkonventioneller geworden - und dennoch haben beide ihren Platz in der Branche gefunden. Ich hoffe, dass das so bleibt.

Ey guck mal: Ich verkauf Autos, ne. Und so'n Typ hier, der bringt mir jeden Tag 20 Kunden inne Bude. Er will dafür auch keine Kohle haben.

Dachte erst toll. Doch dann habe ich rausgefunden, der blöde Typ bringt auch noch Hunderttausende andere Leute zu Hunderttausenden anderen Plätzen - und hat es irgendwie geschafft, damit Millionen zu machen! Ich mache mit den 20 Kunden hier jeden Tag nur ein paar Hundertausend. Und deshalb klag isch jetzt gegen den Typen, denn ich will die Hälfte davon abhaben!

Unrealistisch? Nicht in Deutschland:

Hans-Joachim Fuhrmann, a spokesman for the German Newspaper Publishers Association, said the Web sites of all German newspapers and magazines together made 100 million euros, or $143 million, in ad revenue, while Google generated 1.2 billion euros from search advertising in Germany. 

"Google says it brings us traffic, but the problem is that Google earns billions, and we earn nothing," Mr. Fuhrmann said.

Quelle: nytimes.com

Ein ganz nettes Video zum Thema im "Sendung mit der Maus"-Stil für Jugendliche gibt es übrigens bei Trendpiraten.tv:

Trendpiraten - Episode 03 from Trendpiraten on Vimeo.

 

Seiten:«Vorherige1, 2, 3 Nächste»