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Der heutige Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, beschrieb in seiner 1986 veröffentlichten Schrift "Risiko als Produktionsfaktor" den produktiven Charakter des Risikos für eine Volkswirtschaft. Als Risiko ist dabei die erwartete Varianz (Breite der wahrscheinlichen Möglichkeiten) eines unternehmerischen Erfolgs definiert. Sinn plädierte damals für die Einführung des Risikos als Produktionsfaktor neben den Klassikern Arbeit, Kapital und Boden.

Sinn leitet in der Schrift eine positive Grenzproduktivität des Risikos ab, das heißt: Mit mehr Risiko könnten Unternehmen im Schnitt mehr erwirtschaften. Wie Ökonomen allgemein, geht er davon aus, dass Menschen risikoavers sind, also Risiken so weit wie möglich vermeiden. Daher geht er davon aus, dass Unternehmen im Schnitt auf Rendite verzichten, um Risiken zu vermeiden. Statt eines Projekts, dessen Ergebnisvarianz im Schnitt hoch liegen würde aber gleichzeitig sehr breit ist, präferieren Unternehmen solche Projekte, deren Durchschnittsergebnis zwar unter dem des risikobehafteten Projekts liegt, aber deren zu erwartene Ergebnisvarianz geringer ist. Leider bleibt Sinn bei rein theoretischen Überlegungen, mit denen er seine Annahme rechtfertigt und liefert keine empirische Belege für seine These.

Wenn es aber stimmen sollte, dass Risiken im Schnitt eine positive Grenzproduktivtät aufweisen und dass auch Sparer im Schnitt risikoavers sind, wären Finanzmärkte aus meiner Sicht - zumindest in einer Hinsicht - für eine Volkswirtschaft produktiv. Das lässt sich aus der empirisch gut belegten Portfoliotheorie des US-Ökonomen Harry Max Markowitz ableiten. Markwowitz weist nach, dass Anleger durch Diversizifierung ihres Aktienportfolios ihre Rendite maximieren können, ohne das Risiko zu steigern. Dazu müssen Anleger ihr Investment nur auf solche Aktien aufspalten, deren Renditeerwartung negativ korrelieren.

Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Anleger, der in einen Regenschirmhersteller investiert, sollte gleichzeitig auch Aktien eines Sonnencremehersteller kaufen. Beide Investments sind riskant, weil wetterabhängig - doch wenn der eine profitiert, verliert der andere. So kann die Gesamtergebnisvarianz der Rendite (das Risiko) minimiert werden, während das Risiko der beiden Einzelinvestments gleich bleibt. Finanzmärkte ermöglichen also eine Risikodiversifikation, wodurch mehr Geld in riskantere Anlagen investiert wird, was insgesamt - zumindest Sinns Theorie nach - die Produktivität der Volkswirtschaft (also Aggregate supply) steigert.

Empirische Daten lassen an Sinns These allerdings zweifeln: Sie zeigen, dass Unternehmer im Schnitt deutlich risikoaffiner sind als andere Menschen. Das zeigt sich auch daran, dass Selbstständige für das höhere Risiko, das sie im Vergleich zu Festangestellten eingehen, im Schnitt nicht durch ein höheres Einkommen entschädigt werden. Entweder sind Unternehmer also nicht risikoavers - oder es gibt andere Gründe wie beispielsweise Autonomie, die das höhere Risiko ausgleichen. Oder die Selbstständigen schätzen ihren künftigen Erfolg zu hoch ein. Wäre der Mensch ein homo oeconomicus, gäbe es allerdings keine Unternehmer.

Finanzmärkte scheinen Sinn auf der anderen Seite recht zu geben: Risikoinvestments werden im Schnitt durch eine höhere Rendite belohnt.

Auf den Rekordwert von 2 Billionen Dollar hat die US-Notenbank Fed ihre Bilanzsumme in der Krise aufgebläht - durch die großzügige Ausgabe von Krediten an Banken zum Nullzins, den Kauf hypothekenbesicherter Wertpapiere und US-Staatsanleihen. Zum Vergleich: Im Dezember 2007 lag die Bilanzsumme bei 870 Millionen Dollar.

Der Komapatient Wirtschaft wurde so mit einer Menge neuem Blut am Leben gehalten - doch das muss nun rechtzeitig wieder abgepumpt werden, um einer neuen Blase keinen Vorschub zu leisten.

Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, um mit der vielbeschworenen Exit-Strategie zu beginnen, darüber wird unter Notenbankern heftig gestritten. Bundesbankchef Axel Weber, der im inoffiziellen Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ist, drängt zu einem eher frühen Zeitpunkt, Fed-Chef Ben Bernanke bremst. Schneller als erwartet hat er in der vergangenen Woche allerdings schon den Notenbank-Zinssatz für sehr kurzfristige Kredite an die Banken, den sogenannten Diskontsatz, angehoben - Euro, US-Staatsanleihen und Aktienkurse reagierten mit Abschlägen.

Gleich darauf relativierten Marktbeobachter wie die Fed selbst aber das zunächst überinterpretierte Signal. Seit dem 16. Dezember 2008 leiht die Fed den Banken längerfristig Geld quasi zum Nulltarif - und daran wird sich so schnell auch nichts ändern, schließlich steht die Konjunktur und Märkterholung noch auf wackligen Füßen.

Doch wird es der Fed und den anderen Notenbanken überhaupt gelingen, das so großzügig ausgegebene Geld wieder einzufangen? Die FTD hat ihre Zweifel. Denn die Wirtschaftserholung könnte der US-Notenbank einen Strich durch die Rechnung machen. Das von Bernanke dazu angedachte geldpolitisch Instrument ist bislang wenig erprobt:

Die Fed beispielsweise will die gesamte Liquidität mithilfe des Einlagenzinses und Reverse-Repo-Geschäften aufsaugen. Der Grundgedanke: Statt das Geld zu verleihen, parken es die Kreditinstitute lieber hübsch verzinst bei der Notenbank. [...]

Es gibt keine Garantien, dass die Banken nicht die überschüssige Liquidität doch in Form von Krediten an Haushalte und Unternehmen weiterreichen. Angesichts der wirtschaftlichen Erholung und einer vielleicht steiler werdenden Zinskurve könnte es für die Geldhäuser durchaus verlockend sein, Darlehen in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Die Volkswirte von Morgan Stanley schreiben: "Die Gefahr ist, dass die Fed die makroökonomischen Gefahren von Überschussreserven ausblendet."

Quelle: ftd.de

Wie und wann immer es laufen wird, die Phase des Exits wird noch einmal sehr spannend - und ein gewaltiges volkswirtschaftliches Experiment am lebendigen Patienten. Hinterher sind wir jedenfalls schlauer - und sollte es schief gehen - ärmer.

Ganz interessant dazu ist auch die Position um ein Forscherteam von IWF-Chefökonom Olivier Blanchard: Er spricht sich dafür aus, künftig mehr Inflation zu wagen, um den geldpolitischen Spielraum der Notenbanken zu erweitern.

Update vom 24. Februar 2010: Die FTD erklärt, welche Optionen Bernanke bei seinem Exit hat - und warum er es nicht allen recht machen kann: Wie sich Bernanke den Exit vorstellt.

Es gibt viele Möglichkeiten in diesen Artikel einzusteigen. Eine Möglichkeit wäre, John Connally zu zitieren, den ehemaligen US-Finanzminister unter Richard Nixon. Er sagte: "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem" - und damit könnte man den Artikel auch schon fast wieder schließen. Denn er bringt das Kernproblem auf den Punkt: Einerseits ist der  US-Dollar unbestreitbar die Leitwährung der Welt. Andererseits verfolgt die US-Notenbank Fed seit Jahrzehnten eine allein auf nationale Interessen ausgerichtete Geldpolitik.

Man könnte auch mit einem Alan-Greenspan-Zitat in den Text einsteigen. Der Ex-Notenbank-Chef schrieb als junger und wilder Libertärer 1967:

In the absence of the gold standard, there is no way to protect savings from confiscation through inflation. There is no safe store of value.

Oder man könnte Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz eingangs zitieren. Er sagte gegenüber ermergingmarkets.org:

The question is not whether we’re moving on from the dollar reserve system […] The question is are we going to move in a rather chaotic way or will we do it in a more organized way.

Doch der Reihe nach. Das Dilemma begann mit dem Konzept eines anderen berühmten Ökonomen: John Maynard Keynes. Oder besser gesagt: Gerade nicht seinem Konzept. Denn im Vertrag von Bretton Woods wurde zwar vieles umgesetzt, was der britische Ökonom vorgeschlagen hat, an einer entscheidenden Stelle aber folgte man nicht dem Rat Keynes. Die damals verhängnisvolle Entscheidung zog einen Rattenschwanz von Problemen nach sich, die sich bis heute rund um die Dollar-Abhängigkeit der Weltwirtschaft auftürmen.

Zwar einigte sich ein Großteil der Staatengemeinschaft auf Keynes' Vorschlag hin erstmals auf feste Wechselkurse zur Reduktion von Unwägbarkeiten auf Grund von Währungsrisiken. Dem Drängen Keynes auf eine neue Welt-Reservewährung wurde dabei aber nicht nachgegeben. Bis heute setzt sich unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz vehement für Keynes Idee ein. Erst 1969 wagte der Internationale Währungsfonds (IWF) einen halbherzigen Versuch mit der Schaffung der Sonderziehungsrechte, die jedoch niemals praktische Bedeutung erlangten. Stattdessen löste der US-Dollar das britische Pfund als Leitwährung ab. Das gilt heute genau so wie damals und zeigte sich deutlich wieder in der Finanzkrise, in der der Dollar trotz Schuldenexplosion der öffentlichen Hand in den USA als "sicherer Hafen" galt und kräftig stieg - und zwar paradoxerweise um so stärker, je schlimmer sich die US-Konjunktur entwickelte. Die USA sind einfach "too big to fail" für die Weltwirtschaft - und Investoren wissen das.

Um den Anspruch des Dollars als Leit- und Reservewährung zu unterstreichen gab die US-Regierung das Versprechen ab, Dollar mit einem festen Wechselkurs gegen Gold zu tauschen. Ich will jetzt nicht die gesamte Geschichte des Scheiterns des Bretton-Wood-Systems nachzeichnen, das ist ein Kapital für sich. Hier nur die Kurzform: Die US-Regierung hinderte die Goldbindung nicht daran, die Geldmenge immer weiter auszuweiten, unter anderem die Kredite an Westeuropa nach dem zweiten Weltkrieg, der Korea- und der Vietnamkrieg trugen dazu bei.

Gerüchte, nach denen die US-Regierung das eingegangene Versprechen, Dollar jederzeit in Gold zu tauschen, nicht nachkommen kann, sollten sich bald bestätigen: Frankreich kam 1969 auf die verwegene Idee das Versprechen der USA ernst zu nehmen und seine Dollar-Reserveren gegen Gold austauschen zu wollen. Die USA kamen dem Wunsch nicht nach, zwei Jahre später war die Goldbindung auch offiziell Geschichte. Trotz alledem hatte sich der Dollar längst als weltweite Leitwährung etabliert, in der beispielsweise fast sämtliches Rohöl bis heute gehandelt wird, was unter anderem eine teils verhängnisvolle Kopplung von Ölpreis und Dollarkurs mit sich bringt.

Die Goldeckung des Dollar ist ebenso wie die jeder anderen Währung also längst Geschichte. Manch einer glaubt daher mittelfristig sogar an den Zusammenbruch des gesamten Papiergeldsystems, das durch nichts mehr gedeckt ist außer unserem Vertrauen. Hinter vorgehaltener Hand soll Ex-Fed-Chef Alan Greenspan selbst dazu gehören. Insbesondere die US-Notenbank Fed geht mit diesem Vertrauen nicht immer sorgsam um. Anders als beispielsweise die europäische Zentralbank (EZB) ist sie politisch nicht unabhängig und nicht nur der Geldwertstabilität, sondern vor allem auch der Konjunkturstimulation verpflichtet.

Der Ursprung reicht bis 1987 zurück. Damals kam Alan Greenspan an die Spitze der US-Notenbank. Der passionierte Jazzmusiker sendete gleich nach seinem Amtsantritt ein unmissverständliches Signal. Im Oktober 1987, kurz nachdem der US-Aktienindex Dow Jones an einem Tag um knapp 23 Prozent eingebrochen war, senkte Greenspan drastisch die Zinsen. Nur 15 Monate später waren die Kurse wieder auf dem Vorcrash-Niveau. Ein Rezept, das Greenspan in den fast 19 Jahren seiner Amtszeit immer wieder anwandte. Und das ihn unter Anlegern und sogar unter renommierten Ökonomen zu einem Superstar werden ließ.

Quelle: Welt.de

Greenspan-Nachfolger Ben Bernanke hat diese Politik, die zur Krise beitrug, beibehalten - und wird dafür ebenfalls gefeiert. Allerdings wäre der Höhepunkt der Finanzkrise zugegebenermaßen nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, um mit dieser Tradition zu brechen.

Ungleichgewichte und Kapitalblasen

Wie hat die Dollar-Abhängigkeit nun zur Finanzkrise beigetragen? Erstens trug die US-Niedrigzinspolitik nach 9/11 zur Blase bei den Immobilienpreisen bei. Zweitens etablierten die asiatischen Notenbanken - allen voran die Chinesen - eine lange fortdauernde Tradition von Stützkäufen, um die eigene Währung gegenüber dem Greenback nicht aufwerten zu müssen. Die Maßnahmen zur Stützung des Dollars sollten die auf Export fixierte Wirtschaft in Gang halten - und konterkarierten damit teilweise sogar die Zinspolitik der Fed die US-Konjunktur zu dämpfen. Denn die Dollarreserven mussten irgendwo im Land angelegt werden und flossen neben US-Staatsanleihen, welche den USA die Verschuldungspolitik erleichterten, unter anderem auch in den ohnehin schon überhitzten Immobilienmarkt.

Bereits seit längerem drängen die USA China zu einer Aufwertung des an den Dollar gekoppelten Yuan. Es gibt allerdings Experten, die dieser Kritik nicht besonders viel Ernsthaftigkeit beimessen - schließlich sind die USA bei ihrem jahrzehntelang verfolgten Konzept "Wachstum durch Pump" auf die Anleihenkäufe angewiesen.

Die nächste Blase blubbert schon

Seit Ausbruch der Finanzkrise belässt die Fed den Leitzins auf dem Rekordtief von 0 bis 0,25 Prozent. Die Banken bekommen Kredite also praktisch umsonst. Das ruft Carry-Trade-Geschäftemacher in einem bisher kaum gekannten Ausmaß auf den Plan, die sich im Niedrigzinsland USA Geld leihen, um es in Ländern mit höherem Zinssatz wie Australien oder asiatischen Ländern anzulegen. Schon droht damit dort die nächste Kapitalblase.

Es bleibt zu hoffen, dass sich alle Währungsakteure nach den Folgen der schlimmsten weltweiten Rezession seit den 30er Jahren auf eine international ausgerichtete Währungs- und Wirtschaftspolitik besinnen. Einerseits darf keine Währung Leitwährung sein, die unter der Kontrolle einer Notenbank steht, die eine national ausgerichtete Wirtschaftspolitik betreibt - und dabei politisch abhängig ist. Andererseits darf diese Währung auch nicht zum Spielball von Exportinteressen werden, die eine auf auf Stabilität gerichtete Währungspolitik von vorne herein verhindert.

Zum Thema:

Kenneth Rogoff: Neues Austarieren der Wirtschaftsbeziehung zwischen den USA und China

Handelsblatt: Der Dollar steht vor einem Comeback (der Artikel von Juni 2009 hat bisher recht behalten)

Handelsblatt: Die sieben Leben des Dollars (8. April 2009, leider nicht online)

Spiegel Online: Wie die USA der Dollar-Falle entkommen

FTD: Wie der Dollar ins Gerede kam

Via economix.blogs.nytimes.com

... oder der Wunschtraum ewiger risikoloser Rendite

Wer Geld anlegt, erwartet eine Rendite. Der Satz klingt für unsere Ohren heute so selbstverständlich wie die Tatsache, dass jemand, der arbeiten geht, dafür einen Lohn erwartet. Doch ist diese Annahme so völlig selbstverständlich? Im Standardwerk des vielleicht bedeutendsten Ökonomen aller Zeiten - John Maynard Keynes - geht dieser ausführlich auf die Kapitalrendite ein. In seiner General Theory of Employment Interest and Money (PDF) nennt er die zu erwartende Rendite einer Kapitalanlage Marginal Efficiency of Capital, der er das gesamte Kapitel 11 seines Werks widmet.

Keynes glaubt nicht an die immerwährende Rendite

Keynes Theorie zufolge sinkt die Profitrate des Kapitals in wirtschaftlich entwickelten Gesellschaften im Laufe der Zeit immer weiter, bis sie sich schließlich Null annähert. Der Grund: Zu Beginn ist Kapital ein knappes Gut und wird dort eingesetzt, wo es am meisten Profit erwirtschaftet. Im Laufe der Zeit sind aber immer mehr lohnende Investitionen getätigt, Kapital ist zunehmend kein knappes Gut mehr und der Anleger muss in immer weniger lukrative Geschäfte investieren.

Es gibt natürlich auch in wirtschaftlich fortgeschrittenen Geselschaften noch das, was Schumpeter den Prozess der kreativen Zerstörung nennt: Teils traumhafte Renditemöglichkeiten in neuen innovativen Technologiebereichen, die ältere Wirtschaftsbereiche ersetzen. Aber wie auch die 2000er-Blase zeigt offenbar in sehr viel begrenzterem Umfang als Kapital vorhanden ist, das investiert werden möchte.

Empirische Daten belegen Keynes Annahme

Heute sind wir ja - was Marx falsch prognostizierte - fast alle kleine Kapitalisten. Wir legen unser Erspartes in Anleihen, Aktien und Fonds an. Die weltweite Sparquote - eigentlich eine ziemlich zähe wirtschaftliche Kennziffer - stieg binnen kürzester Zeit rasant an. Von 2001 bis 2007 erhöhte sie sich laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich von 21,5 auf 24,5 Prozent. Schon in den 90er Jahren ist sie enorm gestiegen. Die Daten können in den Jahresberichten der Bank nachgesehen werden. Mit anderen Worten: Das Angebot von Kapital auf dem Weltmarkt explodierte förmlich, vor allem durch Staaten wie Südkorea, China und Thailand. Keynes Theorie zufolge müsste die Kapitalrendite sinken.

Und genau das ist auch passiert:

Leider wuchsen die weltweiten Geldanlagemöglichkeiten längst nicht im gleichen Tempo wie die Ersparnisse. Lukrative Investments wurden knapp. Es entstand ein Überangebot an Kapital, das auf den Finanzmärkten massiv die Zinsen für langfristige Geldanlagen drückte. Konnte man in den 80er-Jahren mit zehnjährigen US-Staatsanleihen im Schnitt noch eine Rendite von real fünf Prozent pro Jahr verdienen, waren es zwischen 2000 und 2006 nur mickrige 1,9 Prozent. Ähnlich sah es bei traditionellen Unternehmensanleihen aus: In den 80er-Jahren verdienten Anleger, die Anleihen von Firmen mit bester Bonität kauften, pro Jahr real eine durchschnittliche Rendite in Höhe von 5,8 Prozent - nach der Jahrtausendwende waren es ganze 3,4 Prozent. [...]

Ganz ähnlich argumentiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem Jahresbericht 2009: Die ungewöhnlich niedrigen Nominalzinsen hätten es Banken und Vermögensverwaltern schwieriger gemacht, die Renditen, die sie ihren Kunden versprochen hatten, zu erwirtschaften. Daher seien "die Finanzinstitute entsprechend höhere Risiken eingegangen, um ihre Rendite- und Gewinnvorgaben trotzdem erreichen zu können".

Quelle: Olaf Storbeck - Die Jahrhundert-Krise

Die derzeit aktuelle Umlaufrendite, das heißt die Rendite für Staats- und Unternehmensanleihen erstklassiger Bonität, liegt bei mageren drei Prozent.

Dennoch herrscht bei Anlegern nach wie vor so etwas wie die Vorstellung eines "Naturrechts auf Gewinne" vor, wie der Soziologe Christoph Deutschmann in seinem Aufsatz "Der kollektive Buddenbrooks-Effekt" ausführt, den Weissgarnix-Blogger Thomas Stroble zum Download bereitstellt. Die wichtigsten Sätze daraus:

Der heutige Finanzmarkt-Kapitalismus hat Eigentum und unternehmerische Tätigkeit in einem historisch beispiellosen Maß entkoppelt. Millionen von Aktien- und Fondsanteilbesitzer erwarten „Erträge“ auf ihr Geld, ohne sich die geringsten Gedanken darüber zu machen, wo die Schuldner herkommen sollen und ohne selbst ein unternehmerisches Risiko zu übernehmen. Das hohe Lied der unternehmerischen Tugenden predigt man lieber den anderen. Daß es dort, wo es keine schöpferische Zerstörung mehr gibt, auch keinen Kapitalgewinn mehr geben kann, will man nicht wahrhaben. [...]

Für eine langfristige Strategie wäre es sinnvoller, sich auf die Analyse von Keynes zurückzubesinnen und nach Wegen zu suchen, wie der Aufbau übermäßiger Vermögen und nachfolgender Finanzmarktblasen in fortgeschrittenen Industrieländern ex ante, d.h. mit politischen Mitteln verhindert werden kann.”

Quelle: Christoph Deutschmann - Der kollektive Buddenbrooks-Effekt

Die positive Seite der Medaille: Wer eine halbwegs gute unternehmerische Idee hat - oder Unsinn entsprechend gut verkaufen kann, kommt immer leichter an Risikokapital, das so dringend Anlagemöglichkeiten sucht. Die nächste Blase kommt bestimmt.

In meinem zweiten Podcast beschäftigte ich mit dem großen Allparteienkonsens beim Thema Wirtschaftspolitik: Dem Dogma des immerwährenden Wachstums.

Download als Mp3 (19 MB)

Ich meine, es ist einfach so - ich verstehe nicht viel von Ökonomie. Ich bin kein guter Mathematiker, ich verstehe nicht viel von Ökonometrie, und ich weiß auch nicht, wie man Theorien aufstellt. Wenn Sie mich nach der Entwicklung der Aktienmärkte oder des Wirtschaftswachstum fragen, wenn Sie mich fragen, ob Deflation gut oder schlecht ist, wenn Sie mich nach Steuern fragen - ich meine, es wäre Betrug, wenn ich Ihnen sagte, dass ich irgendetwas über diese Dinge weiß.

Steven D. Levitt, Professor für Ökonomie an der University of Chicago.

Gemeinsam mit dem Journalisten Stephen J. Dubner schrieb der den Bestseller "Freakonomics", den ich gerade zu Ende gelesen haben. Dort schreiben die beiden zwar nicht über Deflation oder die Entwicklung des Aktienmarktes, sondern eklären, warum Drogendealer oft bei ihren Müttern wohnen, warum die Legalisierung von Abtreibungen einen stärkeren Rückgang auf die Kriminalitätsrate hat als jede Polizeitaktik und warum es nicht unwahrscheinlich, dass der beliebteste Mädchename der USA im Jahre 2015 Annika sein wird.

Eine kurzweilige Lektüre, obwohl man einiges schneller auf den Punkt hätte bringen können. Kompakter in dieser Hinsicht ist das Buch Ökonomie 2.0 der beiden Handelsblatt-Ökonomen Olaf Storbeck und Norbert Häring, das ebenfalls sehr zu empfehlen ist.

Grundlage des Freaconomics-Buchs war das gleichnamige Blog der New York Times, das nach wie vor regelmäßig aktualisiert wird.

Ausgehend von der Neubesetzung sechs Professorenstellen an der Universität zu Köln, ist unter deutschen Volkswirtschaftlern ein Streit entbrannt, der inzwischen längst über die Grenzen Kölns hinausgeht. Es geht um die Ausrichtung der ökonomischen Ausbildung in Deutschland. Die Debatte wird erbittert geführt. Auf der einen Seite stehen die Anhänger der klassischen deutschen Ordnungspolitik.

Ihnen gegenüber stehen die Befürworter mathematisch-formalisierter quantitativer Makroökonomie-Modelle, die sich an der angelsächsischen Forschungstradition orientieren. Der immer noch anhaltende Streit wird ausführlich unter anderem in der FAZ und im Handelsblatt dokumentiert.

Ich selbst bin kein VWLer, ich habe Sozialwissenschaften in Düsseldorf studiert, das heißt Politikwissenschaft, Medienwissenschaft und Soziologie. Dennoch habe ich einige VWL-Veranstaltungen besucht und jeder, der mich kennt, weiß von meinem großen Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen. Deshalb will ich, sozusagen aus der Außenperspektive, nun auch mal meine Meinung zu der Debatte kundtun.

Die Ordnungspolitik hat ihr Schuldigkeit getan, sie kann gehen

Ich spreche der Schule der deutschen Ordnungspolitik ab, überhaupt eine Wissenschaft zu sein. Eine Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die eigenen Prämissen immer wieder infrage stellt und in nachvollziehbarer Weise überprüft. Das tut die Lehre der Ordnungspolitik durch den völligen Verzicht auf Empirie nicht. Die "Erkenntnisse" der Ordnungspolitik mögen zwar besser funktionieren als die des "wissenschaftlichen Sozialismus" - aber die wissenschaftliche Güte beider Ökonomienschulen bewegt sich aus meiner Sicht auf einem ähnlichen Niveau.

Walter Eucken hat sicher seine unbestreibaren Verdienste am westdeutschen Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Ihm ist es gelungen, die traditionell marktskeptische deutsche Politik und Bevölkerung über eine theoretische Fundierung an die Marktgesellschaft zu gewöhnen. Das noch größere Verdienst gebührt wahrscheinlich dem zweiten großen Theoretiker der Ordnungspolik Alfred Müller-Armack. Theoretisch weniger interessant, dafür aber mehr praktisch orientiert als Eucken, verstand er es, über das Label der "Sozialen Marktwirtschaft", den Ordoliberalismus den Deutschen auch zu verkaufen - ein Begriff, den Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard dann popularisierte.

Dennoch war die deutsche Ordnungspolitik immer mehr eine Ideologie als eine Wissenschaft. Mit Bezügen zur Philosophie und in vielen schönen Worten versuchte sie, eine Marktgesellschaft zu rechtfertigen - und verzichtete dabei auf Empirie. Sowohl die Prämissen dieser Ideologie als auch deren geisteswissenschaftliche hermeneutische Methodik sind meiner Meinung nach überholt.

Ausdruck dafür ist für mich beispielsweise der "ordnungspolitische Einspruch", den IW-Direkter Michael Hüther regelmäßig für das Handelsblatt schreibt. Die Kommentare gleichen eher einer Sonntagspredigt als wissenschaftlichen Beiträgen. Beinahe börsentäglich werden dort der Gemeinde der Gläubigen die immergleichen Dogmen eingetrichtert. Da kann draußen die Finanzkrise toben und die Weltwirtschaft kollabieren - die Gemeinde klammert sich nur um so fester an die alten Glaubenssätze. Das Wiederholen ordnungspolitischer Mantras mag in so stürmischen Zeiten einen gewissen Halt geben - ein wertvoller Beitrag zur wirtschaftswissenschaftlichen Debatte ist es aber nicht.

Wer in den ordoliberalen Werken der deutschen Schule der Ordnungspolitik nach den heute extrem wichtigen Unterschieden zwischen Finanz- und Gütermärkten oder Märktepsychologie sucht, wird enttäuscht. Eine Wirtschaftstheorie, die Kapitalmärkte und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft praktisch ignoriert, ist nicht mehr zeitgemäß. Punkt.

Makroökonomen klammern sich an falsche Annahmen

Ist die deutsche Ordnungspolitik mit ihrem geisteswissenschaftlich-hermeneutischen Ansatz frei von Formeln, wird man in der quantitativen Makroökonomie geradezu mit Mathematik erschlagen. Kein Problem, das sich nicht in eine Formel packen ließe, kein menschliches Verhalten, das sich nicht in Form einer Nutzenfunktion darstellen ließe, scheint der Credo dieser Schule zu sein.

Doch die Über-Formalisierung täuscht wissenschaftliche Exaktheit vor, wo meist ebenfalls nur Glaubenssätze herrschen. Leider operieren viele quantitative Makrökonomen mit Prämissen, die nicht - wie sie behaupten -eine Annäherung an die Realität darstellen, sondern weit von dieser entfernt sind. Zahlreiche gut dokumentierte psychologische Experimente haben das Menschenbild des homo oeconomicus so grundlegend widerlegt, wie kaum ein andere Prämisse in der Wissenschaft. Das scheint viele Makroökonomen allerdings nicht im geringsten zu stören.

Die Ökonomie leidet an ihrer Ideologisierung

Mich hat es erschreckt, wie unkrititisch und unreflektiert einige Ökonomen mit ihren eigenen Modellen, Prämissen, Methoden und Erkenntnissen umgehen. Vielleicht leidet die Ökonomie immer noch darunter, dass sie in Zeiten der Ost/West-Konftrontation auch in forderster Front im Kampf gegen den Sozialismus stand. Vielleicht ist sie deshalb so voller Dogmen und unantastbarer Glaubenssätze, weil sie eben auch im Kampf gegen eine Ideologie instrumentalisiert wurde.

Eine Wissenschaft aber muss frei von Vorurteilen sein, muss die eigenen Prämissen immer wieder infragestellen. Eine Wissenschaft, die diesen Namen verdient, stellt Thesen auf, die empirisch falsifizierbar sind. In diesem Sinne dürfte ein Großteil dessen, was Ökonomen für Erkenntnisse hielten, durch die Finanzkrise als falsifziert gelten.

Just my 2 Cents

Es wird Zeit, dass sich die Ökonomie endlich konsequent wissenschaftlichen Methodiken unterwirft. Prämissen müssen, soweit das möglich ist, überprüft werden und dürfen keiner ideologischen Überzeugung entspringen. Dafür ist ein interdisziplinärer Ansatz nötig. Ökonomen steht beispielsweise eine Fülle von Erkenntnissen über das Verhalten von Menschen aus psychologischen Experimenten zur Verfügung.

Die Ökonomie muss, will sie für die Gesellschaft nützliche Erkenntnisse liefern, sich an den realen Bedürfnissen von Menschen orientierten. Nutzen und Wohlstand ist für die Menschen nicht mit Geld gleichzusetzen, diese Gleichsetzung ist in den matriell gesättigten Volkswirtschaften der westlichen Welt falscher als je zuvor. Auch hier ist ein interdisziplinärer Ansatz sinnvoll: Von Soziologen und Psychologen aus dem Bereich der Glücksforschung können Wirtschaftswissenschaftler erfahren, was Menschen wichtig ist.

Weiterhin darf sich die Ökonomie nicht in vereinfachende Modelle flüchten. Die Welt, auch die Welt der Wirtschaft, ist komplex. Wer sie annähernd realitätsnah beschreiben will, muss Phänomene wie Transaktionskosten, Informationsassymetrien und den menschlichen Herdentrieb beachten, die in vielen makroökonomischen Modellen immer noch unter den Tisch fallen. Wenn Ökonomen den Anspruch haben, reale Erkenntnisse über reale Probleme zutage zu fördern, müssen sie sich auch an diesen orientieren und nicht an weltfremden Modellen, in denen rationale Nutzenmaximierer in einem völlig transparenten Markt agieren.

Bei der Erforschung der Funktionsweise komplexer Systeme können Ökonomen vielleicht sogar von den Erkenntnissen der Biologen profitieren. Zumindest glaubt das Nicholas Taleb.

In den USA und England haben viele Wirtschaftswissenschaftler die Probleme ihrer Diziplin längst erkannt. Dort haben Ökonomen wie George Akerlof (USA) und Richard Layard (Großbritannien) schon vor der Finanzkrise den alten Dogmen den Kampf angesagt.

Schuldig gemacht haben sich in der Finanzkrise nicht nur die USA, die auf Kosten des Rests der Welt auf Pump lebten, sondern auch die sparwütigen Deutschen mit ihrer Exportfixierung. Denn die Deutschen (und noch sehr viel stärker die ebenfalls exportfixierten Chinesen) halfen, die US-Immobilienblase kräftig aufzublasen. Wenn man so will, dann hat die fleißige sparsame Tante Erna aus Buxtehude der kreditkartenüberziehenden Aunt Annie aus Detroit das Häuschen finanziert.

Erst durch die Finanzkrise rückt in den Fokus, worauf die Ökonomen, die nicht zu Sabine Christiansen eingeladen wurden, schon lange hinweisen: Die enormen weltweiten Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen der Länder.

Selbst Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, der noch in den 90er Jahren dem unsägliche Credo der Sabine-Christiansen-Ära ("Der Fall Deutschland: Abstieg eines Superstars") einen wissenschaftliche Anstrich gab, hat seine Position um 180 Grad gedreht. Inzwischen kritisiert er deutlich Deutschlands Exportfixierung und bezeichnete Deutschland in diesem Zusammenhang kürzlich als Stoßdämpfer der Welt. Das steht zwar fundamental im Widerspruch zu früheren Aussagen des Professors - macht sie aber gerade deshalb nicht falsch.

Es ist das holzschnittartige ökonomische Verständnis des "Wir müssen den Gürtel enger schnallen"-Kanzlers Helmut Kohl, das sich bis heute in vielen deutschen Köpfen festgesetzt hat: Sparen, sparen, sparen, fleißig schufften und exportieren - diese vermeintliche wirtschaftliche Erfolgsformel scheint irgendwie der deutschen Mentalität zu entsprechen. Sie ist jedoch nicht weniger mitschuldig an den globalen Ungleichgewichten als die US-amerikanische schuldenfinanzierte Konsumwut.

Es ist natürlich toll, wenn alle Welt Porsche und Mercedes fahren will. Nur in irgendwas muss das so eingenommene Geld auch investiert werden. Die Deutschen investierten kräftig: In Lehman-Zertifikate beispielsweise oder auch in amerikanische Immobilien - beides keine besonders lohnende Investitionen, wie wir heute wissen. Auch die Chinesen wissen angesichts ihres enormen Exportüberschusses gar nicht mehr, wohin mit den ganzen Devisen (vor allem Dollar), die sie dadurch auftürmen. Auch das hat neben der Niedrigzinspolitik der Fed die amerikanische Immobilienblase vergrößert.

In der Krise rächen sich jahrzehntelange Lohnzurückhaltung im Sinne eines immer perverseren Exportüberschusses: Die deutschen Exporte brachen im April im Vergleich zum Vorjahr um rund 29 Prozent ein. Angesichts der geringen Löhne sowie der immer noch stark ausgeprägten Sparneigung, gibt es nichts in Deutschland, das die wegbrechende ausländische Nachfrage ersetzen könnte. Deutschlands Wirtschaftsleistung wird prozentual so stark einbrechen wie in kaum einen anderen Land.

Dass sich in einer weitgehend industrialisierten Welt ein kleines Land mit kaum 80 Millionen Einwohnern immer noch "Exportweltmeister" nennen darf, sollte uns eigentlich zu denken geben. Stattdessen waren Politik und Bevölkerung aber geradezu stolz auf dieses enorme Handelsbilanzungleichgewicht. Die Quittung dafür kommt in der Krise.


Quelle: Strizz auf FAZ.Net

Ein kleiner Nachtrag zu Sloterdijk

Was ist eigentlich produktiv? In seinem jüngsten von mir bereits mit einer Polemik bedachten Aufsatz des Pop-Philosophen Peter Sloterdijk unterlässt dieser eine Begriffsklärung natürlich genauso, wie er eine saubere Argumentation vermissen lässt.

Ich nehme aber an, Sloterdijk hängt einer ähnlichen Defintion des Begriffs an, wie ein VWL-Prof von mir, mit dem ich im Dauer-Clinch lag. "Ökonomisch gesehen", betonte er immer - womit er natürlich seine vulgär-liberale Perspektive meinte - "gibt es keine perversen Präferenzen".

So gesehen gehört Sloterdijk natürlich zu den Hochproduktiven. Denn Veranstaltern ist es regelmäßig 5-stellige Beträge wert, dass Sloterdijk seine anti-intellektuellen verbalen Ausdünstungen unters Volk bringen kann. 

Da zählt aus (neo)klassischer Sicht auch nicht, dass jeder Durschnittsbegabte mit einem Restanspruch an Anstand und Moral erkennt, dass das Ergebnis ein mit Unsinn zugedröhntes Publikum ist, das um seine Früchte Arbeit gebracht wurde. So wie aus (neo)klassischer Sicht auch eine völlig sinnlose Energiescheibe 1000 Euro wert ist, so lange jemand das bezahlt. Für mich ist Sloterdijk die Energiescheibe für Intellektuelle - oder die, die sich dafür halten.

Aus dieser Sicht entsteht ja auch bei der Inanspruchnahme einer legalen Prostituierten (produktiv!) volkswirtschaftlicher Nutzen, während eine sich nicht dem Korsett des Warenfetischs unterwerfende freiwillige Liebesbeziehung (unproduktiv!) volkswirtschaftlich keinen Wert hat. Sen, Stiglitz - bitte übernehmen Sie!

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