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Die Gesetze der Quantenmechanik beherrschen nicht nur den Mikrokosmos, sondern liegen in größerem Maßstab auch der Natur zu Grunde. Vielleicht machen sich sogar Pflanzen bei der Fotosynthese oder Zugvögel bei der Orientierung typische Quanteneffekte zu Nutze. 

Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Dem Artikel zufolge orientieren sich Rotkehlchen vermutlich durch quantenmechanische Effekte im Auge an den Magnetlinien der der Erde. Nach Berechnungen des Autors Vlatko Vedral, Physik-Professor in Oxford, bleiben die Quanteneffekte in den Augen von Rotkehlchen rund 100 Mikrosekunden bestehen. Der Rekord für künstlich verschränkte Elektrospins liegt bei rund 50 Mikrosekunden.

Zu verstehen, wie natürliche Systeme Quanteneffekte so lange aufrechterhalten, könnte bei der Konstruktion von Quantencomputern helfen. Es gilt dort die Dekoheränz - also das Wechseln in klassisches Verhalten durch Wechselwirkung ("Kollaps der Wellenfunktion") - zu verhindern.

Neben den Rotkehlchen werden noch viele Experimente genannt, in denen es gelang, bei größeren Mengen von Atomen, die sich unter normalen Umständen klassische verhalten, quantenmechanische Verschränkungs-Effekte zu beobachten (siehe auch die Linksammlung bei Scientific Amercian; der jüngste Rekord stammt aus diesem Jahr).

Vedral schließt aus der Tatsache, dass sich immer mehr verschränkte Systeme (also Systeme mit quantenmechanischen Eigenschaften) auch in der "Makrowelt" beobachten lassen, dass eine große vereinheitlichte Theorie (GUT) viel näher an der Quantenmechanik als an der Allgemeinen Relativitätstheorie sein müsste - und damit weit weg von unserer Alltagserfahrung. So spielten Zeit und Raum in der Quantenmechanik beispielsweise keine besondere Rolle.

Vedral glaubt nicht an eine feste Trennlinie zwischen quantenmechanischer und klassischer Welt (Mikrokosmos/Makrokosmos). Er schreibt deshalb:

"Wir müssen Raum und Zeit als etwas erklären, das irgendwie aus raum- und zeitloser Physik hervorgeht. [...] Stephen Hawking von der University of Cambridge und viele andere Physiker glauben, dass die Relativitätstheorie einer fundamentaleren Theorie weichen muss, in der es weder Raum noch Zeit gibt. Die klassische Raumzeit geht demnach durch den Vorgang der Dekoheränz aus quantenmechanischen Verschränkungen hervor." 

Ein weiterer Ansatz: Die Gravitation ist gar keine eigenständige Kraft, sondern entsteht durch Quantenfluktuationen der übrigen Naturkräfte.


Quelle: Strizz auf FAZ.Net

Ein kleiner Nachtrag zu Sloterdijk

Was ist eigentlich produktiv? In seinem jüngsten von mir bereits mit einer Polemik bedachten Aufsatz des Pop-Philosophen Peter Sloterdijk unterlässt dieser eine Begriffsklärung natürlich genauso, wie er eine saubere Argumentation vermissen lässt.

Ich nehme aber an, Sloterdijk hängt einer ähnlichen Defintion des Begriffs an, wie ein VWL-Prof von mir, mit dem ich im Dauer-Clinch lag. "Ökonomisch gesehen", betonte er immer - womit er natürlich seine vulgär-liberale Perspektive meinte - "gibt es keine perversen Präferenzen".

So gesehen gehört Sloterdijk natürlich zu den Hochproduktiven. Denn Veranstaltern ist es regelmäßig 5-stellige Beträge wert, dass Sloterdijk seine anti-intellektuellen verbalen Ausdünstungen unters Volk bringen kann. 

Da zählt aus (neo)klassischer Sicht auch nicht, dass jeder Durschnittsbegabte mit einem Restanspruch an Anstand und Moral erkennt, dass das Ergebnis ein mit Unsinn zugedröhntes Publikum ist, das um seine Früchte Arbeit gebracht wurde. So wie aus (neo)klassischer Sicht auch eine völlig sinnlose Energiescheibe 1000 Euro wert ist, so lange jemand das bezahlt. Für mich ist Sloterdijk die Energiescheibe für Intellektuelle - oder die, die sich dafür halten.

Aus dieser Sicht entsteht ja auch bei der Inanspruchnahme einer legalen Prostituierten (produktiv!) volkswirtschaftlicher Nutzen, während eine sich nicht dem Korsett des Warenfetischs unterwerfende freiwillige Liebesbeziehung (unproduktiv!) volkswirtschaftlich keinen Wert hat. Sen, Stiglitz - bitte übernehmen Sie!

Offener Brief Polemik an einen Pop-Philosophen

um Sie ist es etwas still geworden. Seit Ihren Aufsehen erregenden "Regeln für den Menschenpark" mag sich niemand so recht für Sie interessieren, dessen intellektuelle Autorität sich vor allem aus drei Quellen speist: Ihre wilde Frisur, ihre behäbige Art zu reden und Ihre pseudoelitäre, durch und durch verkomplizierende Sprache, hinter der Sie für gewöhnlich die mangelnde Substanz Ihrer Gedanken zu verstecken versuchen.

Für Ihr mediales Comeback versuchen Sie sich natürlich erneut mit einem Thema ins Gespräch zu bringen, das gerade im Trend liegt. Ganz klar, ein Buch über die Krise muss her. Ihr Werk "Du mußt dein Leben ändern" habe ich nicht gelesen. Wohl aber das, womit sie dieses Buch nun offenbar bewerben wollen, Ihren jüngsten Beitrag in der FAZ: "Die Revolution der gebenden Hand".

Als ich die Ankündigung auf FAZ.Net las, schwante mir schon Böses: Eine "Abrechnung mit der Kapitalismuskritik" wurde dort versprochen und Ihr Artikel in einem Atemzug mit Arnulf Barings Pamphlet "Bürger auf die Barrikaden" genannt. Haben Sie das wirklich verdient? Nach der Lektüre des Textes muss ich aber leider feststellen: haben Sie!

Zunächst einmal: Warum suchen Sie sich für ein Comeback ausgerechnet das Thema Wirtschaft und Ökonomie aus, von der Sie offenbar noch weniger wissen als von Gentechnologie? Ich ahne es schon: Als trendiger Pop-Philosoph hat man natürlich das Problem, dass man sich die derzeit brennenden Themen, zu denen man etwas sagen muss, nicht aussuchen kann.

Kommen wir also zum Inhaltlichen. Mit den ersten Hälfte des Artikels muss man sich eigentlich nicht großartig auseinandersetzen. Schließlich beschreiben Sie dort zunächst nur in aller Ausführlichkeit das, was Sie eigentlich kritisierten wollen: Den linken Eigentumsbegriff und seine Historie. Für geschichtlich wenig gebildete Leser sicher nicht uninteressant.

Auf der ersten Seite der FAZ wurde Ihr Artikel so angepriesen: "Peter Sloterdijk zeigt, wo die Linken irren, und fordert eine Neuordnung des Steuerstaats". Die Neuordnung des Steuerstaats, soviel schon einmal vorneweg, sollten Sie lieber Leuten überlassen, die zumindest über rudimentäre Kenntnisse in den Bereichen Ökonomie und Verfassungsrecht verfügen. Aber eine Kritik linker Ökonomievorstellungen – was gäbe dieses Thema nicht alles her! Von der Verkürzung des Gerechtigkeitsbegriffs auf Verteilungsfragen, über die Frage inwiefern sich gesellschaftliche Freiheit von der wirtschaftlichen abkoppen kann, bishin zum völligen Ausblenden des Wertschöpfungsaspekts in einer Wirtschaftsordnung, dem viele Linke fröhnen.

Sie hingegen wollen sich offenbar auf den linken Eigentumsbegriff konzentrieren, schließlich haben Sie gut die Hälfte ihrer großzügig bemessenen Zeilen auf die Beschreibung desselbigen verwendet, um dann Folgendes zu schreiben: "Es würde sich an dieser Stelle nicht lohnen, die Irrtümer und Missverständnisse aufzuzählen, die der abenteuerlichen Fehlkonstruktion des Prinzips Eigentum auf der von Rousseau über Marx bis zu Lenin führenden Linie innewohnen". Aha. Es lohnt sich also über die Hälfte des Artikels dafür zu verwenden, den linken Eigentumsbegriff in all seinen Details samt historischer Herleitung zu beschreiben - aber die Kritik daran lohnt sich dann irgendwie doch nicht.

Also halten Sie sich gar nicht großartig mit der Dekonstruktion dessen auf, was sie eigentlich kritisierten wollen, sondern liefern gleich Ihre eigene Vision des Kapitalismus, die so eigen dann ja doch wieder nicht ist, wie Sie mit den zahlreichen Verweisen auf die liberale Geistesgeschichte ja selbst einräumen. Wahrscheinlich, um dafür Glaubwürdigkeit zu gewinnen, wollen Sie offenbar zeigen, dass Sie irgendwas von Wirtschaft verstanden haben. Vielleicht haben Sie sogar ein ganz gutes Buch zum  Thema gelesen. Auf jeden Fall scheint bei Ihnen irgendwie hängen geblieben zu sein, dass unser kapitalistisches System auch etwas mit Zins, Verschuldung und Eigentum zu tun hat. Nur was es genau damit auf sich hat, das scheinen Sie nicht verstanden zu haben.

Der marxistisch konstruierte Gegensatz von Kapital und Arbeit, den sie in ihrer gewohnt schwurbeligen Art als "basale Antagonie zwischen Kapital und Arbeit" bezeichnen, ist sicher – selbst aus marxistischer Perspektive – nicht mehr zeitgemäß. In Zeiten von Finanzinvestoren und Leverage-Buy-Outs ist er vielmehr einem komplizierten Beziehungsgepflecht zwischen verschiedenartigen Eigentümern, Gläubigern, Managern und Arbeitnehmern gewichen.

Die über 160-jährige Debatte über die Beziehungsstruktur zwischen Kapital und Arbeit aber mit der flapsigen Bemerkung "Der Movens der modernen Wirtschaftsweise ist nämlich keineswegs im Gegenspiel von Kapital und Arbeit zu suchen. Vielmehr verbirgt sich es sich in der antagonistischen Liaison von Gläubigern und Schuldnern" beiseite zu wischen, das muss wohl der Anti-Intellektualismus sein, vor dem ZEIT-Autor Adam Soboczynski so eindringlich warnt. Nur findet er nicht nur im Internet seinen Platz, sondern auch im Feuilleton der FAZ. Es wäre schlicht ein Stilbruch in Ihrem Artikel, wenn Sie Ihre gewagte These durch irgendwelche Fakten oder auch nur Theorien untermauern würden. Wahrscheinlich verzichten Sie deshalb konsequenterweise darauf.

Das nun Folgende noch zu kommentieren, dazu fehlt mir fast die Kraft. Die gesammelten Wahlkampfreden Guido Westerwelles in ihrer verschwurbelten Sprache zu lesen, das hat entgegen meiner Erwartung grauenhafterweise nichtmal mehr Unterhaltungswert.

Der Staat ist ein Ungeheuer, der die Produktiven auf Kosten der Unproduktiven beraubt und sich dabei der progressiven Einkommensteuer bedient. Gähn. Wenn ich politischen Libertarismus pseudophilosophisch gerechtfertigt lesen will, dann greife ich zu den Werken Ayn Rands, die hat das vor über sechzig Jahren schon besser hinbekommen. Sie unternehmen ja nicht mal mehr den Versuch einer philosophischen oder ökonomischen Rechtfertigung Ihres Anti-Steuer-Pamphlets.

Der staatliche Umverteilungsmechanismus ist übrigens durchaus so gewollt, selbst von arbeitgerbernahen Wirtschaftsinstituten. Das Fehlen von Umverteilung würde uns nämlich nicht nur in ein soziales und moralisches, sondern auch in ein ökonomisches Dilemma bringen.

Ihr Lösungsvorschlag: Zwangssteuern abschaffen und die Reichen tragen aus Eigeninteresse ihren Teil zur Finanzierung des Allgemeinwesens bei, sozusagen als Almosen im Sinne des sozialen Friedens. Na das ist ja mal originell. Wie gut für Sie, dass philosophische Gedanken meist nicht danach bewertet werden, ob sie auch funktionieren. So muss sich auch niemand mit den Irrtümern des Herrn Sloterdijk befassen - zum Glück.

Freundlich grüßt,

der Döner

PS: Ich habe mir eben nochmals Arnulf Barings "Bürger auf die Barrikaden" durchgelesen. Der Vergleich war (auch von der FAZ) unfair. Ganz so tief sind Sie noch nicht gesunken.

Mehr zum Thema: Sloterdijk - die Energiescheibe für Intellektuelle

In vielerlei Hinsicht ist die Zeit zum Ende des Mittelalters hin mit der Zeit der Umbrüche zu Mitte des 21. Jahrhunderts vergleichbar. Ebenso wie die beginnende Entwicklung der Hochtechnologie im 20. Jahrhundert zu einer strukturellen Krise der kapitalistischen Volkswirtschaften führte, die sich bereits Ende des 20. Jahrhunderts abzeichnete, führte auch das hohe Einkommensniveau bürgerlicher Schichten in den größeren Städten zu einer Krise des verarmenden Adels und damit zu einer Strukturkrise des Feudalismus. Im Falle des Feudalismus war Macht und Herrschaft an Geburtrecht geknüpft, was aber durch die wachsende Bedeutung des Geldes und der damit verknüpften Entwicklung einer monetären Ökonomie unterlaufen wurde: Nicht mehr Geburt und Ansehen waren relevant für die gesellschaftliche Stellung, sondern die durch eigene wirtschaftliche Leistung erworbenen monetären Mittel. Durch Renditen-Systeme wie Kapitaleignerschaft und Zinseinkünfte wurde die Beziehung zwischen gesellschaftlichem Ansehen und der ökonomischen Stellung allerdings teilweise wieder entkoppelt, da sie das bürgerliche Ideal der Leistungsgesellschaft kontakarierten. Zahlreiche Produkte der Kulturindusrie aus jener Zeit zeugen davon, dass Einkommen und gesellschaftliches Ansehen nicht immer zusammenfielen. Die Beziehungstruktur zwischen Macht und ökonomischen Status aber erhielt sich, auch wenn sich viele damalige westliche Staaten (Nordamerika und Europa) Demokratien nannten.

Die dann einsetzende Krise des monetären ökonomischen Systems war vor allem dem technologischen Fortschritt geschuldet. Dass damalige Ökonomen, Politiker und alle gesellschaftlich relevanten Kräfte den Rückgang des zu verrichtenden Arbeitsaufkommens als Problem ansahen, ist aus heutiger Sicht schwer zu begreifen, wird aber nachvollziehbarer, wenn man sich die Beziehungstruktur zwischen dem damals sehr relevanten monetären ökonomischen Status und der Arbeit vergegenwärtigt: Einkommen war an Arbeit gekoppelt, was bedeutete, dass die dem Kapitalismus geschuldete immer weiter fortschreitenden Rationalisierung durch Innovation zwar einerseits das Gesamtvermögen jeder Volkswirtschaft kontinuerlich vermehrte (so gut wie alle westlichen Volkswirtschaften konnten von 1945 an bis weit ins 21. Jahrhundert hinnein jedes Jahr ein Wirtschaftswachstum verzeichnen), anderseits aber durch das immer weiter verringerte Arbeitsvorkommen breite Schichten der Bevölkerung verarmten, nämlich all jene, deren Arbeitskraft nicht mehr benötigt wurde. Diesen Verarmungsprozess beschleunigte zudem, dass zwischen den westlichen Industrienationen und den aufstrebenden Ländern der damaligen sog. "Dritten Welt" (vor allem China und Indien), in denen das kapitalistische Produktionssystem sich Ende des 20. Jahrhunderts ebenfalls durchsetzte, ein Kampf um die wenige noch benötigte Arbeit entbrannte, der zur Senkung von Löhnen, Umwelt- und Sozialstandards in allen damaligen Volkswirtschaften führte. Dies wiederum führte im weiteren Verlauf dann auch zu einem Einbrechen der Nachfrage in den westlichen Industriestaaten und verschärfte die ökonomische Krise zusätzlich, was dann letztlich zum Zusammenbruch der monetären Ökonomie und zur Etablierung der Ökonomie der sog. "Aufmerksamkeitskultur" mit staatlicher Basissicherung und kapitalistischen Strukturelementen führte.

Aufgaben:

1.) Was waren die wesentlichen Gründe für das Zusammenbrechen des kapitalistischen Wirtschaftssystems?
2.) Welche Parallelen kannst du zur Umbruchphase am Ende des Mittelalters entdecken? Welche Unterschiede gibt es?
3.) Musste es zum Zusammenbruch kommen? Hätte es Alternativen zur Reformierung des kapitalistischen System gegeben?
4.) Warum fanden Menschen wie der Unternehmer Götz Werner (siehe Quelle M1) oder der Ökonom Jeremy Rifkin (siehe Quelle M2), die bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts warnten, bei den politischen Entscheidungsträgern so wenig Gehör? Warum konnten auch demokratische Wahlen die Krise nicht verhindern?

Der Beitrag ist ein Repost aus meinem alten Blog. Er wurde am 4. Oktober 2005 erstveröffentlicht.

 

In diesem Video der TED-Talk-Konferenz erklärt Jill Tarter, die Direktorin des SETI-Forschungszentrums in den USA, warum sich die Suche nach intelligentem außerirdischem Leben aus ihrer Sicht lohnt. Beindruckend ist für viele sicher der Perspekivenwechsel am Anfang.

Ich fand auch ganz interessant, was der Raumfahrer Ulf Merbold mal auf die Frage antwortete, ob das ganze Geld in die Raumfahrt nicht Geldverschwendung sei - und ob man das Geld nicht lieber in andere Dinge stecken sollte.

Er sagte sinngemäß so etwas wie: Wenn die Menschen in 1000 oder in 2000 Jahren auf unsere Zeit zurückblicken werden, dann werden sie nicht vom Welthunger sprechen, von der Arbeitslosigkeit, der Armut, Bürgerkriegen oder irgendwelchen Wirtschaftskrisen.

Sie werden sagen: Damals, im 20. Jahrhundert, wagte der Mensch zum allerersten Mal in seiner Geschichte einen ersten vorsichtigen Schritt, seinen Heimatplaneten zu verlassen. Damals hat das alles angefangen.

Das hat mich damals (ich war noch ein Kind) sehr beeindruckt, weil ich eigentlich auch immer der Meinung war, dass Raumfahrt Geldverschwendung sei.

Ich glaube auch, dass Raumfahrt einen ganz praktischen Sinn hier und jetzt auf Erden haben kann: Wer beispielsweise, der einmal die Erde bewusst aus dem All gesehen hat, der sich einmal wirklich vergegenwärtigt hat, dass wir Menschen in einem Spiralausläufer einer kleinen Galaxie unter Milliarden anderer Galaxien leben, kann noch ernsthaft einer so bescheuerten Idee wie Nationalismus anhängen? Oder seine ideologische Überzeugung für die Weisheit letzter Schluss halten?

Für einen regelmäßigen Perspektivenwechsel auch immer wieder schön: Space Night im Bayerischen Fernsehen.

(Via Memesis)

Kollektives Glück

Der Mensch strebt nach Glück. Diese Weisheit ist mindestens so alt wie die Philosophie. Doch gibt es höhere Werte als das Glück? Nein, ruft der Utilitarist.

Glücksökonomie hat Hochkonjunktur und ihre (in ihrer Validität sicher umstrittenen) Ergebnisse sind für viele schockierend: Dass Geld nicht dauerhaft glücklich macht, dürften viele schon geahnt haben - doch, dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau uns aller Wahrscheinlichkeit nach unglücklicher haben, das ist schon weniger leicht zu verdauen.

Da fragt man sich: Wieviel Unglück wollen wir uns gesellschaftlich leisten? Gibt es höhere Werte als Glück, ist weniger Glück ein Preis für Gleichberechtigung? Und vielleicht auch Freiheit? In unserer Multioptionsgesellschaft scheinen viele Menschen überfordert, immer mehr potentielle Möglichkeiten stehen extrem wenigen realisierten Möglichkeiten gegenüber. Trotz wachsendem Wohlstand, Gesundheit, Bildung - die Menschen werden einfach nicht glücklicher.

Ist unser Leben zu kompliziert geworden? Gibt es in einer global gewordenen Gesellschaft zu viele Vergleichsmöglichkeiten nach oben? Verschwenden wir unser wertvolles Leben in einem Rat Race um die besten Möglichkeiten, während wir eigentlich unsere Zeit mit Familie und Freunden genießen sollten?

Und was ist eigentlich mit Wissen? Macht uns Wissen glücklicher - oder eher im Gegenteil? "Unwissenheit ist ein Segen", heißt es im Film Matrix und mal ehrlich: Wären wir nicht glücklicher, wenn wir uns immer noch für Gottes Geschöpfe in der Mitte des Universums halten würden, denen ein ewiges Leben im Paradies bevorsteht, statt für vom Affen abstammende biologische Maschinen, denen Hirnforscher nicht einmal mehr einen freien Willen zusprechen und die in einem Spiralausläufer einer wenig bedeutenden Galaxie ein lächerlich kurzes Leben führen?

Und wenn ja, was ist die richtige Konsequenz von all dem? Ein Spiztensteuersatz von 100 Prozent, wie ihn Richard Layard fordert? Eine Planwirtschaft, gar eine Glücks-Diktatur? Von der Elite vorgelebte falsche Mythen wie Religion und Nation, um der die Bevölkerung glücklicher leben zu lassen? Interessant dazu sind die Theorien des häufig als konservativ klassifizierten Staatsphilosophen Leo Strauss:

Individuelles Glück

Wiseman hat vor vier Jahren eine Studie veröffentlicht, die unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Darin forderte Wiseman in Inseraten Menschen auf, sich bei ihm zu melden, nicht irgendwelche Menschen, sondern nur die, die sich selbst als a) besonders glücklich oder b) besonders unglücklich bezeichnen würden.

Heimtückischerweise platzierte Wiseman in derselben Ausgabe auch noch einen weiteren Aufruf ungefähr folgenden Inhalts: „Hallo liebe Teilnehmer an der Glücks- und Unglücksstudie - wenn Sie dieses Inserat lesen und sich beim Studienleiter, also bei mir, Richard Wiseman, melden, dann haben Sie die Chance auf den Gewinn von 400 Pfund." Und natürlich kam es so: Ein Haufen Unglücklicher meldete sich bei Wiseman. Eine Anzahl Glücklicher auch. Im Haufen der Unglücklichen hatte niemand bemerkt, dass auch noch ein zweites Inserat in der Zeitung war, eben jenes mit dem 400-Pfund-Gewinn. Die glücklichen Studienteilnehmer hatten das hingegen fast alle bemerkt. Glück macht Glück, so wie Geld Geld macht.

Quelle: brandeins.de

So platt es klingt: Aber individuelles Glück ist vor allem Einstellungssache. Die Konsequenz daraus könnte man mit "Think positive" auf den Punkt bringen - aber da der Begriff schon zu abgenudelt klingt, formuliere ich es anders: "Mach die Augen auf!".

Ich werde heute wieder über etwas schreiben, von dem ich eigentlich überhaupt keine Ahnung habe: Evolutionsbiologie. Es ist eigentlich ein sehr einfacher Gedanke, eine These.

Wenn man sich die Lebewesen dieser Welt ansieht, weisen diese übereinstimmend alle folgende drei Eigenschaften auf: Überlebenswille, Überlebensfähighkeit und Fortplanzungstrieb. Jedes Lebenwesen, das eine dieser drei Eigenschaften nicht besitzt, ist zwangsläufig ausgestorben. Menschen und viele andere hochentwickellte Säugetiere besitzen aber noch eine weitere grundlegende Eigenschaft, die ihr Verhalten wesentlich bestimmt: Sozialverhalten und Moral.

Woher kommt das schlechte Gewissen und der intrinsische Zwang, moralisch zu handeln, wie lässt es sich evolutionsbiologisch herleiten? Einzelrational betrachtet hat moralischen Verhalten nur dann einen Sinn, wenn es reziprok erwidert wird. Das Prinzip "Wie du mir, so ich dir" macht moralisches Verhalten egoistisch-rational sinnvoll im Sinne eines Überlebensvorteils.

Warum aber handeln Menschen selbst dann moralisch, wenn sie keine reziproke Erwiderung ihres Verhaltens erwarten können - beispielsweise in anonymen Verteilungsexperimenten?

Hier kommt meiner Meinung nach die Gruppenrationalität ins Spiel: Verbände von moralisch orientierten Tieren und Menschen, hatten gegenüber amoralisch handelnden Gruppen einen Überlebensvorteil. Sie kooperierten, statt sich gegenseitig auszustechen und waren dadurch im Verband stärker, als Verbände, die zu amoralischen Verhalten neigten. Dadurch haben Verbände von moralisch orientierten Individuen eher überlebt.

Dass Moral bei Menschen immer noch intuitiv verankert ist und nicht rational begründet wird, zeigen übrigens philosophische Experimente:

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie stehen neben einem Bahngleis an einer Weiche. Außer Kontrolle geraten, rast ein Waggon heran. Auf der links abzweigenden Spur macht sich eine Gruppe von fünf Eisenbahnarbeitern zu schaffen, rechts ein einziger.

Unternehmen sie nichts, schwenkt der Waggon links ab und tötet die fünf Männer. Indem sie den Weichenhebel umlegen, können sie die Fünf retten und nur einen opfern. Die meisten Menschen antworten, sie würden den Waggon umleiten.

In einem anderen Szenario können sie einen schweren Mann von einer Brücke auf die Gleise stoßen, um den Waggon aufzuhalten. Diesmal geben fast alle an, das sei unvertretbar, obwohl das Ergebnis doch in beiden Fällen das gleiche wäre.

Prof. Marc Hauser im Interview mit der SZ

Die überwiegende Neigung, beide Situationen moralisch unterschiedlich zu bewerten, folgt weder der Philosophie des Utilitarismus, die nur die Konsequenzen und den damit verbundenen Nutzen und Schaden bewertet, noch der Moralphilosophie der Deontologie, die nur die Handlung und ihre Absicht bewertet.

In beiden Fällen kommt durch die eigene Handlung ein Mensch zu Tode, der sonst überleben würde, weshalb dies aus deontologischer Sicht abzulehnen wäre. In beiden fällen wird aber auch ein Leben geopfert, um fünf andere zu retten, weshalb ein Utilitarist in beiden Fällen ein aktives Eingreifen befürworten würde. Mit anderen Worten: Moralisches Verhalten ist nicht rational, sondern intuitiv - und ist evolutionär genetisch verankert.

Ein weiteres Beispiel:

Einen blutenden Menschen am Straßenrand liegen zu lassen statt ins Krankenhaus zu bringen, halten die meisten Menschen für verwerflich. Egal, ob der Verletzte die Ledersitze des Autos ruinieren könnte. Dagegen finden viele es in Ordnung, wenn man eine gewisse Geldsumme (sagen wir, im Wert eines Ledersitzes) nicht für eine medizinische Wohlfahrtsorganisation in Afrika spendet, sondern sich stattdessen etwas Luxuriöses davon kauft (zum Beispiel Ledersitze). Warum ist das so?

Quelle: Tagespiegel.de

In diesem Beispiel zeigt sich: Sobald die Entscheidung abstrakt-rationales Denken erfordert und nicht mehr intuitiv erfassbar ist - etwas, das in Gruppen kleiner Sozialverbände nicht vorkam - handeln die meisten Menschen nicht mehr moralisch.

Gestern Abend stand ich auf dem Rheinturm und blickt auf Düsseldorf. Ich sah diese Stadt, wie sie lebte und pulsierte, wie sich alles bewegte. Jeder einzelne da unten, dachte ich mir, denkt nur stumpf daran, wo er als nächtes hin muss, was er als nächstes einkauft oder war zur Hölle sein Vordermann so lahmarschig fährt.

Und doch wirkte das ganze mehr, als die Summe seiner Teile. Ein System, ein Organismus, der lebt und sich selbst reguliert, auch wenn jedes einzelne Individuum in erster Linie die eigenen Bedürfnisse im Sinn hat.

Angesichts der Finanzkrise fast untergagengen, ist in den vergangenen Tagen diese Meldung: Der Klimawandel, so ein neuer Bericht der Klimaforscher, schreitet sehr viel schneller voran als bisher geglaubt.

Vielleicht ist der Kollaps unserer ölgetriebenen Ökonomie, der sich am Horizont abzeichnet, nichts weiter als die Reaktion eines Organismus, eines großen Systems, das sich selbst reguliert, um eine noch viel größere Katastrophe zu verhindern.

Dazu passt, dass auch Ökonomien immer mal wieder einen eine Umwälzung wie Krieg oder Hyperinflation benötigen, um die Einkommensverteilung nicht zu stark auseinanderdriften zu lassen:

Viel wichtiger ist etwas, was Ökonomen noch nicht untersucht haben: Die wunderbare Tatsache, dass wir seit über 60 Jahren im Frieden leben. Seit 60 Jahren wird Kapital akkumuliert, ohne Vernichtung durch Krieg oder Inflation und ohne Umverteilung durch Revolution und Enteignungen, was früher in Abständen von wenigen Jahrzehnten die Regel war.

Quelle: Handelsblatt.com

Leben wir längst im "Second Life"?

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer künstlich simulierten Welt leben und selbst nur Bits & Bytes sind, ist vielleicht höher, als dass wir in einer realen, nichtvirtuellen Gegenwart leben, rechnet der britische Philosoph Nick Bostrom vor. Dazu reichen zwei einfache und nicht unbedingt unwahrscheinliche Annahmen: Die Rechenleistung von Computern wird auch in Zukunft noch enorm ansteigen und die Menschheit wird dies auch nutzen.

Die Idee, dass die Welt nichts weiter als ein sehr komplizierte Computersimulation ist, ist nicht gerade neu. Neu ist hingegen eine einfache Rechnung, nach der das hochwahrscheinlich ist, wie die New York Times vor ein paar Tagen berichtete. Darin wird der britische Philosoph Nick Bostrom zitiert, der von einer einfachen und gar nicht unwahrscheinlichen Annahme ausgehend, ein Gedankenexperiment wagt: Irgendwann wird die Menschheit in der Lage sein, hochkomplexe Computerwelten inklusive denkender und handelnder Personen zu simulieren. Was läge da näher, als virtuelle Zeitreisen anzubieten und die Vergangenheit der Menschheit zu simulieren, sei es zur Unterhaltung oder aus Forschungsgründen? Von diesen Vergangenheits-Simulationen könnte es in ferner Zukunft nahezu unendlich viele geben. Geht man also davon aus, dass die Menschheit irgendwann tatsächlich dazu in der Lage ist und diese Möglichkeit auch umsetzt, ist die mathematische Wahrscheinlichkeit, dass wir in der wirklichen, nichtvirtuellen Gegenwart leben, ziemlich gering. Dabei ist es völlig irrelevant, wie lange es dauert, bis so ein Computer technisch möglich ist. So lange die Menschheit nur lange genug überlebt, könnte dieser Zeitpunkt auch erst in Millionen von Jahren sein:

Some computer experts have projected, based on trends in processing power, that we will have such a computer by the middle of this century, but it doesn’t matter for Dr. Bostrom’s argument whether it takes 50 years or 5 million years. If civilization survived long enough to reach that stage, and if the posthumans were to run lots of simulations for research purposes or entertainment, then the number of virtual ancestors they created would be vastly greater than the number of real ancestors.

Quelle: www.nytimes.com

Auch die Tagesschau hat ein Schlusslicht dazu und Joy of Tech einen Comic, bei dem ich mich weggeschmissen habe vor lachen.

Der New-York-Times-Artikel ist ebenfalls absolut lesenwert. Die Idee wird da nämlich nochmal in alle Richtungen bis ins Absurdeste zu Ende gedacht, ich habe mich köstlich amüsiert.

Als eingefleischter Atheist hat die Vorstellung eines virtuellen Lebens übrigens einen sehr angenehmen Nebeneffekt: Vielleicht haben die Menschen der Zukunft nach unserem virtuellen Ableben ja auch noch einen virtuellen Himmel programmiert?

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