Vorwort vom 31.12.09:
Es ist nun zwei Jahre her, dass ich folgenden Text schrieb - doch bei Google taucht er bei der Suche nach "Subprime-Krise" immer noch weit oben auf. Inzwischen weiß ich deutlich mehr über die Finanzkrise, ihre Ursachen und den Verlauf. Der folgende Text enthält eine Reihe von Ungenauigkeiten und groben Vereinfachungen. Ich will ihn dennoch aus historischen Gründen stehenlassen. Als allerste Orientierung, um die Ursachen der Finanzkrise zu verstehen, ist er auch sicher nach wie vor nicht schlecht. Wer sich allerdings ein umfassendes Bild der Ursachen der Finanzkrise machen möchte, sei folgendes Buch empfohlen: Olaf Storbeck - Die Jahrhundert-Krise. Es beleuchtet durch aktuellen Studien fundiert alle wichtigen Aspekte der Ursachen der Finanzkrise und ist dennoch knapp und verständlich geschrieben.
Hier der alte Text:
Schon seit einigen Monaten bekommen auch ökonomisch unbedarfte Mediennutzer Begriffe wie Subprime- und US-Hypothekenkrise um die Ohren gehauen. Was dahinter steckt, ist nicht ganz einfach - aber auch nicht superkompliziert. Ein kurzer Erklärungsversuch.
Begriffswirrwar
US-Hypothekenkrise, Subprime-Krise, Immobilienkrise, Bankenkrise, Finanzkrise - gemeint ist im Grunde immer das gleiche: Hypothekenfinanzierer in den USA und Banken auf der ganzen Welt gerieten in die Klemme, weil Milliardenkredite im sogenannten Subprime-Markt, einem Markt für Kredite mit nicht optimaler Bonität, ausfielen.
Was ist passiert?
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase und den Anschlägen vom 11. September 2001, senkte der damalige Fed-Chef Alan Greenspan die US-Leitzinsen mehrfach kräftig in Serie, um für verbilligte Kredite und damit höhere Investitionsbereitschaft und Konsum zu sorgen. In seinen Memoiren erinnert er sich:
Wir erweiterten damit die Serie der sieben Zinssenkungen, die wir Anfang 2001 durchgeführt hatten, um die Auswirkungen des Dotcom-Crashs und des allgemeinen Einbruchs am Aktienmarkt aufzufangen. Nach den Anschlägen des 11. September senkten wir die Zinsen noch vier Mal und ein weiteres Mal auf dem Höhepunkt der Unternehmensskandale im Jahr 2002.
Die Leitzinssenkungen verfehlten ihre Wirkung nicht: Die US-Konjunktur brummte, die Beschäftigung stieg ebenso wie die Löhne und ein großer Teil der US-Haushalte verfügte über regelmäßige feste Einkommen. Das alles führte zu einem Run auf den Immobilienmarkt und damit zu steigenden Preisen für Wohnungen und Häuser. Die US-Häuslebauer ließen sich jedoch davon nicht abschrecken und kauften kräftig Immobilien - auf Pump natürlich. Besonders rentabel war dabei der Markt für sogenannte Subprime-Kredite, also Kredite an Verbraucher, deren Kreditwürdigkeit durch niedrige Einkommen eher gering war. Denn das zahlte sich durch entsprechend hohe Zinsen für die Banken und Immobilienfinanzierer aus.
Verschärft wurde die Immobilienblase durch staatliche Eingriffe: Wer Immobilien kaufte, konnte auch in den USA effektiv Steuern sparen. Zudem förderte der Staat beispielsweise über die beiden Banken in halbstaatlichem Besitz - Freddie Mae und Fannie Mac - die Vergabe von Hypotheken an Mittelklassenfamilien, weil dies dem Ideal der Eigentumsbildung entsprach.
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Bild: www.leitzinsen.info
Um der steigenden Inflationsgefahr entgegenzuwirken, erhöhte die Fed ab Ende 2004 den Leitzins jedoch wieder sukzessive. Erschwerend hinzu kam, dass auch das Konjunturklima nachließ. Die Einkommen stagnierten und die Arbeitsmarktdaten verschlechterten sich. Der Ausfall einiger Subprime-Kredite war jedoch über die hohen Zinssätze bereits einkalkuliert und über die damit finanzierten Immobilien als Sicherheit gedeckt. So störte sich außer den Menschen, die ihre Häuser durch die teuren Kredite verloren, zunächst niemand an den ersten Anzeichen der Subprime-Krise.
Mit dem weiteren Steigen des Leitzinses wuchs allerdings die Zahl der ausfallenden Kredite und immer mehr Immobilien wurden von den Gläubigern zwangsversteigert. Als Folge drückte das Überangebot am Immobilienmarkt die Preise für die Häuser. Was dann folgte, war der berühmte Dominoeffekt: Immer weniger Schuldner konnten ihre Kredite noch tilgen, immer mehr zwangsversteigerte Immobilien überschwemmten den Markt und die Preise gingen in den Keller. Die als Sicherheit gedachten Immobilien, welche mit den Subprime-Krediten finanziert wurden, verloren ihren Wert für die Banken, die damit einen immer größeren Teil ihrer Kredite abschreiben mussten.
Ratingagenturen und Kreditverkäufe
Verschärft wurde die Krise zudem durch den Verkauf von Kreditbündeln der Banken untereinander. Durch spekulative Exzesse wurden verschiedenste Kredittranchen in Paketen zusammengeschnürt und international gehandelt. Dabei verließen sich die Banken oftmals auf das Urteil der Ratingagenturen wie Standard & Poor's oder Moody's.
Die Ratingagenturen bewerteten die Kreditpakete, in denen auch viel faule Kredite aus dem Subprime-Markt enthalten waren, oft mit relativ guten Bonitäts-Ratings. Das führte dazu, dass die Banken in ihrem Ziel, immer höhere Rendite zu erwirtschaften, häufig Verbindlichkeiten in sehr großem Stil einkauften, ohne darauf zu achten, welche einzelnen Kredite in den Paketen überhaupt vorhanden waren. Dadurch wurde ein Problem der Immobilienfinanzierer zum Flächenbrand für die ganze Finanzbranche - bei der die Banken durch die unübersichtlichen Kreditpakete häufig selbst nicht mehr den Überblick darüber hatten, wie schwer sie von der Krise betroffen waren.
Was hat der Rest der Welt damit zu tun?
Zunächst einmal sind die USA nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Erde und damit selbstverständlich gerade für Exportländer wie Deutschland ein wichtiger Absatzmarkt. Dessen Bedeutung hat jedoch gerade für EU-Länder eher abgenommen.
Weil aber auch Banken außerhalb der USA kräftig in die faulen Kredite investierten und weil die Subprime-Kredite Teil von allerlei Investments von Hedge- bis Pensionsfonds waren, belastete der Kreditausfall nicht nur amerikanische Banken. Auch wenn sie immer wieder beteuerten, nicht in riskante US-Kreditvergaben involviert gewesen zu sein, mussten Banken auf der ganzen Welt nach und nach zugeben, immer größere Kreditsummen abschreiben zu müssen - darunter auch die deutschen Landesbanken, die sich überwiegend in staatlichem Besitz befinden. Die deutsche IKB wurde nur durch Einspringen der staatlichen KfW-Bank gerettet - zulasten der Steuerzahler.
Die Folge der geplatzen Kredite war außerdem eine weltweite Kreditklemme und damit ein verschlechtertes Investitionsklima, denn die Kredite verteuerten sich weiter durch einen Mangel an liquiden Mitteln. Auch europäische Banken boten ihren Gläubigern teilweise Millionensumme, um zugesagte Kreditsummen nicht leisten zu müssen.
Update vom 28. Februar 2008: Wer diesen Beitrag gelesen hat, kennt nun den Zusammenhang zwischen der Zinspolitik der Fed und den Ursachen der Immobilienkrise. Karin Assemacher-Wesche von der Schweizerischen Nationalbank und der in Frankfurt lehrende schwedische Ökonom Stefan Gerlach haben nun in einer Studie untersucht, wie stark die US-Notenbank die Zinsen hätte anheben müssen, um die Überbewertung des Immobilienmarktes effektiv zu bremsen. Handelsblatt.com fasst das Ergebnis wie folgt zusammen:
Zitat:
Eine Zentralbank, die mit höheren Zinsen erreichen möchte, dass die Immobilienpreise um 15 Prozentpunkte schwächer ausfallen als ohne ihr Eingreifen, muss damit rechnen, dass sie das Wirtschaftswachstum um fünf Prozentpunkte drückt, zeigen die Berechnungen der Forscher.
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Ich danke dir! Super verständlich und aufschlußreich.
Werde ich gleich mal meinen beiden Kiddis zum Lesen empfehlen.
sehr aufschlußreich und verständlich! Vielen Dank
Hallo Doener, vielen Dank für den Artikel.
Er bringt die Problematik wirklich sehr gut rüber.
Ich habe den Artikel mal bei uns verlinkt. :-)
Danke für die gute Zusammenfassung.
Nach dem heftigen Börsenturbulenzen und dem Zusammenbruch von Bear Stearns (verursacht durch die Subprime Krise) stellt sich nun die Frage, ob unser Finanzsystem weitere Bankenzusammenbrüche verkraftet.
Die FED musste bei Bear Stearns 30 Milliarden Dollar als Garantie geben. Wie viele Banken kann die FED denn unterstützen?
Ich bin für die Entwicklung der Börsen und unserem Wirtschaftssystem sehr skeptisch eingestellt.
Gruß Gerhard
Auch noch ganz interessant zu dem Thema:
Vielen Dank! Sehr hilfreich!
Hallo,
gibt es eine konkrete Zahl, wieviele Hausfinanzierungen als sog. Subprime Kredite gelten und wie hoch diese Darlehen im Durschnitt sind. Dann könnte man ja mal berechnen wie teuer in "Sanierung" wäre oder wie teuer ggf. ein Zinsdumping wäre. Ich denke man muss das Übel an der Wurzel anpacken und das ist dann direkt bei den einzelnen Finanzierungen.
Bezüglich dieser Daten gibt es sicher zumindest Schätzungen, ich kenne aber keine.
Alternativ könnte man übrigens auch die 700 Milliarden Dollar nutzen, um den Immobilienmarkt zu stimulieren. Damit würde man an der Wurzel des Problems ansetzen. Mit 700 Milliarden Dollar ließe sich so einiges finanzieren.
Danke, den ersten Teil habe ich gut verstanden.
Allerdings ist mir der zweite Teil nicht klar. Was heißt in faule Kredite investieren? und was ist die Rolle der Hedgefonds, Investmentbanken, etc. Und was hat es mit den asset-backed securities auf sich?
Die Zahlungsilliquität der Banken resultiert ja nicht nur daraus, dass die subprime Kreditnehmer ihr Geld nicht zurück zahlten. Und warum ist eigentlich die Versicherung AIG Pleite gegangen?
Da dein Beitrag bis jetzt der einige war, den ich zu 100% verstanden habe, wäre es toll, wenn du ihn ausweiten könnest oder vielleicht einige gute Links hast. Ich habe auch den Wikipedia Artikel gelesen, aber leider blicke ich immer noch nicht durch, obwohl ich viele BEgriffe nach gesehen habe.
Vielen DAnk
benedikt
Hallo!
Dein Artikel gefällt mir gut! Einfach, präzise und verständlich. Schön, dass sich mal jemand die Mühe macht!!!
Ich hätte doch noch ein paar Anregungen: Vielleicht könnte man noch die Problematik der Ratingagenturen mit rein bringen. Und auch geht nicht ganz hevor, dass die Hypotekenkredite wieder als Pakete weiterverkauft wurden und somit das Risiko teilweise einfach weitervergeben wurde.
Liebe Grüße, anna
Hi Anna!
Stimmt, diese beiden Aspekte fehlen in diesem Text, ich habe sie aber im Podcast zur Finanzkrise erwähnt. Aber du hast recht, ich ergänze den Text noch um die beiden Aspekte.
Servus!
Klasse aufgearbeitet. Ich habe es mir in einem eigenen Dokument gleich noch mal selbst zusammen gefasst, dass es sich besser einprägt ;-)
Danke dir!
Ich glaube, wenn Basel II endlich greift, dann wird zumindest in der EU sowas nicht so schnell wieder vorkommen. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die USA endlich merkt, dass die Banken eine größere Risikovorsorge treffen müssen...
LG Basti
Vielen Dank für den Hintergrund!!! Hat man selten so präzise und gut erklärt!
wesentlich verständlicher als alle anderen Quellen Vielen Dank
Sehr geehrter Stefan
Danke dir für den sehr gelungenen Artikel über die Finanzkrise. Ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit an der Universität St.Gallen zum Thema Subprimekrise und die Rolle der Ratingagenturen. Ich wollte dich nun fragen, ob du noch weitere Informationen zu diesem Thema hättest, v.a. zu de Ratingagenturen.
Wäre über jede Hilfe, Link u.ä. sehr erfreut. Vielleicht könntest du später sogar meine Arbeit gegenlesen wenn du Zeit hast?
Schon mal herzlichsten Dank im Voraus.
Grüsse Sven // creekool@bluewin.ch
2h später und schon eine Antwort mit super Links! Das nenn ich ein super Blogger :) thx again!
Hi Stefan,
fand den Artikel auch super und bin ebenso an meiner These zu Finanzkrise und deren Auswirkungen auf den deutschen Immobilienmarkt dran. Könntest Du mir freundlicherweise auch die Links zukommen lassen die Du Sven geschickt hast. Besten Dank und weiter so!!! Gruß Albert
Jetzt nochmal für alle, hier die Mail, die ich Sven geschickt habe:
Ich habe mich nicht wirklich tiefgehend mit dem Thema Finanzkrise beschäftigt, zumal ich nichtmal Wirtschaft studiere.
Ebenfalls eine schöne, kurze und übersichtliche Einführung ins Thema bietet diese Bildergalerie von Spiegel Online:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-3...
Ansonsten haben Olaf Storbeck und Norbert Häring einige interessante Beiträge zu den Hintergründen der Finanzkrise für das Handelsblatt geschrieben. Einfach mal auf http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/ umsehen und die Suchfunktion nutzen.
Aktuell wird hier z.B. eine Studie zusammengefasst: http://www.handelsblatt.com/politik/wissenswert...
In den Artikeln von Storbeck und Häring wird auch immer auf die Originalstudien verlinkt.
boom headshot
learn2profit
sehr cool, wollte nur schnell für ne PoWi-Aufgabe was über die Subprime Krise lesen, war sehr hilfreich :) gut zu verstehen, trotz wenig hintergundwissen und kein unwichtigen Details
Gratulation für die Konzentration auf das absolut Wesentliche! Ist sehr verständlich. Also die Banken haben intern Wertberichtigungen auf den Immobilien vorgenommen, ich zweifle aber, dass dies sich auf die Angebotspreise auswirkt. Wie kann ich das als potenzieller, liquider Käufer überprüfen und den Preis auf das adäquate Nivau drücken?
Super zusammengefasst!!! Verständlich, kurz, wesentliche dabei Eine Aktualisierung wäre auch sehr hilfreich :-)
Super gemacht!!! Besser als die allermeisten Zeitungsartikel. Hilft mir für meine Präsentationsprüfung :)
Danke
danke!!!
hat mir super weitergeholfen!!!
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Flo
aufschlussreich, und nicht zu detailliert. Danke!