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Ich habe vor kurzem Micheal Moores Film "Capitalism - A Love Story" gesehen. Wie immer bedient sich Moore auch in diesem Film Polemik, Übertreibung, Vereinfachung und vor allem Angst. Die Hetze gegen die Wall Street erinnert teilweise an längst vergessen geglaubte Hexenpogrome: Was sie dort machen, ist böses Teufelszeug, das niemand versteht - nichtmal sie selbst, so lautet die Botschaft.

Der Film vermittelt durch manipulatives Zusammenschneiden eines Interviews den (natürlich falschen) Eindruck, selbst der Havard-Ökonom Kenneth Rogoff könne nicht erklären, was CDS (Credit Default Swap) eigentlich sind. Dabei ist es gar nicht so schwer:

Credit Default Swap (CDS)

CDS sind mit einem Satz: Versicherungen gegen Kreditausfälle. "To default" bedeutet im Englischen, einer Verpflichtung nicht nachzukommen, "Swap" bezeichnet einen Tausch. Wenn also ein Kreditnehmer einen Kredit nicht bedienen kann, geht das Risiko des Ausfalls mit einem CDS auf denjenigen über, der CDS verkauft - so weit, so einfach. Zunächst versichert man sich über den Kauf eines CDS also gegen einen Kreditausfall. Angeboten werden CDS von großen Versicherungskonzernen wie der in der Finanzkrise staatlich geretteten AIG. Banken sind sowohl Käufer als auch Verkäufer von CDS.

Nun muss man als Käufer von CDS aber nicht unbedingt auch Gläubiger sein. Bei einem CDS handelt es sich nämlich um ein Derivat. Ein Derivat ist allgemein ein auf Finanzmärkten gehandeltes Wertpapier, dessen Preis sich von anderen handelbaren Gütern ableitet (das so genannte Underlying). Im Falle von CDS ist das Underlying ein Kredit, was neben normalen Bankkrediten auch Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen sein können. Es handelt sich daher um ein Kreditderivat.

Wie wird nun diese eigentlich recht harmlose Kreditausfallversicherung zu einem so gefürchteten Spekulationsinstrument, dass es die Bundesregierung scharfer Kontrolle unterwerfen will? CDS können wie gesagt auch gekauft werden, wenn man selbst nicht Gläubiger ist. Statt einer Ausfallversicherung handelt es sich dann um ein Spekulationsinstrument: Eine Wette auf die Pleite eines Staats oder Unternehmens. Wenn der Gläubiger seine Schulden nicht bedienen kann, kann so der Käufer eines CDS für einen Bruchteil der Kreditsumme die gesamte versicherte Kreditsumme einstreichen.

Das hat Vor- und Nachteile: Weil CDS an den Finanzmärkten transparent und öffentlich gehandelt werden, gilt es als Warnzeichen, wenn sich deren Preis verteuert. Im Zuge der Schuldenkrise Griechenlands haben sich die CDS gegen Ausfälle griechischer Staatsanleihen enorm verteuert. Auf diese Weise können auch Kreditausfallrisiken vom Finanzmarkt aufgedeckt werden, die vielen Marktteilnehmern ansonsten verborgen geblieben wären.

Die Kehrseite: Je höher der Preis von CDS gegen Ausfallsicherheiten auf dem Finanzmarkt gehandelt werden, desto schwieriger wird es für das betroffene Unternehmen oder in diesem Fall Staat, sich zu refinanzieren - also neue Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen. Horden von Spekulanten, die auf eine Pleite wetten, wirken sich nicht gerade positiv auf die Bonität aus.

So kann durch eine massive Wette von Spekulanten auf die Pleite eines Unternehmens oder eines Staates das betroffene Land oder Unternehmen erst in den Bankrott getrieben werden. Deshalb haben sich die Euro-Staaten auch bemüht, den Eindruck zu erwecken, im Notfall Griechenland beistehen zu wollen. Das sollte den Preis für CDS auf griechische Staatsanleihen drücken.

Die US-Notenbank Fed untersucht in diesem Zusammenhang die CDS-Geschäfte der US-Großbank Goldman Sachs - ausgerechnet der Bank also, die Griechenland einst beim Verschleiern der Schulden half, um der Euro-Zone beitreten zu können. Einem Bericht der "New York Times" zufolge sollen auch europäische Banken wie u.a. die Deutsche Bank auf eine Staatspleite Griechenlands wetten - was Lucas Zeise in der FTD lakonisch kommentierte:

Obwohl es also die Staaten sind, die die Versicherer retten, lassen sich die Versicherer Policen gegen die Pleite genau dieser Staaten gut bezahlen. Warum kaufen die Banken solche CDS? Sind sie Idioten?

Quelle: ftd.de 

Der Einfluss der CDS-Spekulanten darf aber auch nicht überbewertet werden:

Dabei schiebt man den Schwarzen Peter womöglich vorschnell den Finanzmärkten zu: „Die Theorie, die Spekulanten seien schuld, halte ich nur für sehr bedingt richtig“, sagt etwa Stefan Winter, Leiter des Investmentbankings der UBS in Deutschland. Zwar ist es unstrittig, dass so manche Investoren aus der Griechenland-Krise Profit schlagen wollen – doch vieles deutet daraufhin, dass ihr Einfluss keineswegs so groß ist, wie es populäre Verschwörungstheorien nahe legen.

Quelle: Welt.de

Die weiteren krisenverschärfenden Auswirkungen von CDS in der Finanzkrise habe ich an anderer Stelle bereits erklärt. US-Investmentlegende Warren Buffett nannte CDS durch den Domino-Effekt, den die Papiere über die enge Verzahnung von Kreditversicherungen unter Banken auslösen können, sogar finanzielle Massenvernichtungswaffen: Die Banken sichern sich gegenseitig ihre Kredite ab und gehen so immer höhere Risiken ein. Doch wenn eine Bank pleite geht, sind auch ihre Kreditversicherungen nichts mehr wert. Bei einer schweren Rezession mit entsprechendem hohen Ausfällen bei den Krediten wird so ein Institut nach dem anderen in den Abgrund gerissen.

Als Erfinderin der CDS gilt übrigens die Investmentbankerin Blythe Masters, die inzwischen als mächtigste Frau an der Wall Street gilt. Über sie schrieb die FTD kürzlich:

Das Team feiert aber auch ausgiebig. Bei einem Wochenend-Workshop in Boca Raton in Florida, wohnen sie in Villen im spanischen Stil, trinken auf Kosten der Bank, Tennisplätze und feine Sandstrände sind direkt vor der Haustür. Am Ende ist die Stimmung so gut, dass sie sich gegenseitig in Kleidern in den Pool schmeißen. 
In diesem Team entsteht das Konzept zu den CDS.
Quelle: ftd.de

Die sicherste Form eines Rentensystems bleibt trotz aller Unkenrufde immer die staatliche organisierte Umlagefinanzierung - und zwar ganz einfach deshalb, weil dieses System so lange funktioniert, wie es Menschen gibt, die Einkommen beziehen und solche, die Renten beziehen.

An dieser unerschütterlichen Wahrheit, die ich Anfang 2008 auf meinem Blog schrieb, hat sich nichts geändert. Geändert hat sich aber einiges auf dem Markt der kapitalgedeckten Alters- und Lebenversicherungen.

Die Finanzmarktkrise hat große Teile der Altersversorgung von Millionen von Menschen dahingerafft, auf dem Höhepunkt der Krise verloren die US-Pensionskassen in 15 Monaten zwei Billionen Dollar.

Und nun? Alters- und Lebensversicherer versprechen meist alles auf einmal: Üppige Renditen und volle Sicherheit auf das eingesetzte Kapital. Doch hohe Renditen gibt es für relativ sichere Wertpapiere - wie beispielsweise Staats- und Unternehmensanleihen erstklassiger Bonität - einfach nicht mehr. Auf diese sind die Versicherungen aber schon aus gesetzlichen Gründen angewiesen.

Wenn man Keynes glauben darf, wird es die hohen Renditen für sicher angelegtes Kapital auch nicht mehr geben. Im Gegenteil: Wo Kapital kein knappes Gut mehr ist, wird es ohne erhebliches Risko auch keine hohen Renditen mehr geben. So weit, so einfach. Nur die Lebensversicherer und ihre Kunden scheinen das nicht zu wissen.

Wer es allerdings offenbar weiß, ist BaFin-Chef Jochen Sanio, der als Deutschlands oberster Bankenaufseher auch für Versicherungen zuständig ist.

Die Unternehmen könnten ihren Kunden wohl schon in diesem Jahr nicht mehr so hohe Renditen zusagen, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am Donnerstag in Frankfurt. Ihr Geschäftsmodell basiere darauf, dass es immer Kapitalanlagen mit ausreichender Rendite gebe, um die Zinsversprechen erfüllen zu können. Daran seien "angesichts des gegenwärtigen Zinsniveaus Zweifel angebracht", mahnte er.

Quelle: Handelsblatt Online

Durch die Blume gesprochen - und doch den Kern der Sache treffend.

Im Grunde ist jede PR widersinnig. Denn, worum geht es bei der PR? Um Auftragskommunikation im Sinne des Unternehmens - und letztlich darum, ein Produkt zu verkaufen. Und wie soll PR erscheinen, damit sie funktioniert? Cool, frech, alternativ, Lebensgefühle, Werte und generell alles Gute und Schöne vermittelnd.

PR funktioniert einfach nicht. Funktioniert nicht, hat nie funktioniert, wird nie funktionieren. PR ist der komische Typ, den keiner kennt und der uneingeladen auf eine Party kommt. Es ist der peinliche Onkel des Gastgebers, der unverhofft in eine bis dato lebhafte Studentenparty hereinplatzt und mit Bier in der Hand "Party!" ruft, worauf diese schlagartig zu Ende ist.

Das ist der Mechanismus von Kultur und Gegenkultur: Die Rollen sind verteilt. Das Etablierte ist uncool, die noch nicht Etablieren bauen sich eine Alternativkultur auf, bis diese zum Mainstream wird und damit die nächste Generation etwas Uncooles hat, wogegen sie wieder etwas aufbauen kann.

Es ist der ewige Lauf der Dinge - aber irgendwie wollen das PR-Strategen einfach nicht begreifen und versuchen seit Generationen jede Gegenkultur zu vereinnahmen. So auch Vodafone mit diesem Spot, bei dem unter anderem die bekannten Blogger Sascha Lobo und Schnutinger mitwirken:

wie mich das ankotzt, das echt gute musik von david bowie von irgendwelchen werbehanseln vor ihren kommerziellen kackkarren gespannt wird. wie bei queen und obi. und die deppen, die das original nicht kennen, finden es auch noch gut. armes deutschland.

Benutzer buutzemann auf Youtube

Natürlich kam der Spot in der angesprochenen "Generation Upload" nicht gut an. Darf er auch gar nicht. Schließlich wehrt sich jede Jugendkultur dagegen, uncool zu werden - und man wird halt uncool, sobald mit dem eigenen Lebensgefühl Werbung gemacht wird. Vodafone hat inzwischen auch schon auf die Kritik reagiert, natürlich betont cool.

Sascha Lobo ist damit auf dem besten Weg, in Sachen Selbstvermarktung die Heidi Klum des Online-Business zu werden.

Quelle: turi2.de

Ich gebe an dieser Stelle allen Unternehmen einen Tipp, der pures Gold wert ist: Feuert eure PR-Berater. Feuert sie alle und stellt nie wieder welche ein. Es gibt keine gute PR, Unternehmen können sich kein Image aufbauen, sie werden nicht mit Lebensgefühlen verbunden. Okay, es gibt eine Ausnahme: Apple. Aber das ist eine Sekte und kein Unternehmen und die Kunden sind Gläubige. Aber das kommt von unten, von den Nutzern selbst nicht durch die tolle PR-Arbeit von Apple.

Mit erstaunlicher Indolenz plaudert man bei Vodafone auch nach dem Debakel einfach weiter, schwadronierte vom Dialog mit der „Generation Upload“, während draußen im Netz überdeutlich wurde, dass man von solchen Leuten absolut nicht als Partner gesehen werden möchte. Sogar Begünstigte der Werbekampagne meldeten sich deutlich ablehnend zu Wort. Man kann dem Debakel einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen; ähnlich einer an Kokain berauschten Partygesellschaft von Millionären, die auf der Suche nach billigen Mädchen durch ein tiefrotes Arbeiterviertel ziehen, wusste Vodafone durchaus Anlass für einen verbalen, blutigen Horrorschocker zu liefern. Ein Spektakel auf allen Kanälen, das zukünftigen Werbern als 200 Millionen teures Beispiel dienen wird, wie man sich im Internet umfassend, oder wie man in der Branche sagt, 360 Grad, den Ruf ruiniert.

Don Alphonso auf FAZ.Net

Steckt das Geld lieber in den Service, in Infrastruktur und versucht einfach nur ein gutes Produkt zu machen. Schreibt Pressemeldungen, in denen ihr neue Produkte ankündigt - und das wars.

Update:

Das bisher witzigste, was ich zum Thema gelesen habe: Tagebuch eines Vodafone-Vorstandes.

Update 2:

Gnade, Gnade! Bitte, bitte hört damit auf! Inzwischen hat der peinliche Onkel nicht mehr nur ein Bier in der Hand, sondern tanzt nackt auf den Tischen.

Update 3:

Nach dem PR-Desaster mit Vodafone hat Schnutinger das Bloggen eingestellt.

Was fällt euch zum Autovermieter Sixt ein? Meine bisherigen Assoziationen waren: Dümmliche, aggressive und peinliche Werbungen. Wie beispielsweise diese hier mit "Supermodel"-Kandidatin Gina Lisa Lohnfink und Jopie "Hitler war ein guter Kerl" Heesters:

Nunja, wie auch immer. Sixt schafft es so jedenalls Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - doch das reicht der Marketing-Abteilung offensichtlich noch nicht, mal will auch bei Google ganz oben sein. Künfitig wird der Namen Sixt nämlich noch eine weitere Assoziation bei mir hevorrufen: SEO-Linkspammer. Denn wer sonst hätte ein Interesse daran, dieses Blog anzulegen?

Wall Street

Die NYSE in der New Yorker Wall Street. Foto: shadowmancer. Bestimmte Reche vorbehalten.

Der Dow Jones Industrial Average ist der älteste und wohl einflussreichste Börsenindex der Welt. Nach ihm richten sich die Börsen der Welt, schlechte oder gute Vorgaben aus den USA beziehen sich fast immer auf das Börsenbarometer des Dows. Zu recht?

Es gibt vieles was dagegen spricht. Seine Bedeutung besitzt der Dow auch heute vor allem aus historischen Gründen. 1986 begann Charles Dow, der Gründer des Wall Street Journal und des Unternehmens Dow Jones, die Schlusskursstände der Aktien von zwei Industrieunternehmen und neun Eisenbahngesellschaften der USA, die an der New York Stock Exchange gehandelt wurde, zu notieren und dividierte sie durch elf.

Bis heute hat sich an Zusammenstellung und Berechnung des Dow-Jones-Index nichts wesentliches getan. Noch immer scheidet der Chefredakteur des Wall Street Journals gemeinsam mit einem kleinen Komittee über die Zusammensetzung des Index. Noch immer geschicht dies ohne nachvollziehbare Regeln, unangekündigt und instransparent.

Anders als beispielsweise der deutsche Leitindex DAX, ist der Dow auch nach wie vor kein Performance-, sondern ein reiner Kursindex. Das bedeutet: Dividendenerlöse und sonstige Erträge aus Aktien wie Bezugsrechtserlöse werden nicht miteinberechnet. Zahlt ein Unternehmen eine Dividende, sackt der Wert der Aktie naturgemäß um den pro Aktie bezahlten Betrag ab - schließlich ist das Geld ja nun nicht mehr im Unternehmen, sondern bei den Inhabern. Diesen nach Diviendenzahlungen zu beobachtenden Kurseinbruch nennt man Dividendenabschlag. Performanceindizes wie der DAX gehen bei der Berechnung des Index davon aus, dass alle Aktienerlöse automatisch wieder in Aktien des Unternehmens investiert werden. Dadurch ergibt sich ein realistischere Wertentwicklung von Aktien.

Zu guter letzter wird im noch immer jeder Wert im Dow gleich gewichtet. Egal, ob es sich dabei um ein Börsenschwergewicht wie IBM oder um Aktien, die von General Motors oder der Citibank handelt, die zeitweise zu Pennystocks wurden.

Das heißt, je Dollar Kursverlust verliert der Dow acht Punkte. Wenn die GM-Aktie also etwa um einen Dollar und damit 50 Prozent fallen würde, hätte das den gleichen Effekt wie der Kursverlust der derzeit mit rund 84 Dollar optisch teuersten Aktie, IBM, um einen Dollar oder 1,1 Prozent.

Quelle: Handelsblatt.com

Auch die USA haben übrigens einen modernen Index: Den von Standard & Poor's eingeführen S&P 500.

es nervt!

Egal, ob ich ein Paket versenden oder einfach nur Briefmarken kaufen will: Jedes Mal werde ich belabert, ich solle doch ein Postbank-Konto eröffnen.

Ich bin bei der Sparkasse Düsseldorf: Lausiger Service, furchtbare Online-Banking-Software, lächerlich niedrige Zinsen - und keinerlei Flexibilität. Außerdem gehören die Sparkassen nicht zur Cash Group und entsprechend hoch sind die Gebühren an fast allen Geldautomaten. Nicht mal Prämien gibt es, wenn ich andere werbe. Dennoch: Alleine aus Bequemlichkeit werde ich wohl mein Leben lang bei der Sparkasse bleiben.

Also liebe Post: Lasst es! Dieses Cross-Marketing finde ich furchtbar. Allein weil ihr mich jedes Mal nervt, sobald ich eine Post-Filiale besuche, würde ich niemals ein Postbank-Konto eröffnen. Wenn überhaupt würde ich privat zur Deutschen Bank gehen. Zumindest mit dem Service bei unserem Geschäftskonto bin ich da nämlich wirklich zufrieden.

Das Internet wirkt in vielerlei Hinsicht wie ein Offenbarungseid: So wie Journalisten nun erstmals genau sehen können, was die Leser eigentlich wirklich interessiert und zumindest ihr Online-Angebot konsequent darauf ausrichten, so wird das Internet auch für eine zweiten Wirtschaftszweig meines Erachtens langfristig zum Schock: Die Werbebranche.

Durch das Internet kann zum allersten Mal exakt gemessen werden, was der Industrie Werbung eigentlich tatsächlich an konkreten Einnahmen bringt: In vielen Fällen nämlich fast gar nichts.

Aus gut informierten Quellen weiß ich, dass die mit Abstand besten Banner-Platzierungen im StudiVZ die Banner direkt unter den privaten Nachrichten sind. Diese - wie gesagt mit Abstand besten Bannerplätze - erreichene eine Click-Through-Rate (CTR) von durschnittlich 1 zu 1.000, das heißt von 1.000 Nutzern klickt einer auf die Werbung - der Rest wird sie mutmaßlich ignorieren. Die wenigsten von denjenigen, die klicken, werden dann letztlich auch kaufen. Darüber kenne ich keine Zahlen - aber auch diese Anzahl kann exakt gemessen werden.

Wie hoch wäre wohl eine solche "Buy-through-Rate", würde man sie für einen Fernsehwerbesport berechnen? Während bei Online-Werbung der Nutzer nur ein paar Klicks weit weg vom direkten Bestellen eines Produkts ist, muss er sich bei klassischer Print-, Plakat- und TV-Werbung das Produkt aktiv merken, um dann sehr viel später eine Entscheidung zu treffen. Die vermutete Kauf-Realisierung dürfte weitaus niedriger liegen, ich vermute sogar bei den meisten Werbungen nahe Null.

Nun lamantiert die Werbebranche natürlich sehr viel über diese schonungslosen Erkenntnisse. Sie sprechen von anderen Funktionen der Werbung, wie der Marken- und Imagebildung, Reichweitungsausweitung der Markenwahrnehmung usw. Mag alles sein. Doch wie wichtig sind Marken überhaupt und wie wichtig ist Werbung, um eine Marke zu etablieren? Das meistverkaufte Bier Deutschlands stammt von Oettinger. Ein gutes Bier zu einem günstigen Preis. Investitionen in Werbung bisher: 0 Euro. Mundpropaganda war die beste Werbung.

Bei Lebensmitteln erhalten die Handelsmarken der Supermarktketten seit Jahren immer größere Dominanz, seit klar ist, dass sie in Sachen Qualität den klassischer Markenprodukten häufig in nichts nachstehen. Ein sehr populäres Bier wirbt auf den Dosen und Flaschen gerade damit, dass es sich um keine Marke handelt und dass es nicht beworben wird. "No Logo" ist in.

Ein der weltweit bekanntesten und wertvollsten Marken ist Google. Google gibt bis heute so gut wienichts für Werbung aus, höchstens für das eine oder andere Sponsoring. Auch Google ist fast ausschließlich durch Mundpropaganda bekannt geworden.

Noch erreichen Online-Werbeflächen im Umfeld von Premium-Conent wie Spiegel Online Tausender-Kontakt-Preise von 35 Euro und mehr - das heißt 35 Euro pro 1.000 Anzeigen der Werbung. Noch hat sich die Bezahlung per Klick abseits von privaten Websites und allgemein im Umfeld von User Generated Content nicht durchgesetzt.

Doch haben größere Teil unserer Wirtschaft erstmal begriffen, wie genau sich der direkte Erfolg von Werbung im Online-Bereich messen lässt, wird die Werbebranche meiner Einschätzung nach von einer tiefen Krise erfasst und stark schrumpfen.

Andersrum nämlich können gerade Online-Portale den Erfolg klassischer Print- und Fernseh-Werbung relativ gut messen: Der Zweck der Werbung besteht darin, mehr Nutzer auf die Seite zu locken, die sich anmelden. Steigt die Anzahl der Nutzer, die sich anmelden, nach dem Schalten einer entsprechenden Kampagne nicht signifikant, kann von einer Werbe-Fehlinvestition ausgegangen werden - eine Erfahrung, die viele Web-Startups machen. Das massiv im Fernsehen beworbene soziale Netzwerk Lokalisten beispielsweise konnte die Zahl der Nutzer kaum steigern, während die Nutzerzahlen von wer-kennt-wen.de durch die Decke gingen - völlig ohne Werbung.

Werbung 2.0?

Werbung wird es aber natürlich weiterhin geben. Im Bereich der Print-, Plakat- und Ferseh-Werbung gibt es eine Art selbstregulierenden Mechanismus: Je weniger beispielsweise unsere Straßen mit Werbung zugepflastert sind, desto eher fällt das ins Auge, was noch da ist. Im Bereich der Online-Werbung arbeitet in Deutschland zurzeit der Arbeitkreis Social Media an einer Währung jenseits des Klicks.

Ein neuerer Ansatz, den das Internet der Werbung eröffnet, sind Marketing-Maßnahmen mit Rückkanal. So betreibt beispielsweise der Lebensmittelhersteller Frosta ein eigenes Blog, auf dem das Unternehmen direktes Feedback der Kunden auf Produkte und Werbemaßnahmen in Form von Kommentaren bekommt. Die Nutzer werden weiterhin beispielsweise aufgefordert, über Produktnamen abszustimmen.

Im Mittelpunkt steht hier also nicht mehr so stark die werbliche Funktion, sondern eine Kombination aus Werbung und Marktforschung. Sollte das Unternehmen die Anregungen der Kunden ernst nehmen, wird diese Form der Werbung auch für die Konsumenten interessant.

Als vorgezogenes Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk habe ich mir vor kurzem den Asus Eee PC 1000H schenken lassen, der mir insbesondere durch die für ein Netbook sehr überzeugenden Leistungsdaten (u.a. 160 GB Festplatte, Intel-Atom-Prozessor, 1 GB RAM, sehr gutes und helles Display) sowie die wirklich überzeugende Tastatur und die sehr lange Akkulaufzeit (versprochen werden 7 Stunden, das konnte ich aber nicht ausprobieren) aufgefallen ist. Sogar eine 1,3-Megapixel-Webcam ist eingebaut und neben WLAN verfügt der Eee PC 1000H auch über eine Bluetooth-Schnittstelle.

Es ist zwar nicht ganz so leicht wie viele andere Netbooks - aber dafür ist die Tastatur auch entsprechend größer und es lässt sich sehr gut mit ihr arbeiten, was mir am wichtigsten war. Ich kann das Gerät nur empfehlen.

Der günstigste Online-Händler, den ich fand, bot den Eee PC 1000H für 360 Euro plus Versandkosten an. Nun bin ich via eee-pc.de auf ein echtes Schnäppchen gestoßen: Amazon.de bietet die weiße Version des Geräts derzeit für den wirklich unschlagbaren Preis von 329 Euro inklusive Versandkosten an. Die schwarze Version mit denselben Leistungsdaten kostet dort nach wie vor 379 Euro.

Für alle Eee PCs gibt es übrigens auch eine speziell angepasste Ubuntu-Version, die ich allerdings noch nicht ausprobiert habe. Noch werkelt das mitgeliferte Windows XP Home auf dem Subnotebook, auf dem u.a. StarOffice vorinstalliert war.

Update: Ist Amazon da ein Fehler unterlaufen? Jetzt kostet die weiße Eee-PC-Version auf einmal 349 Euro.

Update 2: Es wird immer besser. Jetzt kosten beide Versionen auf einmal 399 Euro.

Lehrbücher sind teuer - davon wissen viele finanziell gebeutelte Studenten ein Lied zu singen. Ein wirklich interessanten Ansatz, mit dem Studenten bares Geld sparen können, habe ich eben auf der Website studentensupport.de entdeckt. Ich stehe in keinerlei Verbindung zu den Machern dieser Website - bin aber von dem Konzept überzeugt.

Die Seite bietet Studenten Lehrbücher zu verschiedenen Themen wie Mathematik, VWL, BWL und Ingenieurwissenschaften zum kostenlosen PDF-Download - auch völlig ohne Anmeldung und Preisgabe der E-Mail-Adresse. Finanziert wird das über Werbeanzeigen in den eBooks. Bisher liegt der Schwerpunkt des Angebots deutlich auf den Wirtschaftswissenschaften. Ich hoffe, da kommt noch mehr.

Die Lehrbücher wurden laut Website exklusiv für stundentensupport.de von Professoren der entsprechenden Fachgebiete verfasst und sollen als Ergänzung der jeweiligen Basisliteratur im Studienfach dienen. Einen niederländischen Ableger gibt es offenbar auch schon.

Allgemein scheint mir der Trend momentan in Richtung frei über das Internet verfügbarer werbefinanzierter Inhalte zu gehen. Selbst Kinofilme auf Youtube scheinen inzwischen möglich.

Das Internet ist geprägt durch Netzwerkökonomien. Eine Netzwerkökonomie zeichnet sich dadurch aus, dass sie um so profitabler wird, je mehr Mitglieder sie besitzt.

Beispiel eBay: Zunächst ist es für jeden Teilnehmer der Netzwerkökonomie positiv, das Netzwerk zu erweitern. Je mehr Bieter vorhanden sind, desto attraktiver für denjenigen, der etwas verkaufen will und je mehr Anbieter vorhanden sind, desto besser für die Bieter. Die Auswahl an Angeboten wächst, je größer das Netzwerk, desto realistischere und fairere Marktpreise werden erzielt.

Niemand würde eine andere Plattform als eBay wählen, um ein Produkt zu versteigern, weil er weiß, dass er dort die meisten potentiellen Interessenten findet. Und niemand würde als Bieter auf einer anderen Plattform als eBay ein Produkt suchen, weil er weiß, dass er hier das größte Angebot findet. Das alles ist zunächst sehr positiv, man nähert sich insbesondere durch die große Transparenz auf beiden Seiten dem modelltheoretischen homo oecomicus, der frei in einem fast perfektem Markt agiert.

Das Problem: Während der Markt innerhalb des Netzwerks schon beinahe zur modelltheoretischen Perfektion neigt, funktioniert er auf Meta-Ebene - also zwischen verschiedenen Netzwerken - langfristig gar nicht. Sowohl Bieter als auch Anbieter werden abhänig von eBay. Das Unternehmen besitzt ein Quasi-Monopol im Bereich der Internet-Auktionen. Da die Attraktivität einer Online-Handelsplattform für Bieter mit der Zahl der Anbieter und für Anbieter mit der Zahl der Bieter wächst, ist eBays enormer Vorsprung vor allen anderen Auktionsbörsen nicht mehr aufzuholen. Es fehlt also an einem Markt der Online-Auktionsplattformen und dieser wird auch niemals entstehen.

Dadurch ist es für eBay nicht nur möglich, langfristig die Gebühren weiter zu erhöhen und damit übertriebene Margen für eine eigentlich sehr einfach zu erbringende Dienstleistung zu verlangen, weil es an Konkurrenz fehlt. eBay hat auch die Möglichkeit, sein Monopol im Bereich der Online-Auktionen auf andere Bereiche auszudehnen. Genau das passiert gerade in den USA. Dort will eBay nämlich Überweisungen zur Bezahlung von Artikeln verbieten. Stattdessen werden die eBay-Nutzer dazu gezwungen, den eigenen Online-Bezahldienst PayPal zu nutzen. Besonders pikant: Googles und Amazons PayPal-Alternativen werden nicht erlaubt.

Andere elektronische Bezahlsysteme wie Checkout by Amazon oder Google Checkout will eBay nicht zulassen, schließlich handele es sich bei den dahinter stehenden Unternehmen ja um direkte Konkurrenten.

Etwas ähnliches erleben wir gerade bei Apples iPhone. Apple nutzt die Marktmacht im Bereich des beliebten Smartphones, um mit dem Appstore die einzige legale Plattform für iPhone-Applikationen zu schaffen. Doch nicht nur das: Apple nutzt dieses Monopol sogar dazu, Programme, die zu eigenen Anwendungen in Konkurrenz stehen, einfach nicht zuzulassen.

Besonders ausgeprägt sind Netzwerkökonomien im Bereich sozialer Netzwerke wie Facebook, Xing oder StudiVZ. Ihr wichtigstes Kapital sind die Nutzer. Je mehr Nutzer sich auf der Plattform tummeln, desto attraktiver wird das Netzwerk auch für neue Nutzer. Es beginnt ein unumkehrbarer Konzentrationsprozess. Für Geschäftskontakte gibt es in Deutschland beispielsweise keine reale Alternative zu Xing - und das nutzt das Unternehmen weidlich aus. Wer sonst könnte beispielsweise ernsthaft Geld dafür verlangen, dass man anderen Nutzern Nachrichten schreiben darf, die über 128 Zeichen hinaus gehen?

Eines scheint klar: Mit dem Internet sind neue Formen von Netzwerkökonomien entstanden, die neue kartellrechtliche Regeln erfodern, da diese Netzwerkökonomien zu schnelleren und festeren Quasi-Monopolbildungen neigen als je zuvor in der Old Economy.

Wie diese Regeln aussehen sollten, ist aber schwer zu sagen. Ich glaube, dass gewisse Dienstleistungen im Netz, wie soziale Netzwerke und Handelsplattformen, am besten und effizientesten tatsächlich staatlich bereitgestellt werden müssten. Ein radikaler Gedanke, zumal ich sonst kein Fan von Verstaatlichungen bin. Aber in diesem Fall sehe ich langfristig keine wirkliche Alternative, da bei Netzwerkökonomien einfach keine funktionierenden Märkte entstehen.

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